Als Kind
im Dunkeln wußte ich
dass hinter den Büchern im Regal
in meinem Zimmer
eine schwarze schreckliche Welt
existierte
unendlich & kleine Kinder stehlend
Ich wagte nicht aufzustehen &
ins Regal zu fassen
Ich zog die Decke über den Kopf
in dem die Unendlichkeit sich spiegelte
Ich sah Arme hinter den Büchern
Hände die nach mir greifen wollten
In andern Nächten
lag ich im Dunkeln & stellte mir
das Nichts vor
in das der Tod mich werfen würde
Es gelang mir
das Nichts zu denken
Ich war zu Tode erschrocken
Ich wurde älter
wurde weniger
Welten zogen sich zurück
von mir
Depressionen stahlen Bilder
Neurosen betäubten
Noch einmal möchte ich
zu Tode erschreckt werden
von meiner
Fantasie
aber meine Fantasie
ist fast schon
tot
3 Kommentare | Schlagwörter: Kindheit, Krankheit, Kultur, Lyrik, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Aus dem Mülleimer
nahm ich mir das Bruchstück einer
Gardinenstange
Ich war 5
Ich stellte mich vor den Fernseher
Es lief ein Symphoniekonzert
Ich dirigierte
Ich wußte: sie folgen mir
Der Dirigent tut nur so
als ob
So
blieb
es
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Die Hündin spazierte durchs Dorf. Frei, allein, suchend. Eine wunderschöne Husky-Dame im Sonnenlicht. Man kannte sie, man wußte, wo sie wohnte. Bewundernde Blicke folgten ihr. Die Kinder liebten sie.
Wir lagen angezogen auf dem Bett. Oben im Schlafzimmer, quer auf dem Ehebett, die Füße auf dem Boden, frontal zur Tür. Es war Tinas Bett. Ich war nur zu Besuch. Das Fenster weit offen, Wärme kam herein, Helligkeit überall. Meine Hand war im Schatten. Unter ihrem Kleid. Ihre Hand spielte mit meinem Schwanz, ich spürte die Zähne vom Reißverschluß.
„Keine Sorge“, wiederholte sie (warmer Atem, auf meine Nase gehaucht), „er kann unmöglich vor 3 zurück sein.“
Das waren noch 2 Stunden. Aber eine gewisse Unsicherheit blieb immer. Er konnte sich seinen Job selber einteilen; es war immer möglich, dass er plötzlich wieder zu Hause auftauchte. Aber diesmal hatte Tina den Termin überprüft. Sie war sich sicher. Ich hatte kein Verlangen nach Eile, nach albernen Szenen, nach Slapstick. Ich hatte mir schon einmal ein bißchen Haut im Reißverschluß eingeklemmt. Der Charlie Chaplin der Ehebrecher. Darauf konnte ich gut verzichten.
An der kleinen Brücke, die über das Bächlein führte, kam der Promenadenmischling auf sie zu. Schnüffeln vorne, Schnüffeln hinten. Allzu lange wurde nicht gefackelt. Er sprang auf. Jaulende Fickerei.
Das Bett roch nach Ehe. Zumindest roch es nicht nach Tina allein. Und dadurch roch es auch irgendwie nach meiner Freiheit. Meiner Unabhängigkeit. Ich schob ihr Kleid ein kleines Stück höher. Ihre Hand hatte mich fest im Griff.
„Schön hart“, flüsterte sie, „wie wär’s mit Ausziehen?“
Jemand stand im Zimmer. Wir hatten nichts gehört. Tina ließ meinen Schwanz los, nun kriegte er wieder Sonne. Meine Hand blieb im Schatten.
Es war ein Mädchen aus der Nachbarschaft, 10 oder 11 Jahre alt. Ich war so überrascht, dass ich mich nicht bewegte. Tina richtete sich etwas auf.
„Ich wollte nur sagen, dass Ihr Hund draußen rumläuft, und ein anderer Hund ist grad auf ihm drauf. Bei der Brücke.“
Das Mädchen drehte sich um & war so schnell verschwunden, wie es gekommen war.
„Danke“, rief Tina ihm nach.
„Verdammt“, sagte sie dann, „wir hätten die Terrassentür zumachen sollen.“
„Tja, jetzt isses eh zu spät“, sagte ich.
„Du hättest ruhig mal deinen Schwanz bedecken können.“ Sie grinste.
„Du hättest ihn ja nicht loslassen müssen. Tatsächlich hab ich vor Schreck an gar nichts mehr gedacht.“
Sie ließ sich wieder zurücksinken.
„Sollen wir sie reinholen“, fragte ich.
„Wie du schon gesagt hast: Jetzt ist es eh zu spät. Sie kommt ja immer zurück. Wo waren wir gerade?“
„Für den Fall, dass noch jemand kommt, könntest du ihn sicherheitshalber schon mal in deinem Mund verstecken..“
„Erst ausziehen“, sagte sie.
Kleiderstaub tanzte in der Sonne. Wärme, Gerüche, Geräusche.
Stille, als sie mir mit den Oberschenkeln die Ohren zuhielt.
„Ein halbes Stündchen haben wir noch“, sagte sie. „Dann müssen wir das Bett beziehen.“
Wir rauchten, lagen nackt auf der Bettdecke, die Beine ineinander verschränkt.
Ich sagte: „Gut, dass ihr keinen näheren Kontakt zu den Nachbarn habt. Oder meinst du, dass er’s auf diesem Wege doch erfährt?“
„Glaub ich kaum.“
Der Zigarettenqualm leuchtete. Wir küssten uns. Und wieder kam jemand ins Zimmer.
„Na, du kleine Schlampe“, sagte ich.
Sie wedelte. Kam ans Bett.
„Wie redest du mit meinem Schatz“, sagte Tina.
Wir streichelten sie beide.
Ich fragte: „War’s wenigstens schön für dich?“
Tina sagte: „Das sieht man doch. Dieser zufriedene Gesichtsausdruck.“
Die Welpen sahen zum Teil nach Boxer aus, zum Teil nach Schäferhund. Von Husky sah man nichts.
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Meine Phobie ist differenziert:
Ich habe nichts gegen ganz dünne Spinnen,
mit kleinem Körper;
sie sind behäbig, beschaulich,
langsam, sie verlassen selten ihr Netz,
erweitern es nur ab & zu; sie
überraschen einen nicht, man kann
sich auf sie verlassen. Solche Spinnen
haben bei mir eine gute Lebenserwartung;
ich gehe an ihnen vorbei, grüße sie, und
sie danken es mir mit Ruhe.
Was ich hasse, was ich fürchte, was mich
anwidert, sind die dicken großen schwarzen Spinnen;
plötzlich sind sie da, man weiß nicht, woher;
plötzlich sind sie weg, man weiß nicht, wohin;
Sie sind schnell, sie huschen, sie jagen, sie
scheinen kein festes Wohnnetz zu haben;
nirgends ist man sicher vor ihrer
rasenden Gegenwart; sie beobachten
dich, sie fliehen vor dir.
Meine Mordgier kennt keine Grenzen,
wenn es um diese Einbrecher geht.
Ich bin dünn. Ich lebe beschaulich.
Ich bin langsam. Ich verlasse selten mein
Netz.
Draußen sind die Raser, die
Huscher, die Jäger, die Störer.
Ich ruhe.
Ich spinne.
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Sterne hageln
bis mir der Schädel platzt
nachts liege ich auf der Terrasse
voll
Pisse in den Garten
hoffe dass das Gras verreckt
Vögel die erwachen
beschimpfe ich
ich will nicht
dass der Tag
kommt
Ein Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
3 Gewehre gibt es in meinem Haus,
1 Pistole, 1 Revolver.
Alle haben sie Macken, ich
befürchte sie funktionieren nicht.
Ich befürchte, sie werden nicht
funktionieren, wenn es darauf
ankommt. Ich habe eine
Macke. Und die Pistole ist
verklemmt.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Waffen | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Übelkeit & Schwindel.
Schlimmes ahnend & verkatert
nähere ich mich den Blättern, die ich
in der Nacht beschrieben habe.
Bevor ich vom Stuhl kippte.
Lass es nicht zu sentimental geworden sein,
bete ich zu mir.
Ab 3 Promille aufwärts sitzt mir der
Kitsch sehr locker. Gefühle schreien:
Ausverkauf! Alles muss raus!
Ich schmiere Schmalzbrote &
haue sie mir selbst um die Ohren.
Ohren, die mich auspfeifen, wenn
ich es schließlich bis ins Bett
geschafft habe. Taub von zu lauter
Musik. Wenn ich
erwache, erinnere ich mich
dunkel an all die ausgekotzten
Gefühle der Nacht. Dann ist es mir
peinlich. Schlimmes ahnend
nähere ich mich den Blättern, die
wie weggeworfen daliegen. Ich
lese. Und denke: Scheiße, es ist
wieder passiert!
Und doch – ich
lasse alles wie es ist. Wer Angst vor
Peinlichkeit hat, sollte gar nicht
schreiben. Was der Alkohol mir
diktiert, war irgendwo
verschüttet. Und
zumindest
ist es ehrlich. Das
reicht.
2 Kommentare | Schlagwörter: Alkohol, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Schwarz ist das Universum
Du : ein Stern
Ich : Dein Mond
Planeten :
bewegen sich
um &
in uns
Die Sonne ist –
Dein Blick
Ein Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Angst sollst du haben – vor mir,
damit ich dich überraschen kann
durch Freundlichkeit
Hilflos sollst du sein,
damit ich dich überraschen kann
durch Beistand
Einsam sollst du sein,
damit ich dich überraschen kann
durch Mitgefühl
Unruhig sollst du sein,
damit ich dich überraschen kann
durch Ruhe
Kalt sollst du sein,
damit ich dich überraschen kann
durch Wärme
Traurig sollst du sein,
damit ich dich überraschen kann
durch Glück
Lieblos will ich sein,
damit du mich überraschen kannst
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Schreie, die in Taubheit sinken
Gesten, erstickt in Blindheit
Berührungen sterben in der Lähmung
Warum sind wir Fremde?
Vereinzelt & hilflos
Keine Rettung –
der Fremde geht vorbei,
versunken in sich
Versunken in der Welt,
die niemand mit ihm teilt
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der Mann schlug den Hund.
Der Hund heulte, der Hund schrie.
Der Junge sah den Mann, der Junge sah
den Hund. Der Junge dachte:
Geh doch endlich wieder zurück.
Zurück ins Krankenhaus.
Du Quäler.
Der Mann lag im Sarg. Der Sarg war offen.
Der Junge betrat die Kapelle.
Der Junge sah den Mann.
Der Junge erkannte ihn nicht.
Der Junge schrie, der Junge heulte.
Er brach zusammen.
Man brachte ihn nach Hause.
Der Junge streichelte den Hund.
Der Hund war herrenlos.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Gewalt, Kindheit, Kultur, Lyrik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der Wahnsinn :
ein Freund, der in alten Lampen wohnt.
So. Ist. Es. Es ist so.
So : Woche. Für. Woche :
2 Tage : Arbeit : sehe & spreche
Menschen; wenige;
5 Tage : HausArrest : gehe nicht ans
Telefon; an die Haustür nur …
wenn ich zu besoffen bin, mich daran
zu erinnern, dass ich nicht an die Haustür gehe.
Lade niemanden ein. Besuche niemanden.
Müll : bringe ich nachts raus, im
Licht der Straßenlaternen,
höre dabei, wie die Musik aus
dem Haus in den Garten schwingt.
Keine Rücksichten. Ich tue
was – Es – will – in – Mir. In
sternenklaren Halbmondnächten :
nehme ich einen von 21 schwarzen
Regenschirmen & trage mich
durch die Straßen. Sehe :
dunkle Fenster glänzen. Wann bin ich
zum letzten Mal wirklich
aufgewacht. Ich erinnere mich
nicht. Was für ein Leben – –
der Euphorie! Was – für ein Tanz!
Das Ich : ein steppender Zombie,
Gene Kelly nach der Auflösung,
ein flüssiger Fred Astaire, ins Erdreich
gesickert. Der Halbmond :
mir zu grell, ich
spanne den Schirm auf. Pfeife,
bevor der erste verdammte Vogel es tut.
Zuhause : fülle ich mir Einsamkeit in
Flaschen; streiche Trauer aufs
Brot. Saufe, beiße zu – mit Genuß.
Stolpere & falle : in das Licht
meiner alten Lampen.
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Ich saß auf dem Klodeckel & schaute ihr beim Schminken zu.
„Wie spät isses?“ fragte sie. Sie trug ein weißes T-Shirt. Stand vorm Waschbecken.
„5 Minuten später als eben“, sagte ich.
„Verdammt.“
Ein T-Shirt, sonst nichts. Die Sonne schien.
„Entspann dich, du kommst schon nicht zu spät. Und selbst wenn, scheiß drauf.“
Sie hatte seit einigen Wochen einen Job als Kellnerin in einem Café.
„Du kannst dir das doch erlauben.“
„Das ist genau der Punkt“, sagte sie. „Ich will diesem verdammten Geier keine Munition liefern. Wofür auch immer.“
Ihr Chef war geil auf sie; ständig machte er anzügliche Bemerkungen oder ließ zweideutige Sprüche ab. Er kreiste um sie herum wie der Geier ums Aas, deshalb nannte sie ihn nur noch so.
„Du brauchst bloß 2 Mal mit dem Hintern zu wackeln, und schon darfst du 2 Stunden zu spät kommen.“
„Du Arsch.“ Sie grinste.
„Genau.“
Ich streichelte ihre Beine. Bei den Kniekehlen sagte sie: „Nicht. Das kann ich jetzt nicht gebrauchen.“ Die Kniekehlen waren ein ziemlich sicherer Schalter, wenn man bei ihr etwas in Gang setzen wollte.
Ich rutschte vom Deckel & hockte mich hinter sie. Streichelte ihre Oberschenkel. Hob das T-Shirt etwas an & und küsste ihren Hintern.
„Vorsicht“, sagte sie, „sonst verschmink ich mich noch.“
„Du bist schön genug“, sagte ich. Und konnte es mir nicht verkneifen, hinzuzufügen: „Zumindest für den Geier.“
Sie drückte mir den Hintern ins Gesicht, eine nette Art von Ohrfeige.
„Das ist nicht komisch“, sagte sie. Aber ihre Stimme sagte etwas anderes.
Ich biß zu. Sie ließ sich nicht stören. Sie hatte ein Geburtsmal auf der linken Wange, einen roten Kreis mit ungleichmäßiger Oberfläche; den deckte sie immer so kunstvoll ab, dass er nicht einmal mehr zu erahnen war. Das nahm einige Zeit in Anspruch.
Ich streichelt weiterhin ihre Beine, ließ die Zunge wandern ….. & irgendwann hatte ich meinen Schwanz draußen & streichelt damit ihre Wade. Wir sagten beide nichts mehr. Das Streicheln wurde schneller. Und es dauerte nicht lange, da spritzte ich ihr aufs Bein.
Wortlos nahm sie ein Handtuch vom Halter & reichte es mir. Ich wischte erst ihr Bein ab, dann meinen Schwanz, packte ihn wieder ein & setzte mich zurück auf den Klodeckel.
Sie grinste mich an. „Na, geht’s dir jetzt besser?“
„Und ob“, sagte ich, „das war dringend.“
Sie tupfte immer noch an ihrer Wange herum. Sie sagte:
„Ich hab erst gar nicht gemerkt, was los war. Und als ichs dann gemerkt habe, dachte ich mir, lass ihn mal machen. Das war wirklich mal was Neues.“
„Ich bin halt ein Hund. Und Hunde ficken Beine.“
„Soll ich dich von jetzt an Lumpi nennen?“
„Nein danke, lieber nicht.“
Schließlich war sie fertig mit ihrem Kunstwerk. Fehlte nur noch der Lippenstift. Ich hasse Lippenstift. Bevor sie ihn auftrug, gab sie mir einen Kuss. Dann gingen wir ins Schlafzimmer, sie zog das T-Shirt aus & ihre Arbeitsklamotten an. Weiße Bluse, enger schwarzer Rock, dunkle Strümpfe. Da sie Strumphosen nicht mochte (und ich noch weniger), waren es selbsthaftende Strümpfe. Zum Schluß kamen die bequemen Schuhe dran.
„Also, dieses Arbeitsoutfit hat was“, sagte ich. „Kein Wunder, dass da der Geier zum Geier wird. Vor allem der Rock. Was das angeht, hat er einen guten Geschmack. Auch sonst natürlich.“
„Pass auf, was du sagst, du Hund.“ Sie lächelte & gab mir einen vorsichtigen Abschiedskuss.
„Scheiß Lippenstift“, sagte ich.
Und dann war sie auch schon weg. Ich schätzte, dass sie vielleicht 5 Minuten zu spät kommen würde.
Ich machte mir eine Kanne Tee, stellte sie neben das Bett, zog mich aus & machte es mir gemütlich. Ich las Oblomow. Das passte zu mir.
Nach ein paar Stunden, stand ich auf, schnappte mir den Staubsauger & machte mich nützlich. Anschließend setzte ich mich aufs Sofa & schaltete den Fernseher ein.
Sie kam 2 Stunden zu früh nach Hause. Schöne rote Dämmerung.
„Wassn jetzt los?“ sagte ich. Stellte den Ton ab.
„Das war’s mit dem Job. Ich hab gekündigt. Bin einfach gegangen.“ Sie zog die Schuhe aus.
„Was hat er gemacht?“
„Mir an den Hintern gepackt.“ Sie zog den Rock aus, warf ihn über einen Sessel & setzte sich neben mich aufs Sofa. Gab mir Lippenstift.
„Soll ich ihn zusammenfalten?“ sagte ich.
„Ach Quatsch. Isser nicht wert. Und so dramatisch isses ja nun auch wieder nicht. Ich hab da nur einfach keinen Bock mehr drauf. Solche Jobs gibt’s wie Sand am Meer. Dann geh ich halt woanders hin.“
„Erzähl mal.“
Sie lächelte. „Geiler Hund. Willst alles ganz genau wissen, was?“
„Rein wissenschaftliche Neugier“, sagte ich.
„Ging natürlich schon damit los, dass ich nicht ganz pünktlich war. Die üblichen dummen Bemerkungen. Was ich denn noch vorher so Wichtiges getrieben hätte. Getrieben natürlich schön betont. Und das ging dann die ganze Zeit so weiter. Und immer diese Geiervisage um mich rum. Wo der immer überall hinstarrt.“
„Lohnt sich ja auch“, sagte ich & starrte auf das Stück Oberschenkel zwischen Strumpf & Bluse.
„Sehr witzig. Jedenfalls, irgendwann saß er dann hinten in seinem Büro & hat mich gebeten, ihm ne Tasse Kaffee zu bringen. Bin ich also hin. Er sitzt am Schreibtisch, ich stell die Tasse ab, er sagt Danke & tätschelt mir den Arsch. Da hab ich ihm gesagt, dass er sich den Job in seinen Arsch schieben kann.“
„Wortwörtlich?“
„So ungefähr.“
„Und dann?“
„Wollte er natürlich beschwichtigen. Das wär doch ganz harmlos. Ihm sei die Hand ausgerutscht. Und so weiter & so weiter. Ich bin einfach gegangen & hab ihn da sitzen lassen. Wahrscheinlich dachte er nicht, dass ich sofort nach Hause fahre.“
„Isser bei den andern auch so?“
„Nee, eben nicht. Es sei denn, die hätten nicht die Wahrheit gesagt, aber das glaub ich nicht.“
„Tja“, sagte ich, „er weiß halt, was gut ist. Hat sich den richtigen Arsch ausgesucht.“
„So so“, sagte sie, ihr Gesicht ganz nah, in Haarduftnähe, „es stört dich also nicht, dass er deinen Arsch angefasst hat?“
„Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel Sturmfluten.“
Sie legte mir ihre Hand zwischen die Beine. „Ich scheine gut erzählt zu haben“, sagte sie.
„Ich habe es praktisch vor meinem geistigen Auge“, grinste ich.
„Dein geistiges Auge kenne ich. Ich werds mir gleich mal ansehen.“ Sie öffnete den Reißverschluß.
„Weißt du“, sagte ich, „ich stell mir gerade vor, du hättest dort in einem superkurzen Minirock arbeiten müssen, ohne Strümpfe, offene Schuhe, durchsichtiger Slip. Meine Fresse, kaum auszudenken.“
„Als ob es irgend etwas gäbe, was du dir nicht ausdenken kannst“, sagte sie & gab mir die Reste ihres Lippenstifts.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Erotik, Kultur, Sex, Stories | Veröffentlicht inAlles, Autobiographische Prosa, Erotik/Sex (eine Auswahl)
Sie hatte eingelocht….
bückte sich nach dem Ball….
sagte: „Hast du gesehen, wie der Typ
mich angestarrt hat?“
Ich nickte.
„Ich finds nicht ok, dass du rumläufst
wie ein Penner. Solche Typen denken
dann ‚Hey, die kann ich auch haben, wenn
der sie haben kann.’
Sie trug diese engen weißen Jeans….
„Das ist der Punkt“, sagte ich, „nobody is
perfect; ich sollte sowas nicht denken, aber
ich denke, die denken, was muss dieser
Bursche für Qualitäten haben, wenn so
eine Frau mit dem zusammen ist.“
Sie lächelte.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Erotik, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Erotik/Sex (eine Auswahl), Gedichte/Texte
Das ist den Frauen so egal –
Er kann ihnen wehtun
Er kann sie umformen
Er kann sie bluten lassen
Er kann sie straucheln lassen
Er braucht keine Rücksicht auf sie zu nehmen;
& wenn sie es gar nicht mehr aushalten,
tragen sie ihn in Händen &
laufen barfuß
Ich möchte
wiedergeboren werden
als unbequemer
Damenschuh.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Schuhe | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich rasiere Vogelspinnen,
entferne Fischen die Schuppen,
ich enthaare Ratten,
zeige Hunden, wie man
mit dem Schwanz wedelt,
zeige Schlangen, wie man
würgt; ich erkläre
Hamstern die Langeweile,
Katzen die Gemütlichkeit, ich
lehre Elefanten die Mnemotechnik,
leiste Eintagsfliegen Sterbehilfe;
ich schminke Totenkopfäffchen,
gebe Nachtigallen Gesangsunterricht,
ich putze Haien die Zähne,
erkläre dem Chamäleon die Farbenlehre,
Aalen gebe ich Strom,
Glühwürmchen Licht;
ich kämme Löwen,
mit Kakerlaken spiele ich Verstecken,
Ameisen bringe ich den Fleiß bei,
den Tauben zeige ich, wie
man kackt,
Flöhen springe ich etwas vor,
Gottesanbeterinnen beiße ich
die Köpfe ab;
ich rasiere Vogelspinnen &
stricke ihnen einen Bikini aus
zitternenden Silberfischchen, damit sie
ihre Blöße bedecken können.
Nur
mein
eigenes
Leben
bekomme
ich
nicht
in
den
Griff.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
In diesem großen leeren Haus, in
dem ich wohne, tanze ich manchmal
nachts durch die Gänge, besoffen
von Geistern; ich schnüffele deinen
Nagellackentferner, die Straßenlaternen
leuchten durch Fenster in meine Finsternis,
spiegeln sich in Flaschen; die
Musik swingt in Erinnerungen; in
eisernen Papierkörben brannten deine Briefe,
ihre Flammen wärmten mich, nun
zittere ich; mit ihrer
Asche färbe ich mir die Haare –
vergebens
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Geister, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Sonne scheint auf das Waschbecken
Der Abfluss ist verstopft
Wasser steht im Waschbecken
Die Sonne scheint darauf
Ein Stück Seife schwimmt im Wasser
Das Wasser wird getrübt
Die Seife löst sich auf
kaum merklich schwindet sie
Sie schwindet in das Wasser
Die Sonne scheint darauf
Der Mann steht vor dem Waschbecken
Die Frau im Sonnenlicht
Sie schreien
Sie brüllen
Sie kreischen sich an
Die Sonne scheint auf Schläge
Die Sonne sinkt herab
kaum merklich schwindet sie
Sie schwindet in die Nacht
Die Seife löst sich auf
Sie ändert ihre Form
Weich wird das Stück Seife
zwecklos
unbrauchbar
Die Seife trübt das Wasser
in der Dämmerung
Das Waschbecken ist
ohne Sonne
Der Grund –
nicht mehr zu sehen
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Gewalt, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Mein Herz : ein Kühlschrank
Die Vergangenheit : der Strom
Dein erster Blick –
die Sicherung springt raus.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich übernehme keine Verantwortung
für nichts & niemanden
schon gar nicht für mich
Vernunft ist ein schlechter Witz von
einem miesen Clown & –
ich hasse Clowns
Mein Verstand reicht von hier
bis zu der durchgebrannten
Glühbirne auf dem Tisch neben mir
Haß langweilt mich
Liebe ist eine Erinnerung
Selbstzerstörung ist meine Berufung
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Was für eine merkwürdige Zeit die Vergangenheit doch ist.
Bis zu meinem 12. Lebensjahr glaubte ich, dass auch Mädchen einen Penis haben. In unserer Familie: nur Jungs. An Zeitungskiosken gab es keine Titelblätter mit nackten Frauen. Die Mädchen-sind-doof-Phase hatte ich nie. Immer schon fand ich Mädchen spannender & interessanter als Jungs. Ich spielte gerne mit ihnen & war auch nicht irritiert, wenn sie sich zwischendurch mal zum Pinkeln hinhockten. Für mich war das einfach ein Brauch: Mädchen hocken sich hin, Jungs stehen. Und mehr als einen nackten Hintern bekam ich dabei nicht zu sehen.
Unter uns Jungs waren damals Striptease-Treffen der große Renner. Man verabredete sich, meist war es eine größere Gruppe, und dann zog sich entweder einer aus, und die anderen schauten zu, oder alle zogen sich aus. Und jeder war froh, dass er nicht der einzige war, der einen Ständer bekam. Gewichst wurde nicht, aber viel gelacht.
»Achtung, der dicke Hellmann reisst sich wieder den Arsch auf!«
Eines Tages sagte ein Kumpel zu mir: »Meine kleine Schwester macht das übrigens auch. Haste Lust?«
»Dumme Frage. Wann?«
»Jetzt«, sagte er.
Wir gingen zu ihm nach Hause. Die Eltern waren nicht da. Die Schwester war in ihrem Zimmer. Sie war ein paar Jahre jünger als wir. Mein Kumpel deutete auf mich & sagte zu ihr:
»Er will auch mal was sehen. Komm, mach mal ne Show.«
Sie lachte & sprang ohne zu zögern aufs Bett. Sie fing an herumzutänzeln, wackelnd auf der weichen Matratze, sie kicherte & zog sich aus dabei. Allzu spannend fand ich das nicht. Aber es war mal etwas anderes. Schließlich drehte sie uns den Rücken zu & zog Hose & Schlüpfer runter. Soweit war noch alles gut. Ihr kleiner Hintern gefiel mir.
Dann: eine weitere Drehung……
Ein paar Jahre zuvor hatte ich einen neuen Beruf für mich entdeckt: Elektriker. Ich schraubte einen Elektrostecker auseinander, nahm den einen Metallstift in die linke, den anderen in die rechte Hand & steckte dann beide gleichzeitig in die Steckdose. Ich wurde ca. 2 Meter zurückgeschleudert & knallte gegen den Kleiderschrank an der gegenüberliegenden Wand. Es hatte eine Weile gedauert, bis mein Herz wieder zur Ruhe gekommen war.
So ungefähr erging es mir auch jetzt. Ich konnte kaum hinschauen. Ich flüsterte meinem Kumpel ins Ohr:
»War das…. immer schon so… oder war das ein Unfall?«
Er prustete los. Sagte laut:
»Weißt du etwa auch nicht, dass Frauen Brüste haben?«
»Selbstverständlich weiß ich das«, sagte ich. Empört. Das wußte ja wohl jeder.
Die Schwester lachte. Jetzt fing sie auch noch an, mit ihren Fingern die Schamlippen ein bißchen zu spreizen.
Das war’s für mich. Nichts wie weg hier, dachte ich. Ich ließ mir eine Ausrede einfallen … ich hatte etwas vergessen … ich musste schnellstens nach Hause.
Tja. Davon musste ich mich erstmal erholen.
Ich kam drüber weg. Ein Weltbild war eingestürzt. Ein anderes war entstanden. Und so schlecht war das zweite ja auch nicht.
Aber trotzdem. Manchmal fänd ich’s auch heute noch interessant, wenn Frauen Schwänze hätten. – Und sei es auch nur aus nostalgischen Gründen.
Was für eine merkwürdige Zeit die Vergangenheit doch ist.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kindheit, Kultur, Sex, Stories | Veröffentlicht inAlles, Autobiographische Prosa
Die Pendeluhr tickt Romane
in der Nacht
eine Mücke besäuft sich an mir
Die Lampe meiner Kindheit beflackert
den RomanTisch
an dem ich sitze
In meinem Kopf ein kaputtes Puzzle
Teile fehlen
Wände in schwarzem Schattensamt
Eingestürzte Büchertürme
Zerbrochene Bleistifte
Tickende Stille während die Mücke trinkt
ihre Beine in kaltem Schweiß
Das Zittern stört sie nicht
Ich sehe ihr zu
unbeteiligt
Am Boden die Mondpfütze
Das Herz flattert im Rippenkäfig
Wenigstens der Mücke geht es gut
Ich lasse sie leben
Sie soll davon fliegen
in die Nacht hinaus
mit meinem Blut
2 Kommentare | Schlagwörter: Alkohol, Einsamkeit, Kultur, Lyrik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Einsamkeit steht neben meinem Bett &
singt, während ich schlafen will; sie
schwingt die Hüften in ihrem kurzen Rock &
sie legt mir den Schraubstock an. Kalt
ist das Metall an meinen Schläfen; sie
dreht das Gewinde, sie dreht &
singt & schwingt ihre Hüften, ich
drehe mich, drehe mich hin, drehe mich her,
sie dreht das Gewinde, es schwingt der
Rock, es singt in mir, die Einsamkeit singt,
sie steht an meinem Bett, der
Schraubstock ist kalt, er schmerzt &
singt, das Gewinde singt, die Einsamkeit
lächelt, ich drehe mich, der
Schraubstock ist schwer, er
drückt meinen Kopf in das Kissen, die
Einsamkeit tanzt & lächelt & singt &
sie beugt sich vor & sie gibt mir
einen Kuss & –
ich bleibe wach
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Kultur, Lyrik, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Gestern
war ich so besoffen, dass
weiße Mäuse ChaCha tanzten
Heute
werden schwarze Ratten Tango tanzen
(per Aspirin ad astra)
89 %iger Absinth, ich
swinge durch den Flur zur
Fledermaus-Overtüre, ich weiß,
morgen wird in meinem Schädel ein
Kater leben, der schwindeln kann.
Ich werde ihn streicheln, mein
kleines Kartäuser-Baby, und
er wird schnurren
wie ein kleiner Motor, der
mich durchs Leben bewegt.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Kultur, Lyrik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich habe einen falschen Ton gespielt
Sofort wiederhole ich ihn
Und ich denke: alle werden denken:
Was für eine coole Sau, diese
Dissonanz ist
großartig!
Ein Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Musik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Katze legt mir Liebesbeweise
auf den Teppich. Die
Eingeweide einer Maus.
Wäre ich so einfallsreich gewesen,
wärst Du dann noch hier?
Ein Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der große Bruder fuhr mit seinem neuen Moped davon.
Ich schaute ihm nach. Mein Vater sah mich an. Ich
war 11. „Beneidest du ihn?“ fragte er.
„Ja“, sagte ich, „schon, irgendwie.“
„Das musst du nicht. In seinem Alter hat man
viel mehr Sorgen. Du bist in einem
tollen Alter. Freu dich darüber.“ Er lächelte.
Ich verstand so ungefähr, was er mir sagen wollte;
aber das Moped war trotzdem sehr schön.
Ein Jahr später war mein Vater tot.
Als ich dann in dem Alter war,
in dem ich ein Moped hätte fahren dürfen,
landete ich in der Klapsmühle,
verzweifelt, selbstmordgefährdet, tobsüchtig.
Ich weiß nicht mehr, wann die Erinnerung
an diesen Moment mit meinem Vater wieder
auftauchte. Jetzt bin ich älter
als Er geworden ist. Mein Gedächtnis ist
manchmal ungerecht. Aber dieser Moment
ist noch da.
Und das ist gerecht.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kindheit, Kultur, Lyrik, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ständig widerspreche ich mir.
Und jedesmal habe ich recht.
Das ist beängstigend.
Oder auch nicht.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wenn mir die Cocktailstunde schlägt,
wird mein Magen geistreich. Mit
Feuerwasser lösche ich die
Nüchternheit. Rufe Geister.
Mit meinem Gin ziehe ich in
die Wunderlampe. Wo
Oliven leben & Kirschen
zuckrig feixen. Lachend
fechten wir mit Cocktailspießen.
Lösen uns in Rauch auf. Wir werden
Wolken & regnen auf die Wüsten,
mein Gin & ich.
Die Leber eine Oase.
Hochprozentige Freudentränen.
Gegenwart schwimmt,
Vergangenheit lebt. Uhren
kriegen Schluckauf. 1000 &
1 Nacht … im Suff verbracht …
Spinnen werden zu Freunden,
Ratten shakern Märchenmix,
ein Pasch aus Eiswürfeln heißt
Glück. Weiße Mäuse streicheln
Schlangen. Der Gin,
ein zaubernder Riese, der mich
auf Händen trägt, fliegend unterm
Mond, fliegend unter Kandissternen.
Unendlichkeit, ich sehe sie in der
Flasche. Ein Kosmos – die ewige
Cocktailstunde.
2 Kommentare | Schlagwörter: Alkohol, Geister, Kultur, Lyrik, Tiere, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
München unter schwarzem Himmel. Neonreflexe auf meinen Brillengläsern. Seit Stunden hörte ich den Takt meiner Absätze. Einfach laufen, nicht schlafen. Ich hatte 5 Euro in der Tasche. Das Hotel hatte ich vorab bezahlt, das Ticket für die Rückfahrt lag im Koffer, alles andere war egal. Keine Ahnung, was mit meinem Gesicht los ist, aber wenn ich so unterwegs bin, werde ich ständig angesprochen. Aus einer Menschenmasse werde ich herausgepickt. Ich werde nach Wegen gefragt, ausgerechnet. Ich kenne keinen Weg. Nirgends. Namen interessieren mich nicht, schon gar nicht Straßennamen. Ein Schwarzer, der kein Deutsch sprach, wollte einen Brief verschicken; er fragte mich, wieviel Porto er darauf kleben müsse & bat mich, ihm am Marken-Automaten behilflich zu sein. Er bedankte sich herzlich. Ausgerechnet ich half also einem Menschen, mit einem anderen Menschen in Kontakt zu treten; ich fand das komisch & grinste zurück.
In fremden Städten schlafe ich nie mehr als 3 Stunden. Ich laufe Tag & Nacht herum & esse fast nichts. Wenig Schlaf, wenig Geld, viele Eindrücke.
In einer der dunkleren Straßen wurde plötzlich mein Takt von einem anderen, schnelleren Takt übertönt. Das Geräusch war sexy, also drehte ich mich um. Die Absätze waren hoch & überquerten die Straße in Richtung eines Clubs, den ich gerade passiert hatte. Kurzes schwarzes Kleid, lange blonde Haare, leuchtende Schultern & Beine. Bevor sie im Eingang verschwand, warf sie mir ein Lächeln zu, das so knapp war wie ihr Kleid.
Ich ging weiter. Das fremde Lächeln, es kochte in meiner Einsamkeit. Ich ging weiter. Verdrängte den Gedanken, es könnte ein Profi-Lächeln gewesen sein. Weiter. Die Schritte langsamer, der Puls schneller. Dann blieb ich stehen. Ich kehrte um.
Mit Tunnelblick ging ich hinein. 5 Euro in der Tasche. Gleich rechts hinter dem Eingang war eine Theke, an der 5 oder 6 Frauen saßen. Alle schauten mich an, sie war nicht dabei. Ein paar muskelbepackte Aufpasser waren strategisch verteilt; Gäste sah ich 2 oder 3 an den Tischen. Hinten links gab es eine weitere Theke, wo niemand saß. Dort nahm ich Platz. Dahinter eine lächelnde Dunkelhaarige. Vor bunten Flüssigkeiten, die ich mir nicht leisten konnte.
„Was darfs sein?“
„Eine kleine Cola“, sagte ich.
Sie nahm ein Glas & holte eine Flasche, die mir winzig erschien. Schenkte ein & stellte das Glas vor mich hin.
„Das macht 5 Euro bitte.“
Ich reichte ihr den Schein.
Sie sagte: „Nicht böse sein, dass ich vorab kassiere, aber das müssen wir hier.“
„Kein Problem“, sagte ich.
Eine von den Frauen, die ich vorne gesehen hatte, setzte sich neben mich. Blond, in weißen Hotpants.
„Hallo.“ Schon das Hallo klang osteuropäisch. In dieser Nacht störte mich das aus irgendeinem Grunde.
Ein bißchen Gespräch plätscherte hin & her. Sie berührte mein Knie mit der Hand.
Sie sagte: „Wir können etwas trinken, und dann gehen wir nach hinten.“
Ich sah die Tür hinter ihr. War das schwarze Kleid dorthin verschwunden? Wenn doch sie jetzt hier wäre, dieses Lächeln jetzt hier wäre. (Und dann? Es würde dir kein Geld in der Hose wachsen.)
„Ich warte noch auf einen Kumpel“, sagte ich. „Wir haben uns hier verabredet.“
Nippte an meiner Cola. Es arbeitete hinter dem Gesicht über den weißen Hotpants. Sie taxierte mich. Zweifelte.
„Ok, solange geh ich dann mal.“ Und weg war sie.
Nach einer halben Minute saß eine Dunkelhaarige neben mir. Sie war der Konversations-Profi. Schwächerer Akzent. Touristengeplauder. Fragte mich, was ich denn schon gesehen hätte, sagte mir, was ich unbedingt noch sehen müsse, erzählte mir, was sie in den letzten Tagen in ihrer Freizeit unternommen hatte.
Und schließlich tischte ich auch ihr die Story von dem Kumpel auf.
„Ok“, sagte sie, „dann hol ich noch eine Kollegin dazu, und wir gehen zu viert nach hinten.“
Hinten hinten hinten, kreiste es durch meinen Schädel. Ich stellte mir das schwarze Kleid vor, wie es am Boden lag.
„Darf ich was trinken?“ fragte sie.
Verdammt, da hatten wir’s. Und meine Cola war auch schon alle.
„Sekunde“, sagte ich, „ich check grade mal, wo der bleibt.“
Ich holte das Handy aus der Tasche. Hielt es so, dass sie nicht darauf schauen konnte. Tastete darauf herum.
„Mist“, sagte ich. „Kein Empfang.“
Du blöder Loser, fuhr es mir durch den Kopf.
„Komisch“, sagte sie.
Ja. Komisch, um nicht zu sagen lächerlich, peinlich, armselig.
Sie wußte, was los war.
„Ich probier’s grad mal vor der Tür“, sagte ich & stand auf.
Ich wollte ihren Blick nicht sehen, aber ich sah ihren Blick. Und sie war wirklich sehr liebenswürdig gewesen.
Ich fühlte, Köpfe wandten sich mir zu, als ich mich auf den Ausgang zubewegte. Loser.
Irgend jemand sagte: „Moment.“ Eine Frau sagte es. Aber diesen Moment hatte ich nicht mehr. Ich ging hinaus.
Draußen fragte ich mich, ob mir jemand folgen würde. Blödsinn. Sowas erlebten die sicher ständig. Es gibt so viele Loser auf der Welt. Entweder ist es Angst, oder es ist kein Geld, oder es ist beides. Oder es ist irgend etwas anderes.
Null Euro in der Tasche. Der Himmel war nicht schwärzer als vorher. Der Absatztakt beruhigte sich. Das Lächeln würde mir bleiben; der Blick über die leuchtende Schulter hinweg. Baudelaire … ich dachte an mein Lieblingsgedicht … A une passante ….. Ich ging weiter. Ging vorüber. Vielleicht würde mich wieder jemand nach einem Weg fragen. Nach irgend einem Weg, den ich nicht kannte.
Irgend etwas war mit meinem Gesicht.
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Eiter spritzte auf den Spiegel,
eine kleine Sonne.
Das ist mein wahres Talent,
dachte ich:
Kranke kleine Sonnen
in die verkehrte Welt schießen.
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Heißes schreibe ich auf Backpapier
Glänzendes auf Stanniolpapier
Düsteres schreibe ich auf Kohlepapier
Beschissenes auf Klopapier
Zeitliches schreibe ich auf Zeitungspapier
Wertvolles aufs Wertpapier
Schmieriges schreibe ich auf Butterbrotpapier
Wechselvolles auf Lackmuspapier
Kleines schreibe ich auf Millimeterpapier
Bildliches auf Fotopapier
Gestohlenes schreibe ich auf Kopierpapier
Vielfältiges auf Krepppapier
Faßbares schreibe ich auf Büttenpapier
Schlagkräftiges auf Durchschlagpapier
Atemloses schreibe ich auf Zigarettenpapier
Erinnerungen auf Elefantenhautpapier
Ich schreibe ich auf Altpapier
Gedichte schreibe ich
Dir
auf Geschenkpapier.
2 Kommentare | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Zahl.
21.
Jagte ihm Angst ein.
21 Jahre
ohne Kuss.
Ohne Zärtlichkeit.
21 Jahre
Einsamkeit.
21 Jahre
Tod
& Sehnsucht.
Die Angst,
21 Jahre
lang.
21 Jahre
Ende & Zusammenbruch.
21 Jahre
Traum & Erinnerung.
21 Jahre
Leben ohne Leben.
21 Jahre
Dunkelheit.
21 Jahre.
Wie war
SIE
die EINZIGE
doch
schön
gewesen,
mit
21 Jahren.
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