Tagesarchiv: 16. Juli 2012

Korrosion

All die Tränen & der Schweiß
die im Laufe der Zeit
auf das Metall
gefallen
sind

Sie haben sich
hineingefressen

tiefer & tiefer

Und das Metall
fing an
zu rosten

Und der Nagel
fing an
hässlich & brüchig
zu werden

& fast hätte er
seinen Kopf verloren

Es ist die Frage
ob ES noch
halten
wird

Wenn man
sein Herz

an diesen halbzerstörten Nagel
hängt –

Nachdem man ihn

vorsichtig
so vorsichtig

in seinen Traum

geschlagen hat


Hellwach

Nichts sonst
ist so leicht
wie

der Schlaf der
falschen Vorstellungen.

Du brauchst nicht
zu pfeifen

Du brauchst nichts
zu sagen

Du musst nicht
berühren.

Es genügt
dass jemand
Deine Gedanken

liest.

Und schon
sind sie

hellwach


Das Leberwurstglas

Da steht dieses Leberwurstglas
im Kühlschrank.
Angebrochen
vor längerer Zeit.
Als man
Appetit hatte.
Einmal nur
hatte man diesen Appetit;
das Glas wurde angebrochen,
und der Appetit kam & kam
nicht wieder.
Man ahnt
wie es in dem Glas aussehen könnte,
mittlerweile.
Man traut sich nicht,
nachzuschauen.
Aber man hofft,
dass noch alles in Ordnung ist,
sollte der Appetit
jemals
zurückkommen.


Die Sirene

Und vielleicht ist sie
die Sirene
die Dich
aus dem Schlaf reißt

Aus dem viel zu langen Schlaf
der wirren Träume

Und sie reißt Dich aus dem Schlaf
Um Dich zu warnen
vor dem Feuer

Vor dem Feuer

das
sie
selber

in
Dein
Haus

trägt


Wörter davor, Wörter danach, Wörter während

Man atmet
bevor man das Wort kennt
Man weint
bevor man das Wort kennt
Man trinkt
bevor man das Wort kennt
Man isst
bevor man das Wort kennt
Man pisst
bevor man das Wort kennt
Man träumt
bevor man das Wort kennt
Man fühlt
bevor man das Wort kennt
Man vertraut
bevor man das Wort kennt
Man liebt
bevor man das Wort kennt

Dann
erlernt man die Wörter

& so Manches
erscheint
weniger
unmittelbar
durch sie

Wörter kommen hinzu
zu dem WortSchatz

Wörter die man kennt
bevor man tut
wofür sie stehen

Und Vieles
wofür es Worte gibt
wird man niemals tun

Vieles
wofür es Worte gibt
kann
niemand
jemals

tun

Dann
vergisst man Wörter
& das
wofür sie stehen

Oftmals
ohne es zu bemerken

Und man
vermisst sie nicht

Andere möchte man
verdrängen

aber sie sind zu aufdringlich
Immer wieder aufs
Neue

Und dann
kommt der letzte
Atemzug – – –

Welches Wort
wird man denken?

Wenn überhaupt ….

Es ist
gleichgültig.

Man tut
das Letzte
was einem zu tun bleibt

Das was man am längsten
vor sich her geschoben hat

obwohl man das Wort dafür
schon so lange
kannte
gekannt hat
kennt

Die Unmittelbarkeit
kehrt zurück

Für einen Moment
Ohne Worte

Doch die Wörter

überleben