Auf dem Weg zum Kühlschrank
passierte die Frau das bisschen Tageslicht,
das durch die verglaste Haustür in den Flur drang.
Da erst sah ich
wie gerötet ihre linke Arschbacke war.
Ich machte sie darauf aufmerksam.
Sie lachte.
»Kein Wunder – wenn Du
mich schlägst.«
»Aber«, sagte ich, »die linke scheint
empfindlicher zu sein als
die rechte. Außerdem sind
die Zahnabdrücke verschwunden.«
Die Frau blieb vor einem meiner
zahlreichen Wandspiegel
rücklings stehen &
schaute über ihre Schulter hinweg,
zehenspitzte & reckte sich, bis sie
ihren Arsch sehen konnte …..
Sie lächelte.
Geschlagene
Stunden lang hätte ich sie in dieser
Po-
sition
beobachten mögen, doch
gerade die
Flüchtigkeit des Augenblicks
brannte sich so eindrücklich
in mein Inneres
wie die Dauer es nicht gekonnt hätte –
rot
rot
rot ……
& heiß.
Und manchmal,
wenn sie nicht da ist,
schaue ich
im Vorübergehen
in diesen Spiegel – &
sehe
das Bild, das sie sah ……
Die seitenverkehrte Erinnerung
an die
Wirklichkeit.
Schlagwort-Archive: Beziehung
Die seitenverkehrte Erinnerung
Steine
Ich stelle sie mir vor
als kleines Mädchen
Vielleicht vor
35 Jahren
& während alle
anderen Kinder
um sie herum
glattgespülte
glänzende
Steine
sammelten
fand sie die
scharfkantigen
matten
besonders schön.
Ansonsten
könnte ich mir
das Alles
nicht
erklären.
Für die Fremden & die Unsichtbaren
Wenn in der fernen Nebelkulisse der
fremden
unsichtbaren
Leser
plötzlich
vertraute Gesichter
erscheinen
bleibt mir
vielleicht
nur noch das
Schweigen
Denn was in mir ist
soll
den Vertrauten
fremd
Soll
für sie
in Ferne
&
Nebel
bleiben
So wie
für mich
ihr Inneres
in Ferne
&
Nebel
liegt
& nur die
Fremden
& die
Unsichtbaren
sollten es
sehen
können.
Denn manchmal ist
Nähe
unerträglich.
Die Folgen
Das also waren die Folgen:
Verblödung
Verlust der Kreativität
Eintrübung der klaren Gedanken
Monomanie
Einschränkung der Sicht
Themenverlust
Eintönigkeit
Verstummen
Sie war eingeschlafen
»End-entspannt« hatte sie es genannt
Ihr rechtes Bein lag angewinkelt auf
meinen Oberschenkeln
Gleichmäßiges Atmen in meinem Ohr
Ein Duft der immer noch neu &
doch schon vertraut war
Kein Schlaf in meinem Kopf
Kein Schlaf in meinen Händen
Ich war nüchtern
& wusste
was kommen würde
Das Alleinsein
das ich meist so schön gefunden hatte
würde hässlich werden
& ich würde noch mehr
Alkohol brauchen
es mir schön zu trinken
Aber der Alkohol
spülte kaum noch Worte an die Oberfläche
Oder ich konnte die Worte nicht mehr hören
Weil alles andere in mir
zu laut geworden war
Verstummen
Eintönigkeit
Themenverlust
Einschränkung der Sicht
Monomanie
Eintrübung der klaren Gedanken
Verlust der Kreativität
Verblödung
Eigentlich
fand ich die Folgen
gar nicht
so
schlimm.
Nur eine weitere Aufnahme von Momenten
Ein roter Lampenschirm,
erleuchtet in einem düsteren Kellerzimmer.
Zigarettenrauch, der durch die Luft schleiert.
Kondensperlen auf einer halbleeren Bierflasche.
Ich sitze auf dem einzigen Sessel, nackt;
sie sitzt, nackt, auf dem Teppich, zwischen
meinen Beinen, angelehnt, ihren Rücken
mir zugewandt.
Wir reden über:
Krankheit
Sterben
Tod.
Meine Füße ruhen auf ihren Beinen,
ihre Hände auf meinen Füßen,
meine Hände – bald auf ihren Schultern,
bald, wenn ich mich vorbeuge, auf ihren Brüsten.
Regengeprassel. Entfernter Donner.
Im für uns unsichtbaren Tageslicht steht
ihr Auto. Auf meinem Parkplatz. Das
Seitenfenster einen Spalt breit geöffnet.
Als sie ankam, schien noch die Sonne.
Jetzt befürchtet sie, es könnte hinein regnen.
Ich sage, der Regen könnte eine andere Richtung haben.
Wir reden über:
Krankeit
Sterben
Tod
Leben.
Die Musik, die im Schlafzimmer läuft, dringt nicht
bis hierher.
Plötzlich ein Geräusch aus einer dunklen Ecke –
als würde dort jemand pissen.
»Was ist das?« sagt sie.
»Das Regenwasser, das aus dem Schornstein
in eine Vase abläuft.«
»So viel? – Ich werde einen nassen Arsch
im Auto kriegen.«
»Vielleicht«, sage ich.
»Jetzt isses eh zu spät«, sagt sie.
Sie zündet sich noch eine Zigarette an;
ein Feuerzeug mit integrierter Uhr.
Die Uhr ist
stehen geblieben.
In der Weite
Wenn ich mich
beengt
fühle
& eingeschlossen
sehne ich mich
nach der
Weite
Deiner Gedanken.
Dort
möchte ich
frei
leben
& atmen.
Die eifersüchtige Einsamkeit
Sobald die Frau zum ersten Mal
die Zuflucht des Mannes betrat
(es könnte auch umgekehrt gewesen sein),
eilte die Einsamkeit hinaus &
warf die Tür hinter sich zu wie eine
eifersüchtige Geliebte.
Zu zweit lachten sie
sie aus,
umarmten sich, redeten, tranken &
legten sich hin.
Die Einsamkeit schlich um das Haus,
lauschte an den geschlossenen Rolläden,
bewegte sich durchs Unkraut
der vergangenen Zeit,
fühlte sich verlassen
& wurde böse.
Böse
nur für kurze Zeit.
Sie hörte
in ihrer Ausgeschlossenheit
das Atmen, das Küssen, das Stöhnen,
die Musik
im Inneren des Hauses –
& wusste
beinahe
augenblicklich,
dass sie
eine neue Verbündete
bekommen würde.
Fast hätte sie
boshaft gelacht
in dem Moment dieser Erkenntnis.
Doch sie befürchtete,
gehört zu werden.
Niemand
hätte sie gehört.
Nicht einmal der Mann, der
in der Zuflucht lebte.
Zu laut
war seine Zufriedenheit,
zu verschlossen
seine Ohren von den Schenkeln der
Leidenschaft;
zu verschlossen
von der Musik.
Als die Frau das Haus verließ,
schlüpften sie
zu zweit
hinein:
Die Einsamkeit
&
Die Sehnsucht.
Die Sehnsucht
hatte den Geist,
das Gesicht
& den Körper
der Frau,
die gegangen war.
Die Einsamkeit
flüsterte ihr ins Ohr.
Dann
lachten sie
gemeinsam
zu zweit.
Hinter verschlossenen Türen.
Sinn genug
Sie saß auf dem Boden & rauchte.
Gelehnt an meine Beine.
Ich saß in dem einzigen Sessel, den es
in diesem Raum gab.
»Irgendwann werde ich dich
hassen«, sagte sie. »Für das, was
du mit mir machst. Dafür, dass ich
die Kontrolle verliere.«
»Ich weiß«, sagte ich.
Rauch kam aus ihrem Mund.
»Nein«, sagte sie, »ich werde dich
niemals hassen.«
»Warum auch?« sagte ich, »ich
bin doch ein nettes Kerlchen.«
Meine Antworten passten nicht
zusammen.
Noch weniger als
ihre Aussagen.
Vielleicht wir?
Meine
zweite Antwort ergab
für mich
keinerlei Sinn.
Aber die Frau richtete sich auf,
um mir
einen rauchigen Kuss zu geben.
Das war
für den Moment
Sinn genug.
Ganz dicht neben mir oder noch dichter
Ich höre
Deine Träume
Ich sehe
Dein Vergessen
Ich fühle
Deine Erinnerungen
Ich schmecke
Deine Phantasie
Ich taste
nach der Musik
die wie das Kopfkissen riecht
auf dem
Deine Gedanken
gelegen haben
ganz dicht
neben mir
oder noch
Dichter
Der Film auf der Brille
Zu spät
hatte ich die Brille abgesetzt.
Die Nähe kam so
schnell.
Die Küsse kamen so
schnell.
Ein Film entstand
durch Berührung
auf den Gläsern meiner Brille;
an der Außenseite.
Eine Art von
Weichzeichner.
Durch den ich
klarer
sehen konnte.
Es begann
ein neuer Film.
Und erst dann
setzte ich die Brille ab.
Die Steckdose & das Nachtlämpchen
Sie
hockte sich hin
neben dem Bücherstapel
Der Saum ihres Kleides
glitt an ihren Oberschenkeln
hinauf
Sie zog
das Nachtlämpchen aus
der Steckdose
Steckte
den Stecker
ihres Ladekabels
in die Dose
um das Telefon aufzuladen
über das wir
gesprochen hatten
Als sie wieder fort war
tat ich das Nachtlämpchen
zurück an seinen
angestammten Platz
Dann kam sie wieder
hockte sich hin
neben dem Bücherstapel
Der Saum ihres Kleides
glitt an ihren Oberschenkeln
hinauf
Sie zog
das Nachtlämpchen aus
der Steckdose
Steckte
den Stecker
ihres Ladekabels ….
Als sie wieder fort war
nahm ich das Nachtlämpchen &
warf es in eine Schublade
die ich
normalerweise
niemals
öffne.
Das Klingeln an der Haustür
Es klingelte
um kurz vor 8
an meiner Haustür.
Wie immer
erschreckte es mich,
wie immer
wollte ich nicht öffnen.
Doch dann stellte ich mir vor:
Es könnte
SIE
sein …..
SIE
könnte mich
überraschen
wollen …..
So viel
Sehnsucht.
So viel
Hoffnung.
So viele
Wünsche.
So viel
Liebe.
Mein Verstand wusste,
SIE
konnte es nicht sein.
Und doch –
ich schaute aus
dem Küchenfenster ….
Beinahe erwartete ich
SIE
zu sehen.
Ich sah:
den alten Nachbarn.
Ich wusste, was er wollte –
er wollte
sich beschweren
über den Zustand meines Gartens,
über die Samen, die
hinüberflogen
in seinen Garten.
Über mein Unkraut, das
zu seinem wurde.
Der alte Mann
liebt seinen Garten,
seine Ordnung.
Ich
hasse meinen Garten.
Liebe
meine Unordnung &
liebe
SIE
deren Ankunft ich erhofft hatte
beim Klingeln an meiner Haustür.
Ich öffnete nicht.
Es gab keinen Grund dafür.
Wie meistens
in meinem Leben.
So geht das nicht weiter
»So geht das nicht weiter«, sagte sie. »Ich
werde dich unglücklich machen müssen, damit
du wieder schreiben kannst.«
»Ja«, sagte ich, »ich find’s auch scheiße. Mir
fällt nichts mehr ein. – Aber keine Sorge,
das wirst du. Da bin ich mir sicher.«
Sie blies Zigarettenrauch in die
warme Nachtluft. Und sie sagte:
»Ja. Ich auch.«
Die Armbanduhr
Beinahe hätte ich geschrieben:
»Ich wusste nicht, warum sie mich
irritierte….«
Die Armbanduhr an ihrem Handgelenk,
während sie
meinen Schwanz lutschte.
Doch die Wahrheit ist:
Ich wusste es.
Jägermeister & Fleischwurst
Ich bestrich die Fleischwurstscheiben
großzügig mit Mayonnaisse, rollte sie,
aß sie.
Eine nach der anderen.
Dazu trank ich Jägermeister.
Ich war 14.
Saß in meinem Zimmer auf der Matratze,
die auf dem Boden lag.
Es war die Zeit, als ich noch
unordentlich war.
Bücher & Zeitschriften lagen überall
in wildem Durcheinander.
Wie viele Scheiben Wurst mit Mayo
brauchte es? Wie viele Gläser
Jägermeister?
Ich weiß es nicht mehr.
Ich kotzte.
Kotzte wie selten.
Auf die Bücher, auf die Zeitschriften.
Man konnte die Wurst noch erkennen,
dazu die Farbe des Getränks.
Irgendwie schaffte ich es ins Bad, um dort
weiterzumachen.
Mein Bruder & seine Frau saßen im Wohnzimmer.
»Oh, mein Gott«, hörte ich sie sagen.
Denn ich war sehr laut.
Mein Bruder sagte nichts.
Er war es, der
in mein Zimmer ging, um dort
sauberzumachen.
Es machte ihm nichts aus.
Ich hätte das nicht
gekonnt.
Wie so vieles.
Ich bewunderte ihn dafür.
Wie für so vieles.
Liebte ihn.
Liebte bereits
SIE
die »Oh, mein Gott« gesagt hatte.
Alles ändert sich
irgendwann.
Natürlich.
Natürlich wie der Vorgang des
Kotzens.
Ich besitze noch einige der
Bücher von damals.
Man sieht die Spuren.
Zum Teil habe ich vergessen, was
ihn ihnen stand. Es war
weniger wichtig.
Weniger wichtig als ihre
bekotzten Einbände.
Es dauerte lange
bis ich wieder
Fleischwurst essen,
lange
bis ich wieder
Jägermeister trinken konnte.
Ich kotze nicht mehr.
Obwohl ich weiterhin
esse & trinke.
Da wäre auch niemand mehr, der es
wegmachen würde.
Und da ist auch
Niemand mehr, der
»Oh, mein Gott« sagt.
Die Temperatur der Leere
Irgendwann hatte ich dieses Thermometer
in meinen Kühlschrank gelegt, um
die Temperatur zu überprüfen.
Und dann war die Temperatur
perfekt,
als der Kühlschrank
leer war
& ich Durst & Hunger hatte.
Schließlich
kaufte ich ein &
füllte den Kühlschrank.
Es wurde warm
in ihm –
warm
in mir.
Die Leere
hatte die perfekte Temperatur
gehabt.
Die Fülle
war zu warm.
Die Leere konnte nicht
verderben.
Die Fülle
konnte es.
Und es dauerte
bis sie die Temperatur der
Leere
angenommen hatte.
Und plötzlich war da
diese Frau
öffnete den Kühlschrank &
nahm sich ein Bier.
Die Flasche war
beschlagen.
Meine Trägheit
»Normalerweise
liebe ich meine Trägheit.
Genieße sie.
Ein Gesetz.
Mein Trägheitsgesetz.
Müßiggang –
was für ein schönes
widersprüchliches Wort!
Doch dann:
Du kletters-
test
aus dem Bett
(so schön)
um Dir ein Bier zu holen
aus meinem Kühlschrank
Nackt
& ich
träge Sau
blieb liegen!
Ich hätte Dir
hinterhergehen
müssen.
Um Dich
zu beobachten
zu betrachten.
Deinen Anblick
& jede Schwingung
zu genießen.
Im Licht der Lampen.
Im Gegenlicht des
Kühlschranks.
Nun sehe ich dieses Bild
nur in meiner Phantasie.
Aber was ist schon
meine Phantasie!
Ja, manchmal
hasse ich meine Trägheit!«
– – –
»Aber«, sagte sie, »im Keller
war ich doch auch allein …. & nackt.
Und habe auf deinem Sessel gesessen,
entspannt.«
Es stimmte. Sie war
zum Rauchen in den Keller gegangen,
in den Raum mit den
vom Zigarrenrauch gebräunten Tapeten.
Und auch das stellte ich mir vor.
Sie
nackt &
allein
in diesem Raum
auf meinem Sessel.
Und die Spinnen unter dem Heizkörper
beobachteten sie.
Während ich
träge
im Bett lag.
Zigarettenkippen in Zigarrenasche
Dann kam der Zeitpunkt, als ich
in den Aschenbecher blickte ….
um in der Asche & zwischen den
Stummeln meiner Zigarren
ihre Zigarettenkippen zu betrachten.
Aus all dem Grau meiner Asche
stachen sie hell hervor &
erinnerten an
Leben.
Die aufmerksame Leserin
Es war offensichtlich:
Sie war eine
aufmerksame Leserin
meiner Texte.
Denn als sie
an meiner Tür klingelte,
trug sie einen dünnen Rock, der
oberhalb der Kniee endete.
Sie zog ihre Schuhe aus.
Sie schnupperte an meinem
Cocktail.
Ich fragte sie, was sie
trinken wolle.
Sie sagte:
»Ein Bier.«
Ich hielt ihr
(Test) die Flasche &
ein Glas hin.
Sie nahm
nur
die Flasche;
öffnete sie
mit einem Feuerzeug.
Sie kannte meine Unsicherheiten &
setzte sich rittlings auf
meinen Schoß.
Und unter dem dünnen Rock
trug sie
nichts als ihre
feuchtfröhliche Sehnsucht, die
auf meine Hose tropfte.
Die langen blonden Haare
Die Einsamkeit war lang gewesen
So lang
So viel länger als
die blonden Haare, die plötzlich überall
in meinem Haus zu finden waren
ohne dass ich sie suchen musste
Die Einsamkeit war lang gewesen
Zu lang
& ich bekam
einen Krampf im rechten Fuß:
im 2. Zeh von rechts –
als gewisse Punkte meines Körpers
ungewohnt berührt wurden
Ich sprang nackt aus dem Bett
um den Krampf zu lösen
Es war zum Lachen
Also lachten wir
Vieles
löste sich
Ich schmeckte mein Bier
auf fremder Zunge
& die langen blonden Haare
fielen überall
auf meine ramponierte Haut
bevor
der Besuch zu Ende war.
Und irgendwann werde ich anfangen
die langen blonden Haare
zu suchen.
Sie
zu suchen
um sie zu betrachten &
SIE
zu riechen.
Ich & nachdenklich?
»Du nachdenklicher Mann, Du«, sagte sie &
knabberte an meinem Ohr.
Ich denke, sie hatte den Schrott gelesen, den ich
schreibe – manchmal.
Als sie das sagte & knabberte &
ihr Atem so nah war,
vergingen mir
Hören & Sehen &
Nachdenken.
Geblendet
In meinen Gedankengängen
war es immer so
dunkel
gewesen.
Oft hatte ich mich
umherirrend
in ihnen
verlaufen.
Nun
leuchtet
Dein Licht
in ihnen.
Fast
ist es mir zu hell
hier.
Aber auch nur
fast.
Versessen
Die meiste Zeit meines Lebens habe ich
versessen.
So viele Stühle, Sofas, Sessel & sonstige
Sitzgelegenheiten.
Mein Arsch ist platt
mittlerweile,
fürchte ich.
So wie die Stühle, Sofas, Sessel & sonstigen
Sitzgelegenheiten.
Ihre Polsterungen konnten
mir
nicht standhalten.
Und mein Staub liegt
unter ihnen.
Dabei ist es nicht mein Gewicht, dass
dies bewirkte, sondern nur
meine Ausdauer.
Du hast ein
Gesicht.
Vielleicht ist das
meine nächste
Sitzgelegenheit,
auf die ich
versessen
bin.
Umzug
Der Transporter war gemietet.
Habseligkeiten eingeladen.
Platz war nur für
3 Passagiere.
Ihr Mann saß am Steuer.
Sie daneben
Ich neben ihr.
Er trug Jeans.
Sie trug Jeans.
Ich trug Jeans.
Ihr rechtes Bein
&
mein linkes
berührten sich.
Ich atmete,
um mir nicht anmerken zu lassen,
dass diese Berührung
mir den Atem raubte.
Ich schaute hinab
auf unsere Beine, die
grenzenlos aneinander grenzten.
JA!
Es WAR
ein Umzug!
Die Haut
Es begann kurz nach dieser
Trennung, die meinen völligen
Zusammenbruch bedeutete.
Die Akne, die ich bis dahin lediglich
im Gesicht gehabt hatte,
breitete sich über meinen
ganzen Körper aus, und
ich bekam eine kahle Stelle
am Hinterkopf –
Kreisrunder Haarausfall. –
‚Wie passend, dachte ich: Eine
Autoimmunkrankheit!’
»Stress gehabt?« fragte der Hautarzt.
Ich nickte. (So wie ich beim
Augenarzt auf dieselbe Frage genickt hatte;
der war darüber verwundert gewesen, dass
meine Augen
innerhalb weniger Monate
einen Sprung von
+0,2 Dioptrien auf
-3,25 gemacht hatten.)
Der Hautarzt also jagte mir mehrmals
eine kleine Nadel in die kahle Stelle &
verschrieb mir eine Teertinktur, die
dort aufgetragen werde musste.
Tatsächlich wuchsen die Haare
irgendwann wieder nach.
Zur Behandlung der Akne hatte er
auch diverse Ideen, aber alle wären
mit Zeitaufwand verbunden gewesen.
Dazu hatte ich keine Lust; es war mir
egal.
Außerdem fand ich es interessant, dass
meine Haut davon berichtete, wie es
mir ging …..
Pickel, Narben …. Warum nicht?
Und als später der Kreisrunde Haarausfall
meine Schambehaarung befiel,
unternahm ich auch dagegen
nichts mehr. –
Diese Frau & ich – wir kamen wieder
zusammen; immer wieder mal, für
kurze Zeiten.
Sie betrachtete meine Haut,
sie streichelte die Pickel, die Narben.
»Stört es dich nicht?« fragte ich.
Auf dem Nachttisch lag
meine neue Brille.
»Du spinnst doch«, sagte die Frau.
Sie grinste. »Dreh dich mal rum.«
Und sie bedeckte meinen Rücken mit
Küssen. Sie hatte
verstanden.
Das Gleichnis
Das Gleichnis war schief
Das Gleichnis war unlogisch
Das Gleichnis war falsch
Eigentlich war es deshalb
schon kein Gleichnis mehr
Ich hatte im Vollrausch
bei dröhnender Musik
die Rolläden hinterm Schreibtisch
ein Stück weit geöffnet &
nach draußen geschaut
Dann tippte ich:
»Wenn der Sturm durch die Bäume weht
versuche ich
das EINE Blatt zu erkennen
das
ein kleines bisschen
anders
zittert
als
Alle
anderen«
Ich war nicht
SO besoffen, dass mir nicht
klar gewesen wäre, dass
keine 2 Blätter sich exakt
gleich bewegen
Natürlich nicht
Aber ich lasse mir doch
von so einer Nichtigkeit
nicht ein Gleichnis kaputt machen
das keines ist!
Schmutzige Füße
Deine Fußsohlen sind schmutzig
Der Schmutz stammt von
mir
Barfuß bist Du
durch mein Haus gegangen
Auf dem Boden lag
der Staub meiner schmutzigen Gedanken
der Staub meiner Einsamkeit
Ich lecke ihn von Deinen Füßen
& fühle mich
weniger
allein
Das rote Wildlederkostüm
Manchmal
Nein, nicht manchmal –
oft!
Oft
sehe ich sie
noch heute
vor mir
in mir
in ihrem
Roten Wildlederkostüm
Und der Rock hatte einen
schiefen
schrägen
ausgefransten
Saum
Darunter
ihre Kniee
Sie spielte Billiard
Lächelte mir zu
Zwischen all den gierigen Blicken
der fremden Männer
die sie nicht bemerkte
Und ich weiß noch,
welche Musik in diesem Moment lief –
aber ich werde sie nicht
erwähnen
ich behalte sie für mich
für mich
für mich
für mich
für
uns
Das EINE Blatt
Wenn der Sturm durch die Bäume weht
versuche ich
das EINE Blatt zu erkennen
das
ein kleines bisschen
anders
zittert
als
Alle
anderen
Der Arsch der Phantasie
Die Phantasie nahm Platz
neben mir
auf meinem alten Sofa
Lächelte &
duftete
Dann musste sie
pissen
Ich verstellte
ihr
den Weg
zum Klo
Drehte sie
mit dem Rücken
zu mir
Hob
ihr Kleid
an
Sie trug
keine
Unterwäsche
Denn sie war ja
Die
Phantasie
Ich biss ihr
in den
Arsch
Er war
Fest & Weich
zugleich
Ein Fest
für
die Phanta-
sie
Die Pfeifensammlung meines Vaters
Ich besitze sie noch
Niemand kann sie mir nehmen
Die Pfeifensammlung meines Vaters
Doch der Tabak
ist nun alle
Seinen letzten Tabak habe ich
aufgeraucht
fast 40 Jahre
nach seinem Tod
Er war trocken
Verglühte immer wieder
Ich stopfe frischen Tabak
in die alten Pfeifen
Er brennt
Ich rauche
& schaue
dem Rauch hinterher
Mein Schlafzimmer
Mein Schlafzimmer ist
erfüllt
von
fremden Gedanken
fremden Gefühlen
Bücher
in Regalen
Bücherstapel
auf dem Nachttisch
Büchertürme
auf dem Boden
Träume &
Phantasien
die in meiner Vorstellung
zu etwas
Neuem
werden
Phantasien &
Träume
die
meinen Schlaf
bewohnen
Mein Schlafzimmer ist
erfüllt
von
eigenen Gedanken
eigenen Gefühlen
eigenen Träumen
eigenen Phantasien
eigenen Sehnsüchten
eigener Schlaflosigkeit
die in Deiner Vorstellung
zu etwas
Neuem
werden
könnten
Krankes Licht
Manchmal glaube ich
ich bin das kranke Licht
das kranke Mücken anzieht
die mein krankes Blut wollen
Vielleicht
glauben sie
Krank
mal
Krank
ergibt
gesund
Doch das wäre
zu nahe
an der Mathematik
die mein Leben
nicht
erklären
kann




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