Also nahm ich ein Blatt Schreibmaschinenpapier,
zeichnete eine Möwe darauf,
spannte anschließend das Blatt in die alte Triumph meines Vaters & tippte
rings um die Möwe herum
das Wort »Besessenheit« –
so oft, bis
das Blatt voll war.
Dann schickte ich es ihr
per Post.
Als ich sie
das nächste Mal sah,
drang ihr Blick so tief
in mich,
dass ich es
nicht
ertragen konnte.
Fast leer war die Autobahn
in der Abenddämmerung.
Ich steuerte in Richtung Job.
Wie üblich schaute ich mehr
in die Wolken & die Umgebung
als auf die Fahrbahn …..
Betrachtete die Baumreihen.
Die Bäume waren fast alle
gleich hoch,
lebendig,
wuchernd,
grün;
bewegten sich im Wind.
Hinter einer Biegung sah ich
die
eine
Ausnahme.
Hinter all diesen lebendigen,
grünwuchernden, bewegten Bäumen
befand sich
ein
einzelner
Baum –
Er war kahl
Er war dürr
Er war unbewegt
Er war tot.
Und –
Er überragte alle anderen
bei weitem – –
mit seinen dürren, braunen
Ärmchen.
Ich wollte ihm
einen Namen geben.
Aber
es fielen mir
zu viele
ein.
Und ich konnte mich
für keinen
bestimmten Namen
entscheiden.
Es braucht
nur eine Kleinigkeit.
Zum Beispiel:
Eine Erkältung.
Ein bisschen Rotz ….
Ein bisschen Halsweh ….
Schweiß & Krankheitsgefühl ….
& schon
wird einem das Alleinsein
noch bewußter –
& so planetenschwer
dass man es kaum noch
ertragen kann.
Da ist
Niemand
der nach einem sieht.
Niemand
der einem etwas ans Bett bringt.
Niemand
der wärmende Worte hat.
Niemand
der sich ansteckt. –
Es ist
nur eine Kleinigkeit.
Eine Kleinigkeit
die kaum
zu ertragen ist.
In den Gläsern meiner Brille
spiegeln sich
von außen betrachtet
die Leere
die Einsamkeit
die Abwesenheit vertrauter Augen
Es spiegelt sich
die Gewohnheit
Die Gläser sind
entspiegelt
x-fach ….
Damit die Reflektionen
(beinahe hätte ich geschrieben: Reflexe)
von Licht &
die Reflektionen
meiner eigenen Augen
von innen betrachtet
mich nicht
stören
Dieses Brennen in der Kehle
war ungeheuerlich.
Die Nacht davor hatte aus
Martinis bestanden, Gin, Vodka, Kräuterliköre,
Rotwein & Absinth. Zigarren.
Nichts konnte das Brennen
löschen.
Kein Tee, kein Wasser.
Ich dachte an Bogart &
an Lauren Bacalls
Schilderung seines Sterbens.
Andere Gedanken
wollten nicht kommen.
Jämmerliches Verrecken & Tod.
Ich schaute einen Porno &
holte mir einen runter.
Einsamkeit.
Sonst nichts.
Das Brennen.
Irgend etwas brennt immer.
Wie das Verlangen.
Etwas Eisiges wollte ich
in meine Kehle schütten.
Eine Betäubung.
Ein Vergessen.
Da war noch Vodka
im Tiefkühlfach.
Der reichte für
einige weitere Martinis. »The whole world is about
three drinks behind.«
Schmerz mit Gegenschmerz bekämpfen.
Feuer mit Gegenfeuer.
Doch nichts
kann es löschen.
Es bleibt.
Bis zum jämmerlichen Verrecken.
Dieses Brennen.
….. ich dramatisiere
manchmal
meine Vergangenheit
etwas
um sie
interessanter
zu machen
als sie mir vorkommt.
Ich tue das
in erster Linie
für
mich.
So wie ich
Alles
in erster Linie
für mich
tue.
So
wie
alle anderen
in erster Linie
Alles
für sich
tun.
So lächerlich
finde ich
oft &
oft &
oft
meine
verdammte
Schreiberei!
Peinlich
darüber
zu
reden.
Lächerlich
es
ernst
zu
nehmen.
Man sollte
nur
schweigen
darüber.
So
wie
Millionen andere
es
auch
sollten.
All dies
papierene Gequatsche.
All dies
Versagen.
All diese
Selbstbefriedigung.
Nie werden wir
etwas
Großes
schaffen.
Denn
das Große
war
schon
da!
Die kleinen
Zettel, die ich
als Kind
bekritzelte
waren
mir wichtiger
als mein
heutiges
Geschwurbel.
Und die
Zettelchen, die ich
später ihr
schrieb
& an Orten versteckte
wo er
nicht suchte
waren wohl
das
Einzige
von Wert
dass ich
überhaupt
jemals
geschrieben
habe.
Der Traum erschafft sich
seine eigene Vergangenheit.
Der Träumende erinnert sich
an Menschen & Ereignisse,
die es
niemals
gab.
Gern wäre ich
mein eigener Traum –
der
sich
seine Erinnerungen
& die Menschen darin
selber
erschafft.
Und irgendwann möchte man
nicht mehr an sein Ende gelangen,
an das Ende des
langen, düsteren Tunnels,
durch den man sich seit
Jahren,
vielleicht sogar seit
Jahrzehnten bewegt hat.
So sehr hat man sich
gewöhnt
an die Geborgenheit
der Mauern & die
Gleichförmigkeit der Düsternis.
An das Echo
der eigenen Schritte.
Und man fürchtet sich
vor dem Licht, das einen
schmerzhaft blenden würde.
Und dort
im Licht
könnte einem klar werden,
wie hässlich
der Tunnel doch eigentlich
gewesen war –
& wieviel Zeit
man
unwiderbringlich
in ihm
verloren
hat.
Er bemerkte ihn nicht.
Den seltsam grinsenden Mann,
der in der Masse
hinter ihm stand.
Im Gedränge des Lebens.
Und er spürte nicht,
wie die Hand des Mannes
langsam & geschickt
in eine seiner Taschen glitt.
Er bemerkte nicht, dass
der Mann da gewesen war,
und er bemerkte nicht,
dass der Mann
wieder verschwand.
Lange Zeit bemerkte er gar nichts.
Denn er vermisste nichts.
Erst spät,
sehr spät
fand er etwas.
Er fand es in
einer seiner Taschen.
Es war
eine Quittung.
Die Quittung für
sein Leben.
Und für all das, was er
sich selber
angetan hatte.
Und dann begann er
zu spüren,
was ihm
gestohlen
worden
war.
»Ich kann nicht kochen …«, sagte sie.
»Also, mir hat’s bisher immer geschmeckt«,
sagte ich.
Sie grinste. »Doofsack. Ich meinte:
Ich kann nicht kochen, wenn du mir dabei
nicht
zusiehst.«
»Aber ich sehe dir doch zu.
Immer.«
So war es.
Ich sah ihr zu.
Beim Kochen.
Immer.
Saß hinter ihr.
Immer.
Meine
private
Kochshow.
Genüsse & Vorfreuden
die
aufeinander
trafen. Der Geschmack des Cocktails ….
Der Geruch des Essens ….
Der Dampf ….
Die Wärme ….
Ihre Geschicklichkeit ….
Ihre Schönheit ….
Ihre Zaubertricks …..
Ihre Beine ……
Sie kochte nur, wenn sie
gut gelaunt war.
Wenn sie gut gelaunt war,
zog sie an,
was ich mochte.
Hin & wieder
beugte ich mich vor
& hob ihren kurzen Rock
oder mein Hemd,
das sie trug,
ein wenig an.
Sie ließ sich
nicht
stören
& rührte.
Das Essen
& –
mich.
Die Zeit, die nicht
linear ist
wie die Linien in einem Gesicht,
versuche ich
wiederzufinden.
Das Kind
in einem fremden, faltigen Körper ….
Den Grundstein
in einem verfallenden Gebäude ….
Den Samen
in einem hohen Baum ….
Den ursprünglichen Gedanken
in einer Erfindung ….
Es ist
Alles
noch da.
Irgendwo.
Die Anstrengung
es zu finden
es zu sehen
mag groß sein
Schon immer war ich
auf meinen Erfolg aus;
vor allem auf Geld.
Schon immer war ich
geschäftstüchtig.
Bereits in frühester Jugend. –
Damals wollte ich
eine Gitarre verkaufen.
Ein billiges Stück.
Es gab 2 Interessenten;
2 meiner Freunde
wollten diese Gitarre kaufen.
Der Eine war Sohn aus
einem reichen Haus.
Der Andere stammte
aus einer italienischen
Gastarbeiterfamilie.
Ich mochte beide.
Sehr.
Der Sohn aus reichem Hause
bot
nicht ganz
das Doppelte
von dem, was
der Andere geben konnte.
Es war also klar, wem ich sie
verkaufen musste.
Er spielte mir dann oft
auf dieser Gitarre vor.
Brachte mir Akkorde bei, die
ich noch nicht kannte.
Während ich
bei ihm zu Hause war.
Oft war es laut dort, denn
die Familie war
riesig. Und alle
redeten durcheinander. Und
seine Mutter, die kaum
Deutsch konnte, machte
herrliche Lasagne.
Sie sortierte die schmutzige Wäsche,
die neben der Waschmaschine
auf dem Boden lag.
Sie stand vorgebeugt
mit ihrer Rückseite zur Tür.
Trug einen schwarzen Slip,
sonst nichts.
Leise & langsam
schlich ich mich an …..
Zog ihr
mit einem Ruck
den Slip herunter.
Blitzschnell
richtete sie sich auf.
Ihre Stimme war eine
Rasierklinge. »Spinnst du!?!
Hör auf mit dem Scheiß!«
Ein schneidender Klang.
Sie zog den Slip
wieder hoch.
Sah mich nicht an.
Bückte sich
&
sortierte weiter.
Da wusste ich:
Es war
mal wieder
vorbei.
Nicht
mal wieder
vorbei
mit irgendeiner
Frau,
sondern:
Mal wieder
vorbei
mit ihr.
Zum wievielten Male?
Egal.
Noch 1 Woche zuvor
hätte sie mir
ihren nackten Arsch
gegen den Hosenschlitz gedrückt,
hätte ihren Arsch hin & her bewegt;
und aus ihrer Kehle wäre
ein aufreizender Laut
gekommen.
»Okay«, sagte ich &
ging nach nebenan, um
eine zu rauchen.
Mal wieder.
Es ging mir schlecht.
Mal wieder.
Und doch –
ich konnte
dieses
Ende
nicht
völlig
ernst
nehmen.
Es war eine
merkwürdige Beziehung.
Eine
seltsame Beziehung.
Eine
seltene Beziehung.
Es war die Große Liebe.
Dann hörte ich
die Waschmaschine.
Ich packte meine Sachen &
zog
woanders hin.
400 oder 500 Kilometer
weiter nördlich.
Ich blieb allein.
So allein man sein kann
unter Büchern.
Außerdem gab es
1 Schreibmaschine &
1 Gitarre.
Ich wusch meine Wäsche
allein.
Und nach ein paar Wochen dingdongte es an der Tür.
Die Pause zwischen dem Ding
& dem Dong
war lang.
So lang, dass
die beiden
nicht
ineinander übergingen.
Da war
ein sauberer Schnitt.
Wie
von einer
Rasierklinge.
(Ein langer Druck
auf den Knopf. – –
Hätte es sich
um eine richtige Klingel gehandelt,
wäre das DingDong ein Sturmklingeln
gewesen).
Hier könnte eine Blogroll sein.
Wenn ich nicht so egozentrisch wäre.
Statistik
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"Ich wohne in meinem eignen Haus,
Hab´ niemandem nie nichts nachgemacht
Und - lachte noch jeden Meister aus,
Der nicht sich selber ausgelacht."
(Friedrich Nietzsche)
„Meine kleinen Gedichte
Kommen wie kleine Blumen mir vor,
Lauter winzige Wichte,
Aber zusammen doch ein Flor,
Und hervor
Aus dem Chor
Blicken Vergißmeinichte.“
(Friedrich Rückert)
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