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Die Täuschung

Wie oft verkleidet sie sich als Liebe –
die
Sehnsucht nach einem bestimmten Zustand,
die
Sehnsucht nach Vergangenem,
der
Wunsch, ähnlich zu fühlen wie früher,
die
Angst vor dem Alleinsein …..

Und manchmal ist es fast egal, an welches
Objekt
die Sehnsüchte
die Wünsche
die Ängste
sich zu klammern suchen ….

Kleinigkeiten geben den Ausschlag bei der Wahl –
eine Ähnlichkeit
eine erweckte Erinnerung
eine wohlbekannte Traurigkeit
bloße Verfügbarkeit
oder
Etwas, das gar nicht da ist ….

Die Person könnte eine andere sein.
Die Person ist eine andere.
Die Person ist
Phantasie.

Die Realität hat keine Chance –
für eine Weile.

Und Alles ist
Täuschung.
Für eine Weile.

Eine Täuschung,
für die niemand etwas kann.

Eine Täuschung,
so verwirrend & kompliziert,
so undurchschaubar
wie das
Menschsein.

Und am Ende wartet
die
Ent-
Täuschung.

Wie immer.

Und wie immer ist diese Enttäuschung
beinahe
eine schmerzende
Wohltat.


Meine Handgelenke

Meine Handgelenke
sind so schmal, dass
Armbanduhren zu groß wirken
Schmuck übertrieben wäre

Bandagen vielleicht würden sie
schmücken

geschriebene Hilfeschreie könnten
sie schmücken …..

oder
die Schnitte von
Rasierklingen

Rasierklingen

noch schmaler
als meine Handgelenke


Himbeermarmelade

Worte, süß wie Himbeermarmelade –
& man hatte sie geglaubt.
Die Himbeermarmelade klebte an einem
Rasiermesser ….
Verbarg es.
Man wollte die Worte ablecken,
da man sie glaubte –
glauben wollte ….
& schnitt sich in die Zunge …..
tief
so tief
Man spaltete seine Zunge ….
Himbeermarmelade lief aus der Wunde.
Und Blut.
Blut
Blut
Blut
So lange, bis man
durchsichtig war –
durchschaubar wie
ein leeres
Marmeladenglas –
gefüllt mit
Nichts


Der unwiederbringliche Verlust

Das Interesse
das ich an Dir verloren habe
wirst Du nirgendwo
wieder finden

An keiner Straßenecke
In keinem Fundbüro
In keiner Mülltonne

Nicht tagsüber
wenn es zu hell ist
Nicht nachts
in Dunkelheit oder Laternenlicht

wenn Du umherirrst
irgendwo

Das Interesse
das ich an Dir verloren habe
ist unwiederbringlich
& unauffindbar

Ein
unwiederbringlicher

Verlust


Der kleine Junge im Spiegel

Der kleine Junge, der ich war,
war vielleicht 7 Jahre alt;
mit einem Besen, der zu groß für ihn war,
fegte er den Hinterhof.
Das kleine Mädchen, das ihm zuschaute,
war vielleicht 3 Jahre alt;
eine Putte mit kurzen Goldlöckchen –
in kurzen Hosen.
Der Junge liebte diese blauen Augen
& dieses Lächeln.
Er hob den Besen an
wie eine Hellebarde &
ging auf das Mädchen zu ……
sah den Schrecken, sah
die Furcht …..
Mit dem Besen stubste er das Mädchen
an …. ganz leicht …. an der Brust ….
Das Mädchen wich zurück,
begann zu weinen ….
Er stubste noch einmal
& noch einmal.
Tränen in den blauen Augen.
Ein wohliges Gefühl in ihm.
Der kleine Junge, der ich war,
warf den Besen fort,
erschrocken vor sich selbst –
er ging auf die Kniee vor dem Mädchen,
streichelte es, nahm ein Taschentuch
aus der Hosentasche & putze
dem Mädchen die Nase.
Und er kitzelte es so lange, bis es wieder
lächelte.
Bis es wieder lachte.
Der kleine Junge –
er ist noch da.
Jedes Mal, wenn ich an einem Spiegel
vorübergehe,
kann ich ihn sehen.


Okkultes Blut

Wir lachten
lachten
bis uns
die Tränen kamen

Doch
in den klaren Tränen
lauerte bereits
das okkulte Blut
der Verzweiflung


Das x-te Remake

Irgendwann riechen die feurigen Worte nur noch
nach Autoabgasen …
Die süßen Gefühle schmecken nach
Asche …
Die hellen Gedanken sind
von Ruß überzogen …

Man wusste es doch vorher;
die Abgase, die Asche, der Ruß vom letzten Mal
hatten sich noch nicht
verflüchtigt …
& alles sah von Anfang an so ähnlich aus –
wie das Remake eines alten Films mit
schlechtem Ausgang, den man
schon unzählige Male gesehen hat.
Man wusste es vorher, aber
man hoffte dennoch.
Hoffte, dass dieses Remake
ein anderes Ende nehmen würde als
das Original – so
wie es manchmal geschieht …

Aber eigentlich geschieht es nur
in schlechten Remakes von
schlechten Drehbuchschreibern, die
das Leben nicht verstanden haben.

Und dann wünscht man sich ein
schlechtes Remake mit
gutem Ausgang.

Aber man riecht schon wieder
die Abgase.
Schmeckt schon wieder
die Asche.


1000 Teile

Sätze, die einen zerbrechen könnten, haben
eine magische Anziehungskraft …..
Hat man sie gehört, hört man sie in der Erinnerung
immer wieder …..
Hat man sie gelesen, liest man sie immer wieder nach.
Beim ersten Hören, beim ersten Lesen
haben sie einen noch nicht zerbrochen; nicht ganz jedenfalls.
Ein kleiner Sprung hie & da, vielleicht nur ein feiner
Haarriss …..
Aber vielleicht möchte man zerbrechen, möchte man
zerbrochen werden, möchte man
in 1000 Teile zerspringen,
wie ein Puzzle, das
am Boden liegt – –

Nur damit man wieder
zusammengesetzt
werden kann.

Nur damit sich jemand
auf den Boden setzt & anfängt,
die Teile
zu ordnen.


Muster

In jedem Raum
die gleiche Tapete

Auf jeder Tapete
dasselbe Muster

Ich gehe durch die Räume
& starre auf die Tapeten

Mein Blick fällt
auf das Muster

Mein Blick fällt
in das Muster

Ich falle
immer wieder
in dasselbe
Muster

Ich
falle


Socken

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„Nur Beine“

„Es sind doch nur Beine“, sagte sie.
Das war
ein verdammt guter Witz.
Ich betrachtete sie noch ein bisschen,
lachte – & sagte:
„Ich bin nun mal eher so der Typ:
Es sind doch nur Titten.“


Aufschub durch Auftrieb

Nach irgendeiner diesen üblichen Höllennächte
ging ich ins Bett. Wälzte mich in der Finsternis
& schrieb im Kopf noch höllischere Finstergedichte.
Wie immer.
Dann schlief ich ein.
Träumte wild.
Schwitzte.
Wurde von Herzhämmern ans Kreuz genagelt.
Wachte wieder auf.
Wie immer.
Und ich erinnerte mich –
an die Nacht …. an die Gedichte …. an
jeden Scheißdreck ….
Wie immer.
Ich stand auf.
Ich hätte die Gedichte nur noch tippen müssen.
Doch bevor ich dazu kam, verpasste mir jemand
eine Ladung Gute Laune;
unerwartet & mitten in die Fresse.
Aus war’s mit der Finsternis. – –
Die Gedichte sind noch da; in meinem Kopf,
unauslöschlich wie Alles …..
Und wenn der nächste Tritt vom Leben kommt
– oder von wem auch immer -,
& er wird kommen –
wie immer,
kann ich diese Gedichte ja immer noch
tippen.


Zwiebeln

Wenn man eine Zwiebel schält, weiss man wenigstens,
was einen erwartet.
Wenn man eine Zwiebel isst, weiss man wenigstens,
was einen erwartet.
Wenn man eine Zwiebel verdaut hat, weiss man wenigstens,
was einen erwartet.

Ich finde Zwiebeln schön, und ich finde schön,
zu wissen, was einen erwartet.

Aber manchmal
finde ich auch anderes
schön.

Und manchmal
erwartet einen woanders
genau das,
was man von Zwiebeln
erwartet.


Egal

Im nachhinein glaubt man ihn zu kennen –
den Moment, in dem man am besten
gestorben wäre.
Zu spät.
Der Moment ist weg.
Man lebt einfach weiter.
Man schläft, isst, trinkt & sucht
nach Momenten, die diesem ähneln könnten.
Aber alles, was sich ähnelt,
bleibt trotzdem
einzigartig.
Nur dieser Moment wäre wirklich
der beste gewesen – glaubt man.
Und wahrscheinlich hat man sogar recht.
Was soll’s.
Lebt man eben noch ein bisschen weiter &
stirbt zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Ist ja letztlich auch
egal.


Keine Sau

Keine Sau versteht mich,
dachte ich.

Dann kam sie daher, und ich
nannte sie
Keine Sau.

Doch manchmal –
manchmal –
ist auch sie eine.

Den Göttern
– welchen auch immer –
sei
Dank!

für ihr
Unverständnis.


Überraschung

Ich bin überrascht
von Dir.
Du bist überrascht
von Dir.
Ich –
liebe Überraschungen.
Du –
solltest sie auch

lieben.


Wie ein Hund

Wie ein Hund, der
vor dem Laden angebunden wurde, in
dem es so vieles gibt, das er gerne fressen würde,
und in den der Mensch gegangen ist, den er liebt
& von dem er abhängt,
fühle ich mich manchmal angebunden
vor dem Leben.
Da ist dieses Schild:
‚Wir müssen draussen bleiben’.
Aber der Hund kann es nicht lesen;
& deshalb heult er manchmal,
weil er sich verlassen fühlt –
& manchmal bellt er alle an, die
so selbstverständlich diesen Laden betreten.
Und die dieses Schild
niemals beachten.
Wie ein Hund
fühle ich mich manchmal,
der das Verbotsschild nicht lesen kann,
das ihn –
& nur ihn allein
zu betreffen scheint …. &
er ahnt nicht, dass es
andere
seiner Art gibt, denen es
genauso geht.


Manche Verstecke

Sie sagte: „Ich habe ein bisschen Angst vor mir.“

Hab keine Angst vor Dir, nur weil ich
Dir Seiten Deines Wesens zeige, die Du noch nicht
kanntest.
Sag nicht: „Das bin ich nicht.“
Denn Du bist es.
Du bist es auch.
Und ich habe sehr schnell erkannt,
wo diese Seiten versteckt waren.

Manche Verstecke liegen so nahe in einem selber,
dass nur ein anderer
sie finden kann.


Euphorie

Wenn ich das leere Wodka-Glas
hinter mich werfe
wie ein besoffener Russe
aus Euphorie
klingt sein Splittern schön
Aber
es klingt nicht
einen Splitterbruchteil so schön
wie Dein Lachen
das mich
in Euphorie versetzt
& das schönste Mondlicht
das sich in den Splittern spiegeln könnte
kann niemals so schön sein
wie Dein Lächeln
wenn Du
meinetwegen
in Euphorie bist


Die altmodische Glühbirne

Immer wenn ich eine altmodische Glühbirne
in eine altmodische Lampe schraube,
frage ich mich, wer noch so altmodisch ist,
sein Versprechen einzulösen,
bevor diese Glühbirne
stirbt.


Das stinkende Herz auf dem Herd

Ich erinnere mich noch an den Gestank
im Haus meiner Mutter – wenn
das Rinderherz für die Katzen auf dem Herd stand.
Ich erinnere mich noch an die gierigen Blicke
der Katzen, wenn es im Topf blubberte.
Ich erinnere mich noch an das wollüstige Kauen
der Katzen, während sie das Herz – mundgerecht vorgeschnitten –
aßen.
Ich erinnere mich noch an die zufriedenen Blicke
der Katzen, während sie das Herz verdauten.
Ich erinnere mich noch an den ruhigen Schlaf
der Katzen, wenn sie
gesättigt waren.

Mein Herz stinkt.
Es ist verbrannt.
Aber Du schläfst.
Und Du lächelst
im Schlaf.


Deshalb lächeln Zwerge

Solange der Riese
ein größeres Herz hat als
der Zwerg

Wird der Zwerg
immer
gewinnen

Deshalb lächeln Zwerge –
meistens


Das Wrack

Ich schaute mir das Foto sehr genau an –
& atmete tief durch …..
mehrmals …..
Was von dem Auto übrig geblieben war,
war bedeckt von einer Schlammkruste;
die Motorhaube unsauber gefaltet auf der
Windschutzscheibe; die Frontpartie dort,
wo die Motorhaube gewesen war ….
Wie ein höhnisch grinsendes Maul war
vorne alles offen. Die Stoßstange war die
sarkastische Oberlippe. Das Dach war eingedrückt,
aber nicht zu sehr. Glas war gesplittert.
Gesplittert wie ihre Erinnerung.
Es war der Wagen ihres Großvaters, und sie
hatte allein darin gesessen – & konnte sich
an den Unfall & wie es dazu gekommen war,
nicht mehr erinnern. („Retrograde Amnesie“,
sagte ich – Klugscheisser, der ich bin.)
Es war 2 oder 3 Jahre bevor wir uns kennenlernten
passiert; das Geschwafel von ‚Schutzengeln’ hatte sie
in dieser Zeit wohl bis zum Erbrechen oft gehört.
Denn es war ihr wenig passiert – ein bisschen Glas
in der Haut; Blutergüsse, Schrammen.
Angst.
Sie war nicht die erste junge Frau, die ich kannte,
die einen Autounfall dieser Schwere gehabt hatte –
aber die erste, die ihn überlebte hatte.
Ich atmete tief durch.
Mehrmals.
Ich hätte sie nicht nur nicht kennengelernt –
ICH HÄTTE VON IHRER EXISTENZ NICHT EINMAL
ETWAS GEAHNT. – – –
Und was tat ich damals? Zur Zeit des Unfalls? —
Was schon? – : Meine Gesundheit mit Füssen treten.
Mich selbst zerstören.
Mich überschlagen wie ein Auto, das
eine Böschung herabstürzt.
Gläser zerschlagen. Bis sie
splittern
splittern
splittern.
Und in niemandes Haut landen –
außer meiner eigenen.
Und wäre ich erfolgreich gewesen, hätte auch sie
nichts von meiner Existenz geahnt.
Doch auch ich habe Schutzengel.
Oder hatte sie bisher.
Und der Sarkasmus vergeht mir, wenn
ich ihre Oberlippe betrachte.
Und ich atme tief durch.
Nochmals.
Und grinse.


Alle 3

„Ich habe Hunger“, sagte ich.
„Hunger?“ sagte sie.
„Ja“, sagte ich, „ich will eine riesige Pizza,
voll von Knoblauch, Zwiebeln & Chilis.“
„Dann solltest Du eine essen“, sagte sie.
„Ja“, sagte ich, „aber lieber als diese Pizza
wäre mir Deine Muschi. Und
lieber als Deine Muschi –
Dein Herz.“
„Dann“, sagte sie,
„solltest Du alle 3 haben.“ – –
Und sie sagte:
„Was mich angeht,
hast Du
alle 3.“

Und ich dachte:
Ich hab sie nicht mehr alle.


Ganz einfach.

Worauf man verzichten könnte:

Lesen
Rasenmähen
Staubwischen
Unterhaltung
Autowäsche
Tapeten
Sex
Fernsehen
Musik
Alkohol
Post
Mitmenschen
WC-Reiniger
Träume
Kalender
Fernbedienungen
Schaufensterpuppen
Fliegennetze
Rasierklingen
Marmelade
Grabsteine
Kameras
Brotschneidemaschinen
Thermometer
Gedanken
Brillen
Schnellkochtöpfe
Kerzen
Fotoalben
Pralinenschachteln
Gefallen wollen

Worauf man nicht verzichten kann:

Schlafen
Atmen
Essen
Trinken
Scheissen
Pissen

Im Grunde ist das Leben
ganz einfach.


Vertrauen

Sag mir,
dass Du schläfst –

Und ich werde Dir
glauben.


Wozu Du fähig bist

Und dann wünscht Du Dir – einmal mehr -,
fähig zu sein, etwas anderes zu suchen als das,
was Du immer schon gesucht hast –
denn Du hast immer gefunden, was Dir
weh tut – –
Aber Du kannst nichts anderes suchen
& nichts anderes finden – als das,
wozu Du fähig bist.


Die Wohnung meiner toten Großmutter

Ich möchte der Tisch sein, auf dem Du
tanzt –
nackt;
der Mond, der Dich blass bescheint –
dabei;
der Eimer, in den Du brichst –
danach;
die Decke, die Dich wärmt –
wenn Du unseren Rausch ausschläfst;

denn ich bin so voller
Kitsch

so voller Kitsch

wie die Wohnung meiner
toten Großmutter.


Reaktion & Deutung & Reaktion

Da ist dieser Mensch, den
zu berühren sich niemand mehr traut.
Denn wenn es doch einmal geschieht,
spürt man ein ganz leichtes Zucken, dass
durch seinen Körper geht ….
Schon die Andeutung einer Berührung
lässt ihn reagieren – fast unmerklich.
Und doch merkt es jeder; und jeder
deutet, was er merkt & spürt.
Und deutet es als:
Unbehagen.

Dabei ist es nur die
Einsamkeit,
die in diesem Menschen zuckt & reagiert;
die Jahre ohne Berührung,
die Gewohnheit der Distanz.
Die Sehnsucht, die sich erschreckt.

Und weil ihn niemand mehr berühren will,
wird seine Reaktion immer heftiger;
die Sehnsucht größer; die
Einsamkeit stärker.
Und da ist kein Ausweg,
kein Fluchtweg,
keine Brücke –

Nichts, was ihn fort führt,
weg von den falschen Reaktionen,
weg von den falschen Deutungen.


So cool

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie die Müllmänner, die ich als Kind beobachtete,
auf ihren Plattförmchen, hinten am Müllwagen

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie der Gin in meinem
Tiefkühlfach

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie der Spiegel im ungeheizten Badezimmer
der meine Visage reflektiert

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie Deine Antworten
auf meine Fragen

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie die leere Ginflasche im Mülleimer

Die Flasche, die meine Visage reflektiert –
bevor die Müllmänner sie holen –
die Flasche, die leer ist & cool

wie Deine Worte


Deine einsamen Nerven

Während Du
über Deine Einsamkeit
weinst

lache ich
über meine
Einsamkeit

& mein Gelächter
geht Dir
auf Deine einsamen Nerven


Der Bestseller auf dem Kopf

Sie war gerade doppelt so alt wie
der Whisky, den ich trank. Ich
war 37 Jahre älter als der Whisky.
In einem Pub in London.
Nach dem Essen, nach dem Quatschen
nahm sie ein Buch aus ihrem Rucksack &
begann darin zu lesen,
neben den leergegessenen Tellern,
neben den leergetrunkenen Gläsern.
Es war ein Bestseller.
Einige Seiten las ich mit ihr;
auf dem Kopf (denn sie
saß mir gegenüber). Dann:
verlor ich das Interesse – an dem
Text. Mieser Stil. – Ich
ließ sie dort sitzen, für
1 oder 2 Stunden,
in ihren Shorts, mit ihrem
Bestseller –
& ich ging auf die Suche –
nach Antiquariaten –
& alten Büchern.


Scheiss drauf!

Komm, mein BeTäubchen, ich
liege am Boden –
fliege kurz über mich hinweg &
scheisse auf mein Herz!
Taub soll es werden.
Denn dann
werden meine Ohren taub für Deine Stimme;
werden meine Augen blind für Deinen Blick.
Scheiss auf mein Herz &
fliege weiter. Denn
wehe Dir, wenn Du
in meiner Nähe
landest!