Tagesarchiv: 27. Juli 2012

Traumhäuser

Die fremden Häuser, die ich
in meinen Träumen bewohne ….

Sie mögen noch so finster sein –
noch so erfüllt von Unsichtbarem ….

Niemals stolpere ich in ihnen,
während ich mich schwitzend &
mit Herzklopfen durch ihre Flure taste –

voller Furcht vor dem, was aus
meiner Wirklichkeit
seinen Weg gefunden haben könnte
in die Zimmer, deren Türen

sich plötzlich in die Flure
öffnen könnten ….

Nein,
ich stolpere nicht
in diesen Häusern ….

Stolpern tue ich
nach dem Erwachen
in der Vertrautheit meines
künstlich beleuchteten Lebens,

wo ich
so oft
der Fremde
bin ….

Die fremden Häuser, die ich
in meinen Träumen bewohne –

sie könnten
mein
wirkliches
Heim
sein ….


Andernach

Vielleicht wird es mir
Niemand
glauben

So wenig glauben
wie ich manchmal
dem Schicksal
glaube

Aber:

Meine
Große zerstörerische Liebe
wurde in
Andernach
geboren

Und ich war
oft
oft
oftmals
dort

in den 70ern

& besuchte mit ihr
ihre Eltern

Die die
Schwiegereltern
meines großen Bruders
waren

Seltsamerweise
mochten sie mich mehr
als ihn

Vielleicht weil
sie
mich
mehr liebte
als ihn

& sie
es spürten

Vielleicht.

Einige Jahre nach
meinem ersten Besuch in
Andernach
stieß ich im Kellergeschoss
eines Kaufhauses
auf dieses Taschenbuch:
Aufzeichnungen eines Außenseiters

Las die ersten Zeilen
Fand mich
wieder darin
in Teilen &

war gefangen
im Ganzen.

Ich kaufte das Buch.

Und dann
las ich
wo Er

geboren worden war.

Unter den Zufällen
meines Lebens
ist dieser
mir
der liebste.

 

 

Buk Aufzeichnungen


Die Kotze im Waschbecken

Da war diese Party ….
Wir pubertierten wild vor uns hin.
Es wurde gefressen, gesoffen, geraucht
im Keller eines Freundes. Viele
viele Menschen.
Schon damals
eigentlich
zu viele
für mich.

Es wurde mit Essen geworfen,
Nudeln klebten an den Tapeten.
Schallplatten zerbrachen.

Die Eltern des Freundes waren
abwesend.

Die Gäste der Party tanzten.
Ohne mich.

Ich hörte nur auf –
die
Musik.

Irgendwann hieß es:
»Da hat jemand ins Waschbecken
gekotzt. Derjenige, der’s war,
soll’s gefälligst wieder wegmachen.«

Niemand meldete sich.

Das schönste Mädchen der Party
hatte kein Problem damit.
Da es sonst keiner tun wollte,
ging sie ins Bad, um sauber zu machen.

Anschließend berichtete sie ….
Das Waschbecken war halb voll gewesen;
der Stöpsel hatte gesteckt.
Sie beschrieb alle Details in allen
Farben ….. Der tiefe Griff hinein, um
den Stöpsel zu ziehen …. Ohne
Handschuh …. Die
Brocken, die nicht durch den Abfluss
gepasst hatten …..

Sie machte sich einen Spaß daraus,
es auszumalen.
Dann ging sie reihum.
Streichelte beinahe jedem
in diesem Keller
die Wangen.

Fragte:
»Na, hast Du in das Waschbecken
gekotzt?«

Manche wichen zurück.
Niemand gab es zu.

Ich wartete.
Wartete auf ihre
Berührung.

Sie war
so schön.
Mit ihren langen langen
Haaren.

Fast konnte ich ihre Hand
schon auf mir spüren ……
Malte mir ihre Berührung aus.

Aber
sie kam nicht
zu mir.
Mich
streichelte sie nicht.

Irgend etwas
hielt sie zurück.
Im letzten Moment.

Vielleicht spürte sie
meinen Wunsch
zu stark.

Vielleicht wollte sie mich
verschonen.

Wie auch immer –
ich war es nicht gewesen,
der ins Waschbecken gekotzt hatte.

Damals.

Ich hatte auch nichts
gegen die Wände geworfen.

Ich hatte nur der Musik zugehört.
Und von diesem Mädchen geträumt.

So schön
mit ihren
langen langen Haaren.

Aber sie berührte mich nicht.

Nicht
einmal

mit ihrer zarten Hand, die
in die Kotze
gegriffen hatte.

Ich war enttäuscht.
Und lauschte weiterhin

der Musik.