Schlagwort-Archive: Lyrik

Der Staubsauger

Ich hatte seit 24 Stunden nichts gegessen
hatte noch immer keinen Hunger
saß da, kippte Gin in mich rein
starrte vor mich hin
starrte auf den Staubsauger, der
mitten im Zimmer lag

Staub war überall
Mein ganzes verficktes Leben war
Staub

Ich hatte es nur
lange nicht mehr gespürt

Eine Fremde hatte kommen müssen
um es mich spüren zu lassen
Eine Fremde, die keine war
weil ich mich in ihr wiedererkannte

Sie zeigte es mir
& verschwand wieder

Noch mehr Staub
als hätte man die Urne mit
meiner Asche
ausgeschüttet

Ich starrte auf den Staubsauger
Starrte auf den Schlauch, den man
abmontieren kann, um ihn
an einen Auspuff anzuschließen

Es wäre so einfach
Ein bisschen Husten
& dann
Ohnmacht

War ich nicht längst ohnmächtig?

Ich kippte Gin in mich rein
& starrte auf den Staubsauger

Alles wiederholte sich
Ein Tod nach dem andern
Wieviele Tode noch?
Wann hat man es endgültig
überstanden?

Irgendwann stirbt die Hoffnung
nicht mehr zuletzt
Sie stirbt zuerst

Der ganze Dreck
Der ganze Staub
Die ganze Asche

Einfach alles vernichten
Ein sauberer Schnitt

Ein letzter
glänzender
Tod

Der Gin ist alle
Ich sitze da &
starre auf den Staubsauger

Alles dreht sich
ich kann nicht aufstehen

Wann werde ich wieder
aufstehen können, um
dem Staub
ein Ende zu bereiten?


Spiegel

All diese Spiegel in dem düsteren Haus
in dem ich existiere
Was sie zeigen
interessiert mich nicht
Es fehlt das richtige Bild in ihnen
Was sie zeigen ist
Leere

Sie hatte mir ein Bild geschickt
aufgenommen in einem Moment
als sie sich schön fühlte
nach all dem Selbsthass
all der Verzweiflung
all der Verstörung

Sie war umgeben von Krankheit
die sie für ihre eigene hielt

Ein Irrtum

Den Anblick ihrer Augen
konnte ich kaum ertragen
Sie blendeten mich
Ich sah meine Worte in ihnen
Ich sah dass sie mir glaubte
dass sie mir vertraute

Ihre Augen sind die Spiegel
die mir fehlen
Spiegel die mir etwas anderes zeigen als
Leere

Sie fragte: „Sehe ich immer noch traurig aus?“
„Ja“
, sagte ich, „irgendwo, ganz weit im Hintergrund.
Und das wird immer da sein, ich weiß es, denn
ich kenne es.“

Sie kann die Spiegel zertrümmern
Sie kann mir mit den Splittern die
Pulsadern aufschneiden
Mein Puls ist nutzlos
da mein Herz woanders ist

In ihren Augen soll sich die Farbe
meines Blutes spiegeln
Ich brauche es nicht mehr
Ich hatte immer zuviel davon

Ihr Vertrauen in mich
warf sie aus der Bahn
Sie war erschrocken
Sie war verstört
wieder verstört

Sie weiß nicht
wozu sie fähig ist
Sie ahnt es nicht einmal
Ich weiß es &
vielleicht hört sie mir irgendwann
wieder zu

Ihr Schweigen wiegt mehr
als meine Worte

Vielleicht
vertraut sie mir wieder
irgendwann

& wenn sie mir wieder glaubt
wer weiß

Vielleicht
glaubt sie dann auch
an SICH


Griffe

Ich habe Dich begriffen
Ich begreife Dich
Ich werde Dich begreifen

& Du sollst stöhnen
unter meinen
Griffen


Das Herz

„Ich reiss Dir das Herz raus &
stecke es in Deine Fotze!“

„Ja“, stöhnte sie, „bitte,
BITTE.“

Die Nacht
nur noch die Nacht
Nichts ist wie es war
Nichts bleibt wie es war
Kein Stein bleibt auf dem anderen
Nichts sonst zählt mehr

nur noch

dieses Herz


Zukunft vs. Gegenwart

Dieses große dunkle Monster Zukunft
es existiert nicht
& doch wirft es seinen
mächtigen Schatten
auf Alles

Die Gegenwart verfinstert sich
Wir vergessen zu leben
zu erleben

Zukunftsängste
Verlustängste
Existenzängste

Dieses große dunkle Monster
Wir sehen
was gar nicht da ist

Tiere kennen dieses Monster nicht
Sie leben
leben leben leben leben
in der Gegenwart

MACH MICH ZUM TIER !


Schweigen

Gedichte für Dich
für Dich
für Dich

Jetzt:
SCHWEIGEN

Denn:
ich muss Dich
ATMEN hören


Der leere Bahnhof

Der Bahnhof leer
in der Nacht
Der letzte Zug
abgefahren
Zu spät
sich auf die Gleise zu legen
Wind
irgendwie scheint auf Bahnsteigen
immer Wind zu wehen
Man könnte in den Wind schreien
die leere Flasche
auf die Schwellen schmeissen
Vielleicht kommt dann jemand
& schlägt einen zusammen
tritt einem den Schädel zu Brei
Vielleicht würde Irgend Etwas
passieren
– – –
Aber nein
es passiert nichts
Starren auf die Uhr
Warten auf den nächsten Zug
der im Morgengrauen kommt
Man könnte zusteigen
einfach fort fort fort
Es könnte jemand aussteigen
auf den man wartete
ohne es zu wissen
Man könnte
springen – –
Aber wahrscheinlich
geht man einfach wieder nach Hause –
zurück zu seiner
Sehnsucht


So Simpel

Wie einfach es doch ist :
Alles endet mit dem Tod
Jede Story endet mit dem Tod
Das Happy End ist eine verfrühte
Ausblendung
So simpel – ein
Gemeinplatz
Etwas, das jeder weiß
Etwas, das schon Unzählige gesagt haben
Etwas, das verdrängt werden kann
Verdrängt von fast allen
in den Meisten Momenten ihres Lebens
Sie rennen allem hinterher
Allem, was ihnen helfen könnte
bei der Verdrängung
Karriere…Liebe…Bücher…Musik…
Unterhaltung…Rosenkohl…Filme…Vorbilder…
Fortpflanzung…Alkohol…Drogen…

Bloß nicht nachdenken
Bewußtsein ist die Hölle
Eine Hölle, in der die meisten
die meiste Zeit über nicht leben
Sie leben in Regionen
wo man die Zeit totschlägt
wo man sich langweilt
wenn nichts passiert
wo man sich langweilt
weil man blind ist für die kleinsten
Veränderungen
Variationen, die den Sehenden
faszinieren –
Verdrängt ruhig! Tut Alles, was
Euch das Leben erträglicher macht!

Manchmal sehe ich
Doch meistens bin auch ich blind
will ich blind sein
wie fast alle
Ich wohne in der Hölle
verbinde mir die Augen
& doch vergesse ich nie
dass meine Hölle mit mir stirbt
& eigentlich ist es schade um jede
einzelne Hölle
die einmal für irgend jemanden
ein Zuhause war


Gerüche

Das aufgeklappte Zippo
Nagellackentferner, der an die Kindheit erinnert
Gin, der an Nagellackentferner erinnert
Verwelkte Blumen, die an Friedhöfe erinnern
Worte, die riechen, wenn man in durchgequatschten
Nächten nebeneinander liegt,
Worte, die nach Knoblauch, Wein & Zigaretten riechen,
Worte, die nach Gemeinsamkeit riechen
Bettzeug, das nach diesen Nächten riecht
Finger, die nach der Haut des Anderen riechen

Momente, die man riechen kann
Momente der Vergangenheit & der Gegenwart &
– vielleicht – der Hoffnung auf die Zukunft
Rausch & Atem

Atem, den man
braucht, um nicht
tot zu sein


Der Steckbrief

Ein Steckbrief an einem abgestorbenen Baum:
Gesucht: Tot oder lebendig: SCHMERZ !

Ich hatte diesen Schmerz gesehen
Ich wußte, wo er wohnte

Die Belohnung reizte
Ich hätte ihn anzeigen können

auf ihn deuten
mit dem Zeigefinger der Herzlosigkeit

Aber ich nahm den Steckbrief
mit nach Hause

um mir damit
den Arsch abzuwischen


DIN

Du musst die DIN-Norm erfüllen
wenn Du bestehen willst in der
genormten Welt
Willst Du Dich irgendwo vorstellen
musst Du in den Roboterschädel passen
der Dir gegenüber sitzt
Tu so, als interessierte es Dich
was er zu sagen hat
Tu so, als könntest Du ernst nehmen
was gefordert wird
Setz Deine Maske auf
die dümmste, die leerste, die Du
finden kannst
Vielleicht hast Du Glück damit
falls es Glück ist, einen Platz zu bekommen
in der genormten Welt …
Sollte er Dich durchschauen
erkennen, was Du wirklich denkst
wird er es nicht fassen können
nicht erfassen mit seinem Roboterschädel
Er wird Dich nach Hause schicken
Vielleicht hast Du nichts mehr zu fressen
zu Hause, aber Du hast Dir
Etwas bewahrt, das viele Namen haben kann:
Stolz … Stil … Selbstachtung …
dieses eine Mal wenigstens
hast Du es Dir bewahrt –
Und dieses Etwas solltest Du feiern
auch wenn Dir der Magen oder sonstwas
knurrt – feiere! Wenigstens heute …
Wenn nötig, mit Leitungswasser!


Die Zeitmaschine

Sie packten mich & zerrten mich
zu der Zeitmaschine
die in einem dunklen Wald stand
………………..Nachts
Die Maschine leuchtete & blinkte
& verängstigte die Tiere
die flüchteten

Sie stießen mich hinein &
banden mich fest &
grinsten

Es gab einen Rückspiegel
in den ich blicken konnte
Aber nur mich konnte ich darin sehen

Sie setzten die Maschine in Gang &
traten zurück
Die Richtung hieß
Vergangenheit

Der Lärm war ohrenbetäubend
Die Farben blendend
Es roch als würde die Zeit verbrannt

Erinnerungen an die Gegenwart
wurden ausgelöscht
die Zukunft wurde weiter –
beängstigend

Als die Maschine stoppte
zitterte ich

Der Wald hatte sich
kaum verändert

Ich schaute in den Rückspiegel –
Ich war nicht mehr Ich

Ich war Sie

& ich verliebte mich in
Mich

Aber ich blieb
gefesselt

& es kam niemand
der mich
befreite


Traumwandel

Der Traum ist ein Künstler

Aus dem Hämmern des Nachbarn machte er
das Klack Klack Klack von High Heels

Wahrscheinlich nagelte der Typ nebenan
gerade seine Alte ans Kreuz, um sie
besser ausweiden zu können

Aber ich spazierte im Traum hinter dieser
jungen Frau im kurzen Sommerkleid &
betrachtete ihre
Beine Beine Beine Beine Beine

Schließlich fing der Nachbar an
zu sägen – damit
konnte mein Traum nichts anfangen
Ich wachte auf

Der Traum ist ein Künstler

Aber er hat
– wie Alles –
seine Grenzen


Der Stein

Ich wollte Dich nicht wecken
Ich wusste, dass Du schläfst

Ich hoffte es zumindest ….
für Dich
& – falls Du von mir träumtest –
hoffte ich es für
mich

Ich habe Dir den Stein
vor die Tür gelegt
ganz leise

Wie es Katzen tun
mit den Eingeweiden
schwächerer Tiere

Du kennst diesen Stein –
er ist größer als die Faust
die man ballt

weicher als die Vergangenheit
die hart war

Ich habe ihn
mit einer roten Schleife versehen

Mit der sprudelnden Schleife
meiner Pulsadern

 

(Inwendig vorgetragen:)


Widmungen

Jedes Mal, wenn der alte Mann
das Hotel betrat – & er kam
regelmäßig –, hatte er ein weiteres
Buch dabei.
In jedes Buch hatte er geschrieben:
Für die netten, reizenden Damen an
der Rezeption!
(Darunter seine Unterschrift)
Er überreichte es feierlich,
quatschte ein bisschen mit ihnen
& setzte sich dann in die Bar,
immer an denselben Tisch,
um Kaffee zu trinken.

Es dauerte nie lange, und er fing an,
laut zu reden. Er schimpfte vor sich hin.
Saßen noch andere Gäste in der Bar,
machte er abfällige Bemerkungen über sie,
über ihr Äußeres, über ihre Gesprächsthemen.
Die Gäste beschwerten sich selten.
Meist belächelten sie ihn.
Er war – für sie -: Ein alter, verwirrter Mann.
Trotzdem wurde er vom Personal gebeten,
seine Äußerungen zu unterlassen.
Dann setzte er sich stumm in die Halle.
Und irgendwann ging es wieder los:
„Wie kann man nur so ein verschissen
hässliches Kleid tragen? Vor allem, wenn
man solche Dellen in den Beinen hat!“

Er wurde höflich hinauskomplimentiert.
Das Personal mochte ihn. Er sorgte für
Stimmung. Und sie hatten Mitleid.

Ich kannte ihn nur vom Hörensagen.
Er kam ausschließlich vormittags ins Hotel, wenn
meine Nachtschicht längst vorbei war.
Ich sah nur, dass immer mehr Bücher in dem
Regal im Backoffice standen.
Niemand las sie. Niemand schaute hinein.
…………… Außer mir.
Allerdings kannte ich die meisten schon,
Klassiker aus allen Epochen.
Die Bücher waren voller Anmerkungen;
Die Anmerkungen waren hochintelligent, hochgebildet.
Unter die Widmung hatte er jeweils
geschrieben, was ihn mit dem Buch oder
dem Autor verband.
Manche der modernen Autoren hatte er persönlich
gekannt. Er war mit einem Bundespräsidenten
zusammen auf der Uni gewesen. Er
hatte mehrere Doktortitel der Geisteswissenschaften.

Es stimmte alles.
Ich habe es recherchiert.

Ich stelle mir gerne vor, wie ich
eines Tages irgendwo sitze &
die Menschen beschimpfe.
Und sie belächeln mich milde.

Schließlich kamen keine neuen Bücher mehr hinzu.

Ich nahm einige mit nach Hause.
Ich behielt sie. Es hatte ohnehin sonst niemand
Interesse daran. Ab & zu las ich die
Anmerkungen nochmals.

Aber eigentlich waren mir
die Anmerkungen die liebsten,
die ich nur vom Hörensagen kannte. Irgendwie
waren auch sie Widmungen. Und er widmete sie
den richtigen Leuten. Und sie waren klar.

Für mich
war er nicht
verwirrt.


Schwimmflügel

Oft saß ich an diesem Bach
in der Morgendämmerung
Baumleichen umgaben mich
Ein paar Sträucher lebten noch
Insekten lebten noch

Für mich war es der Bach
den alles runterging
Mein Leben, meine Erinnerungen,
die Zeit

Wenn die Morgensonne sich
wie blendende Splitter auf seine
Oberfläche streute
war ich geblendet &
schaute in eine andere Richtung

Ab & zu
pisste ich in diesen Bach
setzte mich wieder &
beobachtete die Ameisen
die anders lebten als ich

Eines Morgens
als ich von den Ameisen aufblickte
stand am gegenüberliegenden Ufer
eine Frau
Sie war nackt
bis auf die Schwimmflügel
an ihren Oberarmen

Sie schaute zu mir herüber
ich sah ihren Körper
ihre langen dunklen Haare
Ihr Gesicht sah ich nur
verschwommen

Langsam
ging sie in meine Richtung
stieg sie das flache Ufer hinab

Als sie bis zum Hals
im Wasser war
begann sie zu schwimmen

Mit ihren Schwimmflügeln

Ich stand auf &
ging ans Ufer
sah wie ihr langes Haar
auf dem Wasser schwamm

Die grelle Farbe ihrer
Schwimmflügel

Ich glaubte das Wasser zu riechen
& hörte die Vögel
die ich hasste

Ich ging in das Wasser
das kalt war

Meine Schuhe
meine Hosen
alles sog sich voll

Allmählich erkannte ich
die Augen
der Schwimmerin
& zitterte vor Kälte

Bis zum Hals
stand ich im Wasser

& ging
weiter

& weiter
& weiter

Ich konnte nicht schwimmen
Niemals hatte es mich gereizt
es zu lernen
Ich wollte es nicht können

Sie konnte es auch
nicht
aber sie hatte die
Flügel

Sie blickte mich an
Sie konzentrierte sich aufs
Schwimmen
spuckte hin & wieder etwas
Wasser aus

Die Oberfläche des Bachs
den alles runterging
dicht an ihren Lippen

Das Letzte
was ich sah
im Gesplitter der Sonne
war

wie
irgend etwas
Winziges
das aus dem Nichts
zu kommen schien

ihre Schwimmflügel
zerfetzte

Eiskalt lief das Wasser
in meine Kehle


Synkopen

Wenn das Leben zum Refrain wird
öde Harmonien sich wiederholen
langweilige Melodien einen beleidigen
Wenn dumpfe Rhythmen, die
zum Mitklatschen reizen sollen
einen in den Wahnsinn trommeln

dann pfeife ich
ganz leise
für mich
die Dissonanzen
klopfe mit den Fingerspitzen
Synkopen
auf meinen Schläfen

& das Lachen
tief in meinem Innern
wird lauter
als jeder
Refrain


Mein kleiner klarer Cocktail (für E.)

Ich nenne Dich
– nur für mich –
Mein kleiner klarer Cocktail
weil Du mich inspirierst

Weil ich mir einbilden kann
meine Einsamkeit
sei ein klein wenig
unbedeutender geworden

Du hälst
Mut
zwischen Deinen Fingern
obwohl Du ihn selber
nicht hast

ein Schwarzweiss-Foto
bearbeitet
um aus Realität
Schönheit zu machen

obgleich diese Realität
schön ist

Wir kennen uns nicht
& müssen uns auch nicht kennen

um uns
vielleicht
zu verstehen


Handgranaten

Nachts wachte sie in ihrer Wohnung
im 3. Stock
Schwere Eisenfesseln an ihren Fußgelenken
an ihrem Hals
Die Ketten dieser Fesseln waren
im Nichts befestigt
Wer sie ihr angelegt hatte
wußte die junge Frau nicht

Das kleine verzweifelte verstörte
verängstigte Mädchen saß am
Schreibtisch & bastelte
Bastelte Handgranaten
Handgranaten aus Wörtern
Wunderschöne Zerstörer
wie nur dieses Mädchen sie
basteln konnte

einzigartig

Wenn das Mädchen fertig war
nahm die Frau die Handgranaten
löschte das Licht, öffnete das Fenster
& warf sie in die Nacht hinaus

Alles sollte zerstört werden
alles vernichtet zerrissen zerfetzt werden

Aber die Nacht war gleichgültig
die Granaten detonierten nicht
sie prallten ab an der Gleichgültigkeit
& blieben liegen

Schön & scheinbar nutzlos lagen sie
auf der Straße &
wenn der Morgen kam waren sie
zu Staub zerfallen. –

Ich ging durch die Straßen
es war Nacht
ein leichter Nieselregen fiel
Die Straßen waren nass
Laternenlicht schimmerte in Pfützen
Alles war still
kaum ein Fenster erleuchtet

Ich war ziellos wie immer
allein wie immer
atmete wie immer
verloren in Gedanken
wie immer

Die Luft war angenehm
Katzen waren unterwegs
Der Mond eine nehmende Sichel
(ab- oder zu- war mir egal)

In einer der Straßen war nur noch 1 Fenster
erleuchtet, ich sah es von weitem
fantasierte über eine glückliche Familie
die dort vielleicht noch zusammensaß
alle lachten & niemand fühlte sich
einsam
während ringsum alles schlief

Ich ging weiter

Der Regen wurde stärker
Das erleuchtete 4eck in der Häuserfront
wurde dunkel

Das Fenster ging auf
ich war nicht mehr weit entfernt
Etwas flog aus der finsteren Öffnung
wie der Ball eines Kindes
klein & dunkel & stumm fiel es durchs Laternenlicht
Wie ein schwerer Gegenstand blieb es
auf der Straße liegen
Der Aufprall machte kaum ein Geräusch

Sofort folgten weitere
Sie landeten überall
auf dem Bürgersteig
auf Autos
auf Müllcontainern
Sie hinterließen keine Spuren

Ich kam näher
Ich hatte keine Angst
Mir war alles egal
in dieser Nacht
wie in den meisten Nächten

Ich sah
dass die Gegenstände schön waren
Ich hätte sie nicht beschreiben können
Ich hatte nie etwas Ähnliches gesehen
Aber ich wußte
wie sie entstanden waren
Ich wußte
warum sie entstanden waren
Ich wußte
was sie bedeuteten
Ich wußte
was sie bezwecken sollten

Ich ging noch ein Stück weiter
& wurde getroffen

Mein Bauch wurde aufgerissen
Lärm tötete mein Gehör
In Zeitlupe flogen meine
Eingeweide durch die Luft
& klatschten auf die nassen Straßen
wie in einem Stummfilm

 

Noch stand ich
& schaute nach oben
während mein Blut den Asphalt färbte
Ich spürte keinen Schmerz
Aus dem Dunkel des 4ecks
erschien ein Gesicht im Licht der Straße
Das Gesicht einer jungen Frau
das zu dem Gesicht eines kleinen
verzweifelten verstörten verängstigen
Mädchens wurde

Erschrocken blickte es mir
in die Augen
Ich sah Leid & Mitleid &
Traurigkeit

Ich lächelte ihm zu
Nicht schlimm, signalisierte ich ihm
signalisierte ich ihr

Wer auch immer sie war
ich mochte sie sofort

Ich fiel hin
& mein Herz hörte auf
zu schlagen


Verloren

Ich ?
habe hier nichts verloren

also
kann ich hier auch nichts finden
was mir gehört

warum also
suche ich ?


Die Grenze

Manche Nächte sind so ….
Ich sitze nur da
nur da
nur da

Nichts geschieht

Nirgendwo ist etwas –
In mir : Nichts

Ich müßte etwas tun
Das wäre vielleicht nicht schlecht
Etwas Schlechtes tun
wäre vielleicht gut

Irgend etwas
Irgend etwas
Irgend etwas

Aber nein
dafür reicht es nicht

Die Spinne, die über den Boden läuft
Ich lasse sie leben
heute
Sie fühlt sich gut &
weiß es nicht

Wie ich mich fühle
weiß ich nicht
aber dass man es nicht
gut nennen kann
weiß ich

Es ist egal
Ich habe kein Mitleid mit mir

Ich hätte mehr Mitleid mit
der Spinne
wenn ich mich jetzt aufraffen könnte
sie zu zertreten

Sollte sie mir allerdings
zu nahe kommen

die Grenze überschreiten

Ich würde meine Apathie überwinden

Sie würde meine Apathie überwinden

& es wäre
ihr

Ende


2 Minuten

Mein Leben ist ein anderes
jetzt
gerade jetzt

anders als gestern

anders als
in 2 Minuten

Ich rede mir ein
es sei dasselbe

& glaube es mir
manchmal

Nein
nicht manchmal
ich glaube es mir
oft

zu oft

Scheiss auf
meinen Glauben

Ich will mir
mißtrauen

in 2 Minuten
ist wieder alles

anders


Feuer !

Nichts zurückhalten
Alles zugeben
Keine Imagepflege
Nichts beschönigen
Allen Dreck rauslassen
Keine Lügen
Nichts vorspiegeln
Keine Schauspielerei

Es ist unmöglich
unmöglich in dem was manche
das ‚wirkliche Leben’ nennen

Man würde verhungern
Sie : würden einen ausstoßen

Es sei denn
da wäre
wenig zurückzuhalten
wenig zuzugeben
wenig zu beschönigen
wenig vorzuspiegeln

Vielleicht gibt es solche
nennen wir sie ‚Menschen
Ich kenne sie nicht &
ich will sie auch nicht kennen

Verwelkte Schauspieler!

Vielleicht ist es nicht ganz unmöglich in der
nennen wir sie ‚Literatur
Aber selbst da habe ich meine
Zweifel

Vielleicht weiß man nicht einmal selber
was ECHT an einem ist
Wahrscheinlich ist man Schauspieler
ohne es zu ahnen
ziemlich sicher sogar

Aber wenigstens sollte man
sich Mühe geben
mit den kleinen Splittern der
nennen wir sie’Wahrheit
die man irgendwo in
irgendwelchen verstörenden Momenten
der Bewußtwerdung gefunden hat
wahllos um sich zu schießen

Amoklauf des Bewußtseins …..

Mögen die Splitter in den
Images der glatten Langweiler
stecken bleiben!

Mögen die Wunden sich entzünden!

Sie sollen brennen!
Diese Wunden!

Feuer!


Auf nüchternen Magen nach 6 doppelten Manhattans – etwas, das ich nüchtern löschen werde

Cool nach außen
abweisend & schön

Beschimpfungen
die auch ich von mir gegeben habe
vor langer Zeit

Eine kleine Unsicherheit im Blick
die vielleicht nur ich sehe

Nein
alle müssen sie sehen
niemand darf so blind sein

Manchmal denke ich
dass ich andere besser kenne als mich

Ihre Angst
die meine war
& ist

Aber auch das ist nur eine
Illusion

Niemand kennt
jemanden

Und ich
kenne mich selbst
nicht


Wörter

Bestimmte Wörter zu benutzen
hasse ich
Manchmal muss ich es tun
damit andere Menschen
ungefähr
erahnen können
was ich meine

Es sind Wörter
die jeder anders versteht

Wörter
die überlastet sind durch
Tradition

So gesehen müsste
die Liste dieser Wörter noch
viel länger sein

Aber ich bin inkonsequent

Trotzdem
ich werde diese Wörter hier nicht auflisten

Denn ich hasse es
sie zu benutzen


Worte & Taten

Mit Worten kann ich tun
was ich mit Taten nicht kann
Deshalb liebe ich die Worte
& hasse die Taten


Geheimnisse

Lyrik (ein Wort, das mir peinlich ist)
sollte die Welt sein, wo Wahrheit
die Peinlichkeit überwindet –
Menschen sind peinlich
sich selbst
oft

Geheimnisse
wollen sie behalten
für sich

Aber die anderen
haben
die gleichen Geheimnisse

Geheimnisse
sind nicht
einsam


Endstadium

Ich bin das Endstadium
irgendeiner Krankheit
die ich erfunden habe

Man findet sie in keinem
Lehrbuch für Medizin

Die Heilung ist
ungewiss

Die ÜberlebensChance
minimal

Hoffnung
gibt es


Hinterlistige Träume

Träume können so hinterlistig sein
43 Mal hatte ich geträumt, dass ich
mir selber einen blasen kann

Irgendwann glaubte ich mir
im Traum selber nicht mehr

Dann träumte ich:
bisher war alles nur Traum gewesen……
Verdammt, jetzt ist es Realität
Wie geil!!!

Es klappt!
In der Wirklichkeit!
Ich bin wach!

Dann wachte ich auf
& es war wieder
nur ein Traum
gewesen

ohne Befriedigung


Ende & Anfang

Wo ihr aufhört
fange ich an

Euer Ende ist schön
mein Anfang
kann hässllich sein

Mein Ende
ist euer Anfang


Das alte Klavier

Wer auf mir spielt
bekommt Dissonanzen
Ich bin verstimmt

Man hat mich abgestellt
in Kälte
in Feuchtigkeit

Schimmel wuchert auf mir
Melodien klingen auf mir anders
als sie klingen sollten

Man braucht ein besonderes
Gehör
um sie schön zu finden


Der Fehler

Wenn alle rufen: Weiter!
höre ich auf

Wenn alle rufen: Hör auf!
gehe ich weiter

Immerhin: das bedeutet
: ich höre

Ein Fehler
den ich zu korrigieren gedenke


Der Plastikrabe

Mein Rabe ist aus Plastik
über Ebay gekauft
Er ist stumm
Kein Nevermore kommt
aus seinem Fabrikmund

Ich höre es dennoch
: Nimmermehr

Aus weiter Ferne betrachtet
sieht er fast echt aus

Aus weiter Ferne betrachtet
sieht mein Leben
fast echt aus

Der Rabe ist aus Plastik
geschaffen um Vögel zu vertreiben
Vögel die lebendig sind &
den Morgen ankündigen

Der Rabe ist stumm
doch wer Fantasie hat
hört Plastik sprechen