S ist paradox:
Du bist so weiblich
in deinem Herrenhemd
so großartig
wie Du klein &
unartig bist
so überlegen
wenn Du nicht nachdenkst
so verrückt
auf Deinem festen Standpunkt
Und Du suchst die Schönheit
& Du findest mich
hässlich
S ist paradox:
Du bist so weiblich
in deinem Herrenhemd
so großartig
wie Du klein &
unartig bist
so überlegen
wenn Du nicht nachdenkst
so verrückt
auf Deinem festen Standpunkt
Und Du suchst die Schönheit
& Du findest mich
hässlich
Und die Nüchternen erwachen morgens
nüchtern. Und sie hören, was ich sage –
wenn ich etwas sage. Und sie lesen, was
ich schreibe – wenn ich etwas schreibe.
Und sie legen meine Worte auf die
Goldwaage ihrer Nüchternheit. Und
sie wiegen nach. Nüchtern. Und die Maßeinheit
heißt Verletzung. Und die Verletzung wiegt
schwer. Obwohl meine Worte nicht
Gold sind. Meine Worte sind nur Blei.
Morgens.
Eine Nacht voller Cocktails liegt
hinter mir. Meine Munition. Ich bin
geladen. Mein Hirn ein Magazin von
Dum-Dum-Geschossen. Ich schieße
um mich, wild & rücksichtslos;
manchmal auch sentimental.
Pardon wird nicht gegeben.
Unsichtbares Blut läuft aus offenen
Wunden. Aus den Wunden der
Nüchternen, die gerade erwacht
sind; und die als erstes ihre
Goldwaage polieren.
Sie sollten sie in Zahlung geben,
diese Goldwaage. Sie bedeutet nur
Schmerz. Vielleicht
bekommen sie dafür eine
schusssichere Weste. Ich wünsche
sie ihnen.
Und manchen von ihnen würde ich
sie sogar gerne
schenken.
Ich habe meine Strategien, um
mit der Scheisse in mir
fertigzuwerden;
Verletzungen zu betäuben.
Diese Strategien verletzen Dich,
reißen Deine alten Wunden auf, für
deren Bewältigung Du Deine
Strategien hast, die mich
verletzen.
Ein mieser Teufelskreis,
in der Tat.
Es tut mir leid.
Wir können es
nicht ändern.
Wahr-
scheinlich.
Eine Bar in ungemütlichem Licht.
Nach dem 8. oder 9. Vodka-Martini auf
nüchternen Magen war ich in
Erfinderlaune. Ich sagte zu meiner
Bekannten:
„Siehst du den alten Typen da drüben,
im Holzfällerhemd? Das ist ein
berühmter Schriftsteller; ein berühmter
schwuler Schriftsteller, kenne ich ausm
Fernsehen.“
Sie nippte an ihrem Rotwein, schaute
kurz hinüber.
Ich sagte:
„Und weißt du was; ich glaube, ich
werde zu ihm rübergehen & ihm an-
bieten, seinen Schwanz zu lutschen.
Vielleicht besorgt er mir dann einen
Verleger.“
Ich hatte ein Lächeln erwartet; aber
mich traf nur der kalte Blick der
Humorlosigkeit.
„Das würdest du tun?“ sagte sie. „Du
würdest dich prostituieren?“
Ich war nicht in der Stimmung,
einzulenken. „Na klar, tief in mir
drin bin ich eine Nutte. Ein Stricher.
Wußtest du das nicht? Und ich bin
nicht mal schwul. Aber was solls; man
muss Prioritäten setzen.“
Offensichtlich konnte ich Rotwein
in Essig verwandeln.
Da wurde mir klar, dass wir uns nicht
kannten. Vielleicht niemals ein
Wort des andern richtig verstanden
hatten.
Wenn ich einen Brief abzuschicken habe,
gehe ich nachts zum Briefkasten; ich
will nicht gesehen, nicht angesprochen
werden von Nachbarn. Ich will meine
Ruhe, Ruhe. Ruhe!
Für andere nur schemenhaft
existieren…..
Anonymität
Versteckspiel
Untergang in der Masse
Unkenntlichkeit
Schweigen. –
Das ist es, was ich brauche.
Nichts sonst.
Ehrgeiz?
Ich verstehe das Wort nicht.
Ehre …. Geiz ….
Verschwindet!
Schon in der Grundschule
schwieg ich oft, wenn die
Lehrer mich etwas fragten –
vor allem wenn ich die Antwort
wußte.
Ich schwieg nicht aus
Schüchternheit. Ich
sah keinen Sinn im Antworten.
Der Pubertätstraum der
Prominenz verschwand mit
der Pubertät.
Ich wollte nur dasitzen &
vor & für mich hinkritzeln
& -tippen. Keine
einzige Seite aus meinen
Papierbergen hätte ich jemals
in einen Briefkasten gesteckt.
(Wenig Resonanz von wenigen
Menschen war gut & genug.)
Man kennt sich nicht.
Man versteht sich nicht.
Ich trank noch einen
Martini.
„Übrigens, die Frau, die sich
dahinten unterhält, ist eine berühmte
Schriftstellerin. Ich werde ihr
anbieten, sie zu ficken. Dann kann
ich vielleicht zwischen 2
Verlagen wählen…..“
Ungemütliches Licht.
Eine Bekannte.
Eine entfernte Bekannte.
Eine Bekannte, die sich
entfernte.
Nicht alle Narben sind
totes Gewebe
Manche Narben sind
lebendiger als
man sich selber manchmal
fühlt
Jemand tippt darauf
versehentlich &
in bester Absicht
streichelnd
vielleicht
& man krümmt sich
vor Schmerz & wird
vielleicht
ungerecht
Ich finde sie schön, deine
hohe Stirn
Noch schöner finde ich sie
im Glanz des Angstschweißes,
glitzernd & reflektierend.
Ich verstehe ihn,
den Schweiß der Angst;
Angst vor dem Leben,
Angst vor dem Ende &
dem Nichts.
Ich lecke ihn ab, bevor ich
ihn mit Tequila
hinwegspüle.
Das Leben ist sauer,
& deine Angst ist
salzig.
Und ich finde sie
schön & ich
finde sie
süß.
Der Galgen hat eine schöne Geometrie &
er wirft einen schönen Schatten
Aber er ist doch ein Galgen.
Du hast eine schöne Symmetrie &
Du wirfst einen schönen Schatten
Aber vielleicht bist Du
mein Tod
„Darüber darfst du auf keinen Fall schreiben“, sagte sie.
„Natürlich nicht, was denkst du denn…“, sagte ich.
Natürlich schrieb ich darüber.
Ich muss über alles schreiben, was mir
den Kopf wegpustet. Und mich
als Leiche zurücklässt.
Aber ich legte es in die Schublade.
Dort liegt es, das Damoklesschwert,
das über den Köpfen der anderen
kreist. Wie das Rotorblatt
eines Hubschraubers.
Der gefrorene Schrei an Deinem
Fenster – er stammt von mir.
Eine Eisblume des Erschreckens.
Ich stand im Schnee & blickte ins
Innere …..
Ich sah Dich von der Decke hängen;
an dem Nietengürtel, den ich Dir
geschenkt hatte.
Dein Gesicht war so dunkel; &
Du strecktest mir die Zunge raus.
Es war so kalt. So kalt.
Mein Schrei gefror. Du
konntest ihn nicht mehr sehen.
Ich verwischte meine Spuren im
Schnee &
ließ Dich hängen.
(Inwendig vorgetragen:)
Du hauchst auf Glas
& schreibst Gedichte in deinen Atem
Ich puste darauf
& sie verschwinden in Luft
Ich atme sie ein
& sie überleben in
mir
Manchmal bin ich nur
ein Reagenzglas
Chemie
sonst nichts
Ich re
agiere
erhitze mich &
schäume über
oder ich
erkalte &
beschlage mich
oder ich
explodiere
splitternd
Dann kann man sich
an mir schneiden
Und irgendwann trägt man seinen eigenen
Keller mit sich herum
Einen Keller voller Leichen
mumifizierte Gefühle
skelettierte Lieben
unkenntlich
oder längst zu fast Nichts
zerfallen
Schritte werden schwerer
klingen unterhöhlt
Man jongliert mit Knochen
würzt die Gegenwart mit Leichenstaub
& hofft auf die
Auferstehung
der
Vergangenheit
oder auf die
Geburt
der
Zukunft
Als der alte graue Wolf sich in die
kleine schwarze Katze verliebte
ahnte er bereits, dass er sich
lächerlich machen würde
Vielleicht nicht vor der Welt
die ihm gleichgültig war
aber vor sich selbst
Er hatte sich verlaufen
hatte sie außerhalb seines
Reviers kennengelernt
in einer Umgebung die ihm
unwirklich erschien
Sie hatte Angst vor ihm
& schnurrte dennoch
strich um ihn herum &
ließ sich das Fell von ihm
lecken
Irgendwann sagte das Kätzchen:
„Ich liebe Dich“
& der Wolf glaubte es
Der Wolf kannte nicht viel
außerhalb seines Reviers
aber das Kätzchen kannte
noch weniger
So selten hatte es sein
Körbchen verlassen
Sie glaubten sich gegenseitig
& sie glaubten sich selbst
In diesen Momenten
Als die Zweifel noch andere
Wege gingen
Sie veränderten sich beide
Der Wolf bekam etwas Katzenhaftes
Die Katze etwas Wölfisches
Im Innern des Wolfes schnurrte es
stumm
Im Innern der Katze heulte es
stumm
& sie fühlten sich fabelhaft
weil sie glaubten einander zu ähneln
Der Wolf vergaß wie ein Wolf aussieht
Die Katze vergaß wie eine Katze aussieht
Bis der Kater ihren Weg kreuzte
Der kleine Kater der dem Kätzchen
auf Augenhöhe begegnete
Sie beschnupperten & beschnurrten
sich gegenseitig &
die Katze wusste
es würde einfach werden
& sie sehnte sich nach Einfachheit
Sie legte das Wölfische ab
wie ein Schmuckstück das sie
plötzlich für wertlos hielt
Der Wolf behielt das Katzenhafte
Er trug es weiter in sich &
also verstand er den Kater &
konnte ihm nichts antun
Er ging zurück in sein Revier
schüttelte den Kopf über sich selbst
& fragte sich immer wieder:
Wie sieht ein Wolf aus?
Wie sieht ein Wolf aus?
Die Todesspinne setzte sich auf mein Gehirn
& begann zu weben
Gedanken verwoben sich in ihren Fäden
wurden unbeweglich & ausgesaugt
wie blauschimmernde Fliegen
Die Beine der Spinne waren 8 & schnell
Benetzt & gefangen war mein Geist
Schwarz zuckend saß sie auf grauem Grund
Ihre Gründe ergründete ich nicht
Sie grinste wie die Spinne von Redon
die über dem LeseSessel von Huysmans hing
Tief unten & Gegen den Strich
war sie mir
sympathisch wie
der kühne Schwung der
Sense
über dem gelben Feld der
Eintönigkeit
wo unter dem kalten Blick der
Raben
der Maler sich
erschoss
Du gehst vorüber an der Brücke, die
ich Dir gebaut hatte. Du wirst niemals
wieder jemanden kennen lernen wie
mich.
Wenn ich tot bin,
wirst Du Dich vielleicht erinnern.
Unter der Brücke stehen &
Rotwein trinken.
Zukunft.
Vielleicht auch nicht.
Die Brücke,
war sie brüchig?
Vielleicht.
Der Abgrund, über den sie führte:
zu tief?
Vielleicht.
Gründe:
hattest Du.
Waren sie gut?
Wahrscheinlich.
Geh vorüber an der Brücke,
wenn ich tot bin. Sie
ist kein Ort für
Dich.
Der Druckknopf im Kopf
führt zum Knoten
an der Zwangsjacke
Löse mir
die Endlosschleifen
damit ich endlich
begreife
was
zu lösen ist
Der Druck
Der Zwang
Der Knoten
Das Ende
Sie nannte mich:
Du vom Himmel gefallenes Stück
schwermütig glitzernde Scheisse!
Ich fand das sehr poetisch.
Poetischer als alles, was andere
zu mir gesagt hatten, selbst wenn
auch das poetisch gewesen war.
Aber die Poesie vergeht,
immer; fast immer.
Die Uhr der Poetik tickt.
Tickt. Tickt.
Worte der Poesie werden zu
Worten der:
manchmal Freundschaft
manchmal Feindschaft
manchmal Gleichgültigkeit
manchmal Langeweile
Dieses Mal wurden sie
– & das ist die grausamste Variante –
zu
Schweigen.
Sie saßen auf dem Sofa.
„Hör zu“, sagte er, „ich habe
bestimmte Bilder im Kopf. Und
wenn die Realität nicht zu diesen
Bildern passt, hat die Realität
schlechte Karten.“
„Du meinst, ich bin hässlich?“ sagte sie.
„Du bist nicht hässlich“, sagte er.
„Du meinst, ich bin zu alt?“ sagte sie.
„Du bist nicht alt“, sagte er.
„Nein“, sagte sie. „Nicht alt. Aber
zu alt.“
Er sagte nichts.
Sie sagte: „Hast du mal in den Spiegel
geguckt?“
„An Spiegeln gehe ich seitlich vorbei“,
sagte er. „Aber du hast recht.“
Die Realität saß auf dem Sofa.
2 Köpfe saßen auf dem Sofa.
In den Köpfen wohnten 2 Fantasien.
Die Fantasien konnten einander nicht begegnen.
Die Realität hatte schlechte Karten.
Die Würfel sind
gefallene Engel
aus den Wolken
in die Hölle
gefallen
Sie gefallen mir
Sie tun mir viele
Gefallen
Ich zähle ihre Augen
Dunkle Augen des
Schicksals
Die Summe
immer gleich
Geworfen sind sie
wie wir
geworfen sind
in das Leben
oder in die Wolken
oder in die Hölle
Engel
die fallen
Sie kannte sich nicht aus
mit dem Leben
Sie war so jung
so jung
Sie wusste nicht
dass es
nach dem Schweigen
noch Worte geben
kann
Worte ohne
Vergangenheit
Worte der veränderten
Gegenwart
Worte
der Ermutigung
Worte
ohne Angst
Sie schwieg
Sie musste schweigen
denn sie war so jung
&
sie kannte sich nicht aus
Mein Hirn: eine matschigfaule Frucht
Ein Kater schnurrte darin &
spielte mit seiner Schwanzspitze
Die Sonne tat was ich wollte: Sie ging unter
Was war passiert
letzte Nacht oder
am Morgen bevor ich
schlafenging?
Ich erinnerte mich
dunkel
Ein Gefühl war gekippt
wie billiger Wein der
zulange offen steht
Essig
Ich konnte wieder klar
sehen
Nicht dass mir an der Klarheit
viel gelegen wäre
Aber ich gehörte wieder
mir selbst
Mein kostbarster Besitz
Ich machte mir mein
abendliches Frühstück:
Eier mit Schinken auf Toast
Ketchup
1 Liter Grüner Tee &
ging damit zurück ins Bett
Schaltete das Radio ein
atmete unfrische Luft &
fühlte mich gut
Gedanken kehrten zurück
in meinen Schädel
Sie waren mein Eigentum
Gedanken wie reife
Eiterbeulen
Und diejenigen
die nicht von alleine platzten
konnte ich
ausdrücken
Die nächste Nacht
stand bevor
Mehr brauchte ich nicht
Mehr brauche ich
nie
Ich fechte
mit der Zeit
Nicht immer
weiß ich
ist es
Florett
Degen
Säbel
Schwert ?
Ich sehe
die Schmisse
in meiner
Fresse
Die Maske
habe ich abgesetzt
vor langer
Zeit
Schutz
brauche ich nicht mehr
Wer auch immer
gewinnt
ist
der Sieger
& hat
recht
mit kleinem
r
Ich betrachtete die Fleckenfratzen auf der Theke,
versuchte etwas in ihnen wiederzuerkennen;
gute alte UnBekannte. Die sich aus dem Staub
gemacht hatten. Staub, in den man zeichnen
konnte, mit Fingern der Langeweile.
„Du hättest etwas aus deinem Leben machen können“,
sagte er.
„Das Leben hat etwas aus mir gemacht“, sagte ich. „Und
das ist mir wichtiger.“
Das Bier schmeckte nicht besonders. Ich grinste.
„Ansonsten hat sich niemand etwas aus mir gemacht.“
„Das ist ja wohl nicht wahr“, sagte er.
„So wahr wie meine Wahrheit sein kann.“
„Also nicht besonders wahr.“
„Stimmt“, sagte ich. „Nicht besonders. Aber
es klang schön. Und das ist die Hauptsache.“
Gegenüber saß eine junge Frau neben einem
sehr viel älteren Mann. Sie unterhielten sich
angeregt. Der Mann war etwa
in meinem Alter. Hin & wieder sah die Frau
zu mir herüber; blickte mir tief in die Augen.
Ich las in ihnen: Du bist nichts Besonderes.
Ich bestellte noch 2 Bier.
Worauf wollte ich hinaus?
Keine Ahnung. Auf Nichts wahrscheinlich.
Ich will meistens auf Nichts hinaus.
Ich kenne mich aus im Nichts & mag es.
Wir schwiegen. Wir tranken.
Ich blickte auf die Flecken, betrachtete die Augen.
Hörte auf Nichts.
Dann
machten wir uns aus dem Staub.
Ich erwachte in dem Gehirn
eines anderen Menschen
Erwacht aus dem Schlaf
der meine Realität gewesen war
Plötzlich lebte ich als
Vorstellung
als Fantasie
als Traum
eines Anderen
Mein Leben war nur noch
der Reflex des fremden
Geistes
Ich wurde wahrgenommen
aber diese Wahrnehmung war
nicht wahr
War
nicht ich
Dennoch
es war aufregend
eine neue Form der
Existenz
Ein Leben im
Woanders
Ungewiss
für eine gewisse Zeit
Dann:
Wurde ich wieder gelöscht
von dem fremden Bewußtsein
aus dem fremden Bewußtsein
Vorstellung Fantasie & Traum
waren mir verschlossen
blieben mir verschlossen
Für einen Moment
schien ich nicht mehr zu existieren
Der fremde Geist ließ mich nicht mehr zu
Meine Realität hatte ich irgendwo
vergessen
Ich musste mich erst erinnern
wo
Ich musste sie wiederfinden
Musste sie wiederfinden
obwohl ich das Interesse an ihr
verloren hatte
Aber irgendwo
muss man ja
sein
Und wiedermal bist Du drüber hinweggekommen
Wie der Schnellzug über den Kopf des Selbstmörders
Ein bisschen was von Dir ist auf der Strecke geblieben
Aber das ist nicht wichtig
Wichtig ist
dass Du etwas hattest, worüber Du
hinwegkommen musstest
Und dass Du es geschafft hast
Die Veränderung, die es bewirkt hat, ist gut
Der Schmerz ist gut
Die Traurigkeit ist gut
Denn das ist die Lebendigkeit in Dir
Du kannst großzügig sein
mit Dir
& mit Anderen
Keine Rechtfertigungen
Keine Vorwürfe
Es ist keine Zeit dafür
Zu schnell wird der Zug sein Ziel erreichen
Den Kopfbahnhof, wo Du aussteigen musst
Schau aus dem Fenster
solange er unterwegs ist
Sieh was auf der Strecke liegt
Es ist nicht so wichtig
Wie Du manchmal denkst
Ich lebe auf einer Schlangenfarm
Die Schlangen haben Beine
lang & schön
Die Schlangen haben Haare
lang & schön
Die Schlangen hängen sich
an meinen Hals
Sie zischeln mir ins Ohr
bis ich grinse
Ihre Bewegungen sind geschmeidig
wie ihre Worte
Ich liebe ihre Haut
Ihre Zungen & ihre Zähne
Ich liebe ihren Biss
Ihr Gift ist
ein künstliches Paradies
Ein schmerzendes Vergessen
Ein schmerzendes Erinnern
Fantasie vielleicht
Sonst nichts
Ich lebe auf einer Schlangenfarm
Wo sonst könnte ich leben ?
Ich würde sie küssen
die Schmeißfliege, die
auf Deinem Scheisshaufen saß
Sie ist blau
schimmernd
Blau wie ich
der ich nicht schimmern kann
Sie kann fliegen
Sie kann summen
Fliegen kann ich nicht
Vielleicht in Träumen
Summen kann ich
Wenn wir miteinander sprechen
Aber wir sprechen nicht mehr
miteinander
Die Klatsche
Ich habe einen an der Klatsche
Die Schmeißfliege
Ich träume von ihr
Ich werde sie nicht verletzen
Ich kann ihr nicht weh tun
Sie soll fliegen
fliegen
summend
blau
schillernd
dorthin
wo Dein Duft wohnt
Vielleicht
kommt sie von meiner
Leiche
an der sie saugte
Vielleicht
lächelte sie dabei
Ihre Flügel
zittern
Ich zittere
mit ihr
Und ich
küsse sie
Alles was auf Lüge beruhen könnte
sollte man auf Papier schreiben
Gedichte – von der Lüge gezeugt
& von der Gutgläubigkeit empfangen
Stories – die aus dem Verstand kommen
den die Lüge gefickt hat
Fehlgeburten, nichts als Fehlgeburten
Papier Papier Papier
Papier ist real
Virtuell war der Ursprung
der Gefühle
Virtuell wie das Computerprogramm
in dem die Worte nicht greifbar sind
Papier
Ich schütte Vodka darauf
die Lieblingsmarke der Lüge
ABSOLUT
Ich zünde es an
Sehe wie Zeichen sich kräuseln
Sehe den Tod meiner Worte
die niemals das Recht hatten
geboren zu werden
Papier
die Sterbeurkunde der Hoffnung
Flammen
die sich in Rasiermessern spiegeln
Wörter sollen nicht gelöscht werden
Sie sollen verbrennen
Sie sollen schreien vor Hitze
Sie sollen verglühen
Tod Tod Tod
Tod der Worte
Kein Erbarmen
Papier & Vodka
Vodka der kein Vergessen bringt
Papier
das zu Asche wird
Diese verdammten Gedichte
die man wegen jemandem schreibt
für jemanden schreibt
Schreibt um nicht zu ersticken
Schreibt um zu überleben
Schreibt um das Überleben zu feiern
Diese verdammten Gedichte
Die Euphorie des Vortages ist vorbei
Die Verzweiflung von heute
ist morgen vielleicht schon wieder
Hoffnung
Diese verdammten Gedichte
Man möchte sie alle zerreissen
Man möchte sie auslöschen
Man möchte sie ungeschehen machen
weil einem plötzlich alles falsch erscheint
wertlos & dumm & peinlich & überholt
Und doch
Es gab den einen Augenblick in dem sie
nichts als reine Wahrheit waren
Den einen Augenblick in dem sie
zum Käfig dieser Wahrheit wurden
Die Wahrheit bleibt darin gefangen
Sie kann nicht mehr fliehen
Die Wahrheit die jeder wiedererkennt
Die Zeit kann der Wahrheit nichts anhaben
Gleichgültig was man am nächsten Morgen
darüber denken mag
Diese verdammten Gedichte
die man wegen jemandem schreibt
für jemanden schreibt
Sie haben einen Sinn
der nicht vergeht
wenn
Alles Andere
vergangen ist
Mein Leben ist ein Kugelhagel aus
verpassten Gelegenheiten
ausgeschlagenen Angeboten
zurückgewiesenen Händen
Erfahrungen & Ängste
sind meine Munitionsfabrik
Um mit dem Bedauern klarzukommen
habe ich eine Methode :
Ich rede mir ein
dass, hätte ich alles Realität
werden lassen, irgendwann die
Gewöhnung, die Abstumpfung, die
Abkühlung unweigerlich eingesetzt hätte
Etwas, das noch im nachhinein einen
schmutzigen Schatten auf das vorausgegangene
Schöne geworfen haben würde
Nur dadurch, dass ich es in der Fantasie
belassen habe, ist es
ewig schön
Nun ja,
die Methode überzeugt mich nicht wirklich
Nicht bis in den letzten Winkel des
Gedankenganges
Aber sie ist Alles
was ich habe
Mein Leben war ein alter vergilbter Ärmel
Sie kam & krempelte ihn um
Sie besprengte ihn mit Pisse, Blut & Tränen
Plättete ihn mit ihrer Zunge
die so gewandt war in Worten & Taten
Die Schatten unter ihren Augen
warfen ein Licht
auf den Ärmel
das den Gilb
verschwinden ließ
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