Da steht dieses Leberwurstglas
im Kühlschrank.
Angebrochen
vor längerer Zeit.
Als man
Appetit hatte.
Einmal nur
hatte man diesen Appetit;
das Glas wurde angebrochen,
und der Appetit kam & kam
nicht wieder.
Man ahnt
wie es in dem Glas aussehen könnte,
mittlerweile.
Man traut sich nicht,
nachzuschauen.
Aber man hofft,
dass noch alles in Ordnung ist,
sollte der Appetit
jemals
zurückkommen.
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Das Leberwurstglas
Die Sirene
Und vielleicht ist sie
die Sirene
die Dich
aus dem Schlaf reißt
Aus dem viel zu langen Schlaf
der wirren Träume
Und sie reißt Dich aus dem Schlaf
Um Dich zu warnen
vor dem Feuer
Vor dem Feuer
das
sie
selber
in
Dein
Haus
trägt
Wörter davor, Wörter danach, Wörter während
Man atmet
bevor man das Wort kennt
Man weint
bevor man das Wort kennt
Man trinkt
bevor man das Wort kennt
Man isst
bevor man das Wort kennt
Man pisst
bevor man das Wort kennt
Man träumt
bevor man das Wort kennt
Man fühlt
bevor man das Wort kennt
Man vertraut
bevor man das Wort kennt
Man liebt
bevor man das Wort kennt
Dann
erlernt man die Wörter
& so Manches
erscheint
weniger
unmittelbar
durch sie
Wörter kommen hinzu
zu dem WortSchatz
Wörter die man kennt
bevor man tut
wofür sie stehen
Und Vieles
wofür es Worte gibt
wird man niemals tun
Vieles
wofür es Worte gibt
kann
niemand
jemals
tun
Dann
vergisst man Wörter
& das
wofür sie stehen
Oftmals
ohne es zu bemerken
Und man
vermisst sie nicht
Andere möchte man
verdrängen
aber sie sind zu aufdringlich
Immer wieder aufs
Neue
Und dann
kommt der letzte
Atemzug – – –
Welches Wort
wird man denken?
Wenn überhaupt ….
Es ist
gleichgültig.
Man tut
das Letzte
was einem zu tun bleibt
Das was man am längsten
vor sich her geschoben hat
obwohl man das Wort dafür
schon so lange
kannte
gekannt hat
kennt
Die Unmittelbarkeit
kehrt zurück
Für einen Moment
Ohne Worte
Doch die Wörter
überleben
Taub & Blind & Stumm
Ich spüre sie kaum
die Zeit
die mich aufgespürt hat
als ich
geboren wurde
Sie zieht mich durchs Leben
an einem Faden
der immer kürzer wird
Der Faden könnte
rot sein
oder schwarz
Ich bin blind
für seine Farbe
Er könnte auch
durchsichtig sein
Mein Zeitgefühl ist
nahezu taub
Und meine Blindheit
für so Vieles
lässt mich
verstummen
Meine Behinderung
Ich bin zurückgeblieben
geistig
gefühlsmäßig
An dem Ort
des größten Schmerzes
In der Zeit
des größten Schmerzes
An dem
wunden Punkt
Wo die Welt sich
zurückzog von mir
Das ist
meine Behinderung
Ich bin zurückgeblieben
wo
nichts
zurückgeblieben
ist
Das Knie der Einsamkeit
Die Einsamkeit
küsst
ihr eigenes
Knie
ganz
sanft
&
so selbstvergessen
dass sie
beinahe
bei
nahe
selber
glaubt
die Lippen
eines
Fremden
zu
spüren
Durchsichtig
Sie trug einen Rock, der mir
eigentlich
zu lang gewesen wäre.
Aber
zum Ausgleich
war er
dünn.
So dünn.
Er war durchsichtig.
So durchsichtig
wie meine
Motive.
Man sah,
wenn das Licht
günstig
stand,
ihre Beine.
Ihren Slip.
Ich war wütend.
Warum hatte sie ihn angezogen
– jetzt –
unmittelbar
bevor sie
zu
ihm
zurück
fuhr?
Warum nicht
früher?
»Toll«, sagte ich, »was
Anderes
hattest Du wohl nicht?«
Ihr kleiner Sohn
antwortete schneller als sie:
»Aber sie hat doch
einen Schlüpfer an.«
Humorlos
sagte ich:
»Das wäre ja auch noch schöner!
Ohne!«
Heute muss ich
darüber
lächeln.
Der Kleine
verstand
so
viel.
Und ich
hatte
so einen kleinen
Verstand.
Der Wind
Mitten in der Nacht kam
ein heftiger Wind auf &
plötzlich
zeigte das Außenthermometer
an meinem Wohnzimmerfenster
30 Grad an.
Ich zog mich aus & ging
auf die Terrasse.
Mondlose Dunkelheit.
Sterne.
Es war der wärmste Nachtwind,
den ich je erlebte.
Und alle Menschen
schienen zu schlafen &
ihn zu verpassen.
Nur für mich
war er da.
Ich spürte ihn überall.
Drehte mich.
In ihm.
Langsam.
Und wusste, ich würde ihn
nie wieder
vergessen.
Schließlich
pisste ich noch auf die Terrasse,
dann ging ich wieder hinein.
Nach einer halben Stunde war er fort.
So plötzlich
wie er gekommen war.
Zurück blieben
ruhige
20 Grad.
Und eine kostbare Erinnerung.
Die Zähne der Zeit
Ich sehe noch
all diese Zähne
ihres Grinsens
Sie saß am Steuer
des Busses
Ich war
gerannt
gerannt
gerannt
atemlos
&
schwitzend
Zur Haltestelle
der
Gelegenheiten
Die Fahrerin
hatte auf den Knopf gedrückt
der die Türen schloss
Gerade
als ich sie
die Türen
erreichte
Es regnete
Der Bus war
menschenleer
Durch die Glasscheiben
des geschlossenen Zugangs
grinste sie
mit den Zähnen der Zeit
& ließ
meinen Schweiß
gefrieren
Wie spät es ist
Nachtwege.
Ich:
unterwegs.
Auf der Suche nach
Dunkelheit.
Einsamkeit.
Und doch –
dort stand ein Wesen
am Rand
des Weges.
Weiblich.
Das Gegenteil
von
Dunkelheit & Einsamkeit.
Fast
wäre ich abgekommen
von diesem Weg.
Ich fragte es:
»Wie spät ist es?«
Und das Wesen sagte:
»Kurz vor zu.«
Die Frau im Laminat
Da wohnt diese Frau
in einem Quadrat
des Laminats
neben
meinem Schreibtisch
Nachts
lächelt sie
mir von dort unten zu
Immer gleich
Sie tut so
als sei sie
nur eine Maserung
im Holz
Was sie tagsüber tut
während ich schlafe
weiß ich nicht
Aber
ich werde sie
nicht
dabei
stören
Der richtige Weg
Der richtige Weg
führte sie
nicht
zu
mir.
Er führte sie
zu
jemand anderem.
Dass das richtig war,
begriff ich,
als ich
nach der langen Zeit
des gedankenlosen Fühlens
wieder denken
konnte.
Wir wären
wahrscheinlich
unser gegenseitiger Untergang
gewesen.
Ich schrieb
es
ihr.
Doch sie
reagierte nicht.
Sie
schweigt
schweigt
schweigt
seit
damals.
Vielleicht
kenne ich den Grund
für ihr Schweigen.
Vielleicht
auch
nicht.
Sie ist
den richtigen Weg gegangen.
Und ihr
schmerzhaftes Schweigen
ist
vielleicht
ein Teil
dieses Weges.
Sagrotan©-Spray
Ich verletze mich so selten,
dass es sich nicht lohnen würde,
ein Mittel zur Wunddesinfektion zu kaufen.
Niemals könnte ich es
vor Ablauf des Verfallsdatums aufbrauchen.
Und Schnaps ist mir zu kostbar.
Also
benutze ich
zum Desinfizieren von Wunden
Sagrotan-Spray.
Was für Gegenstände gut ist,
kann doch
für mich
nicht schlecht sein.
Ich bin doch auch nur
ein altes Möbel
in meinem Haus.
Allerdings
brennt es
wie
die Hölle.
Vor allem wenn man sich
mit verkatert-zittriger Hand
beim Rasieren
in den Sack geschnitten hat.
Vielleicht sollte ich mich öfter
verletzen.
Damit es sich lohnt …..
Die Ähnlichkeit nach dem Ende
Nach dem Ende
der Beziehung
mit dem Leben
ähneln sich
nach einiger Zeit
alle
so
sehr –
Skelette
oder
Asche …..
Vielleicht
üben wir das nur
im Leben
Diese Ähnlichkeit
nach dem Ende
von
Beziehungen
Kerzenhalter
Die neue Kerze wackelt
im Kerzenhalter.
Sie findet
keinen
Halt.
Sie könnte
herausfallen &
einen Brand verursachen.
Dass man aber auch
immer erst
die Reste
alter Kerzen
aus den Kerzenhaltern
kratzen
muss …..
Alkohol auf dem Schirm
Wenn das Leben
auf Dich hernieder
regnet
& Du Deinen Schirm
aufgespannt hast
überlege Dir gut
ob Du
Alkohol
trinken möchtest
Nicht nur Du
würdest
Dich
auch
Dein Schirm
könnte
sich
entspannen
& Du
würdest
nass
werden
& Dich
erkälten
& vielleicht
an
einer
Entzündung
sterben
Die Geste (In Erinnerung an die erste Mondlandung)
Es ist nur
eine kleine Geste
für die Menschheit
wenn
der Tod
die
Sense
schwingt
Aber ein
gewaltiger Hieb
für
den Menschen
Körper
Durch meinen Körper fließt
das Antidot für
Dein Gift
Die Leere für
Deinen Inhalt
Das Alleinsein für
Dein Sein
Der Alkohol für
Deinen Durst
Der Traum für
Deinen Schlaf
Der Schatten für
Dein Licht
Durch Deinen Körper
fließe
ich
Tippfehler
In einer dummen, schwachen Nacht
las ich in alten Texten
von mir, um
zu suchen, was andere
offenbar
daran fanden.
Ich fand es nicht.
Was ich aber fand,
waren
Tippfehler.
Wenige,
aber
zu viele.
Manchmal kann ich
schon beim Tippen
meine eigenen Worte
nicht mehr sehen.
Und dann
bemerke ich
diese Fehler
nicht.
Aber
die Tippfehler
sind
wohl
die geringsten Fehler
in meinen
Texten.
Geträumter Asphalt
Ich lag rücklings auf geträumtem Asphalt
& starrte in den Himmel
Der Himmel war dunkelgrau
& an Stelle der Wolken
zog kreisender Schaum über ihn hinweg
In dem Schaum glänzten unzählige
Luftblasen
Mein einziger Freund stand neben mir
& schaute zu wie das Moos an
meinen Häuserwänden emporwuchs
»Ich werde wahnsinnig!« schrie ich
Der Anblick des Himmels war
unerträglich
doch ich
konnte meinen Blick
nicht von ihm wenden
Ich hörte die gluckernde Bewegung
des Schaums
Mein Freund sagte nichts
Ich befürchtete in den Himmel
gesogen zu werden
Das Haus wächst zu dachte ich
Nie mehr werde ich
hineinkommen
Und eine
fremde Frau
beugte sich
sinnlos
über
mich
Das schmutzige Fenster
Das Fenster war so sauber
& langweilig
Bis Du Dich
nackt
darin spiegeltest
Dann wurde es
schmutzig
& aufregend
Beschäftigt
Ich bin beschäftigt
rund um die Uhr
seit meiner Geburt
damit
mir bewusst zu sein
was
da
ist
& nicht
zu vergessen
was ich
habe
Mir nicht zu wünschen
was ich nicht
kriegen
kann
& zu träumen
von
Allem
anderen
Zwillinge
In den glücklichsten Momenten
sind
Phantasie & Realität
Zwillinge.
Und selbst
ihre Mutter
könnte sie
nicht
auseinanderhalten.
Stell Dir vor
»Ich wusste es«, sagte sie
»immer schon.«
Ich grinste.
»Und Du?« sagte ich. »Du
wolltest es doch immer mal
mit einer Frau ausprobieren.«
»Nein. Hat sich nicht
ergeben.«
»Stell Dir vor, Du stirbst,
und da ist auch nur eine
winzige Phantasie, die
in diesem Moment
an Dir nagt,
weil sie keine Zeit hatte,
Realität zu werden.«
»Und?«
Pause.
»Vielleicht«, sagte ich,
»hast Du recht. So toll
ist die Realität nun auch wieder
nicht.«
Sie steckte sich eine Zigarette an.
»Ja«, sagte sie. »Aber vielleicht
hast Du recht. Um zu wissen,
dass man nichts versäumt hätte,
muss man es
vielleicht
mal
gehabt
haben.«
Ich hatte ihre Antworten
immer schon
geliebt.
Die Spinne über der Klingel
Ein kunstvolles Netz umgibt
die Klingel über meiner Haustür
Seit langem
Eine Zitterspinne wohnt darin
Groß
Feingliedrig
Ruhig
Geduldig
Wer sie erschreckt
Dem öffne ich nicht
Wem meine Tür offensteht
Der braucht sie nicht zu erschrecken
& sollte sich
auch nicht erschrecken lassen
von ihr
die über der Klingel wohnt
Kurzschlusshandlungen
Eine Nacht & ein Tag
voller Kurzschlusshandlungen
waren vergangen.
Langsam
Stück für Stück
kam ich wieder
zu mir.
Mein Herz schlug noch.
Mein Schwanz war bereits wach.
Aber mein Hirn war eine einzige
blutrote Dämmerung.
Allmählich erinnerte ich mich
an die Kurzschlusshandlungen.
Man konnte sie alle
aneinanderreihen
wie die Sätze einer Story.
Aber die Kurzschlüsse ergaben
keine zusammenhängende Handlung.
Und vor allem ergaben sie
keinen Sinn.
So
wie
die Story
meines Lebens.
Greenbox
Das Leben
: eine schlechte TV-Sendung
Die Realität
: eine Greenbox
Darin.
Es könnte aber auch
umgekehrt
sein.
Das Stofftier
Ich räumte das Fundbüro auf
in einem der Hotels, in denen ich arbeite.
Zwischen all den
Regenschirmen,
dreckigen Unterhosen,
Ladegeräten,
Sonnenbrillen,
BHs,
Badekappen,
Reiseweckern,
Schmuckstücken,
Büchern ….
fand ich
ein Stofftier.
Abgegriffen & schmuddelig.
Zwischen all den
Nichtigkeiten
(die zum Teil
mehr Geld gekostet haben mochten)
war dies
das Einzige
von Wert.
Es war
vielleicht
die Traurigkeit eines Kindes ….
die Schlaflosigkeit eines Kindes ….
die Einsamkeit eines Kindes ….
Weil das Stofftier
hier war,
wo es nichts zu suchen hatte –
& nicht
dort war,
wo es
hingehörte &
vermisst wurde.
Abgegriffen
Schmuddelig
Vergessen
Verloren
Meine Grabinschrift
Die Welt & er
interessierten sich oft
für sehr unterschiedliche Dinge.
Trotzdem kamen sie
irgendwie
miteinander
Aus.



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