Archiv der Kategorie: Gedichte/Texte

Ein Glückspilz

Hätte ich ein Fahrrad,
wäre seine Kette gerissen.
Hätte ich eine Tiefkühltruhe,
wäre sie warm.
Hätte ich eine elektrische Pfeffermühle,
wäre Sand darin.
Hätte ich eine Filmkamera,
könnte sie nur in Zeitlupe filmen.
Hätte ich einen Whirlpool,
wäre das Wasser ohne Blasen.
Hätte ich eine Brotschneidemaschine,
wäre sie stumpf.
Hätte ich einen Wäschetrockner,
würde er die Wäsche befeuchten.
Hätte ich einen Luftbefeuchter,
würde er die Luft trocknen.
Hätte ich einen Flachbildfernseher,
würde er zunehmen.
Hätte ich ein Wasserbett,
wäre Eis darin.
Hätte ich eine Dampfmaschine,
wäre sie ohne Dampf.
Hätte ich ein Mikroskop,
wäre es ein Makroskop.
Hätte ich eine Frau,
wäre sie ein Mann.
Hätte ich einen Stein,
wäre es ein Herz.

Aber ich bin ein Glückspilz –
weil ich all das
nicht
habe.


Die Sicherheit der Rattenfalle

Wer sichergehen will, sollte
für Mäuse
Rattenfallen benutzen.

Aber es ist nicht immer
ein schöner Anblick,
wenn man sicher geht.


Alle 3

„Ich habe Hunger“, sagte ich.
„Hunger?“ sagte sie.
„Ja“, sagte ich, „ich will eine riesige Pizza,
voll von Knoblauch, Zwiebeln & Chilis.“
„Dann solltest Du eine essen“, sagte sie.
„Ja“, sagte ich, „aber lieber als diese Pizza
wäre mir Deine Muschi. Und
lieber als Deine Muschi –
Dein Herz.“
„Dann“, sagte sie,
„solltest Du alle 3 haben.“ – –
Und sie sagte:
„Was mich angeht,
hast Du
alle 3.“

Und ich dachte:
Ich hab sie nicht mehr alle.


Wir Luschen

Wir Luschen
veröffentlichen Sätze, die
die Großen nicht einmal in ihren
Papierkorb geschmissen hätten.

Sie hätten sie mit
Benzin übergossen,
angezündet – &
als Asche
ins Klo gekippt.


Ganz einfach.

Worauf man verzichten könnte:

Lesen
Rasenmähen
Staubwischen
Unterhaltung
Autowäsche
Tapeten
Sex
Fernsehen
Musik
Alkohol
Post
Mitmenschen
WC-Reiniger
Träume
Kalender
Fernbedienungen
Schaufensterpuppen
Fliegennetze
Rasierklingen
Marmelade
Grabsteine
Kameras
Brotschneidemaschinen
Thermometer
Gedanken
Brillen
Schnellkochtöpfe
Kerzen
Fotoalben
Pralinenschachteln
Gefallen wollen

Worauf man nicht verzichten kann:

Schlafen
Atmen
Essen
Trinken
Scheissen
Pissen

Im Grunde ist das Leben
ganz einfach.


Sie scheißen auf das Urheberrecht

Die Phantasie erschuf
Himmel & Hölle.

Die Realität
schrieb von ihr ab.

Oder war es umgekehrt?

Egal …..

Egal ………

Denn beide
kümmern sich einen Scheiß
um das Urheberrecht.


Vertrauen

Sag mir,
dass Du schläfst –

Und ich werde Dir
glauben.


Wozu Du fähig bist

Und dann wünscht Du Dir – einmal mehr -,
fähig zu sein, etwas anderes zu suchen als das,
was Du immer schon gesucht hast –
denn Du hast immer gefunden, was Dir
weh tut – –
Aber Du kannst nichts anderes suchen
& nichts anderes finden – als das,
wozu Du fähig bist.


Philosophen mit Toupet

Ich verachte Philosophen, die
ein Toupet tragen.
Was könnte ich von ihnen lernen?
Ich werde darüber nachdenken.
Werde ich sie anschließend immer noch verachten?
Ich hoffe es.

Aber ich weiss es nicht.


Die Wohnung meiner toten Großmutter

Ich möchte der Tisch sein, auf dem Du
tanzt –
nackt;
der Mond, der Dich blass bescheint –
dabei;
der Eimer, in den Du brichst –
danach;
die Decke, die Dich wärmt –
wenn Du unseren Rausch ausschläfst;

denn ich bin so voller
Kitsch

so voller Kitsch

wie die Wohnung meiner
toten Großmutter.


Reaktion & Deutung & Reaktion

Da ist dieser Mensch, den
zu berühren sich niemand mehr traut.
Denn wenn es doch einmal geschieht,
spürt man ein ganz leichtes Zucken, dass
durch seinen Körper geht ….
Schon die Andeutung einer Berührung
lässt ihn reagieren – fast unmerklich.
Und doch merkt es jeder; und jeder
deutet, was er merkt & spürt.
Und deutet es als:
Unbehagen.

Dabei ist es nur die
Einsamkeit,
die in diesem Menschen zuckt & reagiert;
die Jahre ohne Berührung,
die Gewohnheit der Distanz.
Die Sehnsucht, die sich erschreckt.

Und weil ihn niemand mehr berühren will,
wird seine Reaktion immer heftiger;
die Sehnsucht größer; die
Einsamkeit stärker.
Und da ist kein Ausweg,
kein Fluchtweg,
keine Brücke –

Nichts, was ihn fort führt,
weg von den falschen Reaktionen,
weg von den falschen Deutungen.


So cool

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie die Müllmänner, die ich als Kind beobachtete,
auf ihren Plattförmchen, hinten am Müllwagen

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie der Gin in meinem
Tiefkühlfach

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie der Spiegel im ungeheizten Badezimmer
der meine Visage reflektiert

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie Deine Antworten
auf meine Fragen

Ich bin so cool
so cool cool cool
wie die leere Ginflasche im Mülleimer

Die Flasche, die meine Visage reflektiert –
bevor die Müllmänner sie holen –
die Flasche, die leer ist & cool

wie Deine Worte


Deine einsamen Nerven

Während Du
über Deine Einsamkeit
weinst

lache ich
über meine
Einsamkeit

& mein Gelächter
geht Dir
auf Deine einsamen Nerven


Der Bestseller auf dem Kopf

Sie war gerade doppelt so alt wie
der Whisky, den ich trank. Ich
war 37 Jahre älter als der Whisky.
In einem Pub in London.
Nach dem Essen, nach dem Quatschen
nahm sie ein Buch aus ihrem Rucksack &
begann darin zu lesen,
neben den leergegessenen Tellern,
neben den leergetrunkenen Gläsern.
Es war ein Bestseller.
Einige Seiten las ich mit ihr;
auf dem Kopf (denn sie
saß mir gegenüber). Dann:
verlor ich das Interesse – an dem
Text. Mieser Stil. – Ich
ließ sie dort sitzen, für
1 oder 2 Stunden,
in ihren Shorts, mit ihrem
Bestseller –
& ich ging auf die Suche –
nach Antiquariaten –
& alten Büchern.


Der Fliegenfänger

Mein Gedächtnis ist ein klebriger Fliegenfänger.
Manche Erinnerungen sind tot, aber sie haften –
Andere summen noch – in Agonie.
Die meisten sind ununterscheidbare Stubenfliegen,
schwarz auf dem bunten Papier.
Doch hin & wieder sticht
eine Schmeissfliege hervor aus der dunklen Masse,
grünlich/bläulich-schimmernd – größer als
alle anderen –
& lauter summend,
während sie stirbt.


Scheiss drauf!

Komm, mein BeTäubchen, ich
liege am Boden –
fliege kurz über mich hinweg &
scheisse auf mein Herz!
Taub soll es werden.
Denn dann
werden meine Ohren taub für Deine Stimme;
werden meine Augen blind für Deinen Blick.
Scheiss auf mein Herz &
fliege weiter. Denn
wehe Dir, wenn Du
in meiner Nähe
landest!


Versuch’s nur!

Versuch’s nur!
Versuche zu verbergen, was Du
nicht schön an Dir findest – & was Dich
unsicher macht.

Halte die Hand vor Deine Verletzlichkeit;
wende Dich ab & verstecke Dich ….
Es wird Dir nichts nützen.
Nicht, solange ich mit geschlossenen Augen
sehen kann.

Du möchtest Deine Schokoladenseite zeigen?
Ich habe die Schnauze voll von Süßigkeiten!

Was Du nicht schön an Dir findest,
hat wohl mehr zu Deinem Wesen beigetragen
als alles andere.

Und Dein Wesen kannst Du nicht verstecken.
Versuch’s nur!

Es wird Dir nichts nützen.


Wie ein Wolf

Ein alter abgerichteter Hund.
Abgerichtet,
die Einsamkeit aufzuspüren,
die Traurigkeit,
die Unsicherheit,
den Selbsthass,
die Unzufriedenheit,
die Sehnsucht,
die Verzweiflung

Nichts sonst
nimmt er wirklich wahr;
alles andere lässt er links & rechts
liegen. Nichts sonst
interessiert ihn.
Blöde & abgerichtet.

Und wenn er aufgespürt hat,
wedelt er nicht mit dem Schwanz &
bellt, freudig erregt …..

Nein –
er heult wie ein Wolf
heult wie ein Wolf
heult wie ein Wolf

der sich selber erkennt –

immer wieder


… als hättest Du …

Wenn Deine Stimme so gleichgültig klingt, so
traurig, dass die Trauer vor ihr erschrecken würde,
möchte ich die Traurigkeit aus Dir
herausdrücken
herauslecken
herausstreicheln
herausficken
herausküssen

Denn es ist erschreckend, wenn Deine Stimme
so traurig klingt, als hättest Du
mein Leben gelebt.


Der Radiergummi

Ich trage ihn mit mir herum,
tief vergraben in der Hosentasche:
den alten Radiergummi –
oder was von ihm übrig geblieben ist;

meine früheren Fehler haben ihn klein gemacht,
meine neuesten Fehler haben ihn verdreckt.

Worte, die ich ungeschehen machen wollte,
Linien, die ich hässlich fand.

Ich trage ihn mit mir herum,
um mich zu erinnern –
an falsche Entscheidungen,
oder an das, was ich dafür hielt.

Nicht mehr lange,
und er wird zu klein sein für
meine weiteren Fehler.

Aber Fehler werde ich weiterhin machen.
Und ich werde ihn ersetzen müssen,
den alten Radiergummi,
tief vergraben
in meiner Hosentasche.


Die Uhr

Sei nicht der Schmerz, der vorübergeht –
Sei nicht das Glück, das vorübergeht –
Sei nicht das Lächeln, das vorübergeht –

Sie die Uhr, die
stehen bleibt!

Lautlos
in meiner Nähe.

Damit ich die Zeit
vergesse.


Denn man weiss ja

Noch bevor die Einsamkeit in
Zweisamkeit endet,
versuche ich,
mich an die Einsamkeit zu gewöhnen,
die nach der Zweisamkeit kommen wird.

Denn man weiss ja
nicht
nie.


Unsinn

Ich hoffe, Dein Schweigen
bedeutet Schlaf –
bedeutet, dass Du Dich über die Entfernung
hinwegträumst

Ich wünschte, auch ich könnte
schlafen –
schlafen & träumen & schweigen –

Da ich es aber nicht kann, laufe ich
durch die Räume & suche etwas, das ich
verloren habe –

Ich weiß, dass ich es hier nicht
werde finden können, aber
irgend etwas Unsinniges muss ich jetzt tun

Wärst Du hier, könntest Du
mir suchen helfen –
das wäre noch unsinniger; da Du
weißt, wo es ist –

Du weißt es – –
& Du sollst es
behalten

egal ob Du schläfst
träumst
schweigst

oder
wach bist


Markierungen

Die Jahre messe ich mittlerweile in Toden.
Hat SIE das noch miterlebt?
War ER schon tot, als dies geschah?
Nackte Zahlen begreife ich nicht wirklich;
die Zeiträume, die sie umschreiben,
erfasse ich nicht.
Aber die Tode machen mir die Zeit
begreifbar.
Markierungen aus Leichen.
Grabsteine.

Und dann
endlich
werde auch ich
– für ganz Wenige nur –
eine Markierung
in der Zeit.


Mir doch egal

Mir doch egal, wieviele Cocktails ich hatte –
Mir doch egal, wie besoffen ich bin –
Mir doch egal, dass mir der Schmalz aus dem Hirn sickert –
Mir doch egal, wenn ich mich lächerlich mache –

Mir ist doch alles egal –
fast – – –

Sie hasst Regenschirme …
Ich liebe Regenschirme …

Sie liebt frische Luft …
Ich hasse frische Luft …

Sie mag keine Pferde, mag lieber Esel ….
Ich bin ein Esel, mag aber Pferde ….

Sie verschläft meinen Absturz,
dabei ist sie mein Fallschirm ….

Vielleicht bin ich ihr
zweites Kissen, das sie im Arm hält,
während sie schläft …..

So weit weg
von mir –

Mir doch egal, wenn ich mich lächerlich mache –
Mir doch egal, dass mir der Schmalz aus dem Hirn sickert –

Mir ist doch alles egal –

FAST.


Hier ist

Hier ist der
.

Über den hinaus
es
Nichts
mehr
zu sagen gibt.


Leberwurst vs. Käse

Da hatte man sich viele Stunden lang
mental auf Käse vorbereitet –
so sehr & so lange, dass man nur noch an
Käse denken konnte …..
Dann geht man an den Kühlschrank, und
der Käse ist ein pelziger Smaragd!

Aber die Leberwurst sieht noch ganz gut aus.
Auf den Käse hätte man Senf & Zwiebeln getan.
Also tut man Senf & Zwiebeln auf die Leberwurst –
in doppelter Menge.

Fast schmeckt man nur noch Senf & Zwiebeln.

Man vergisst den Käse, und der Appetit
wird befriedigt
von einer Sinnestäuschung.


Die Bratpfanne

Wahrscheinlich ist sie krebserregend –
die alte Bratpfanne in meiner Küche.
Wenn ja, habe ich sie dazu gemacht,
weil ich sie benutzt; weil ich
auf ihrer Beschichtung herumgekratzt habe.
Viele Verletzungen hat ihre Beschichtung,
sie ist aufgeraut & narbig.
Der Boden der Pfanne ist nicht mehr eben;
die Pfanne wackelt unsicher, wenn ich sie
auf die Herdplatte stelle.
Sollte ich sie deshalb wegschmeissen &
mir eine neue kaufen?
Eine neue kaufen, wie die meisten es wohl
schon vor Jahren getan hätten …..

Menschen können krebserregend sein –
was sie tun, was sie sagen …. es schlägt
einem auf den Magen – & vielleicht
bekommt man Magenkrebs davon – – –
Und wer hat die Menschen
krebserregend gemacht?
Kratzer …. Narben ….
Einerlei!
Man schmeisst sie nicht weg!

Die alte Pfanne ist heiss …..
Was auch immer ich gleich in sie hineintun werde,
es wird mir schmecken.

Ich werde die Gefahren verdrängen.

Denn ich habe Hunger.


Über dieses Thema

Über dieses Thema
gibt es nichts zu sagen &
nichts zu schreiben.

Es ist langweilig,
es ist belanglos.

Banal.

Über dieses Thema
gibt es nichts zu sagen &
nichts zu schreiben.


Das Alte Luder

Ich habe immer ein bisschen Angst, dass jemand
mir meine Einsamkeit verleiden könnte –
denn eigentlich mag ich die Einsamkeit, dies
Alte Luder, ganz gern.
Ich habe mich an sie gewöhnt, und
allzu hässlich ist sie auch nicht –
sie bedeutet mir Ruhe, Verlässlichkeit,
Gleichförmigkeit (die ich schätze) &
Freiheit.
Ich kann mir das Alte Luder schöndenken,
schönreden, schönschreiben, schönsaufen.
Oftmals.
Ich behaupte es zumindest. Mir gegenüber.
Und ich glaube mir.
Oftmals.
Ich habe auch schon Anderes zu dem Thema
geschrieben – & in 10 Minuten werde ich vielleicht
wieder etwas Anderes darüber schreiben.
Denn vielleicht
wird Diejenige, die mir die Einsamkeit verleiden könnte,
in 5 Minuten aufwachen -; vielleicht aber
will ich dann in 10 Minuten gar nicht mehr schreiben.
Und davor habe ich auch ein bisschen Angst.


Fehler

„Das ist mir völlig egal“, sagte sie.
„Stört Dich wirklich nicht?“ sagte ich.
„Doofi“, sagte sie &
küsste die Pickel auf meinem Rücken; und
in meinem Gesicht ….
„Überzeugt?“ fragte sie dann.
Ich grinste. Vermutlich ziemlich blöde.
Ich sagte: „Nur dumm, dass Du
keine Fehler hast, die ich küssen könnte.“
Sie grinste. Überhaupt nicht blöde.
Sie sagte: „Ich finde, mein Hintern ist zu dick.“
„Stimmt“, sagte ich, „eindeutig ein Fehler.“
Schwein gehabt!


Blinker

Wenn man allein auf der Straße fährt,
ist es völlig sinnlos, den Blinker zu setzen.

Niemand will wissen,
wohin man fährt.

Aber die Gewohnheit sitzt tief –
& man blinkt trotzdem.


Die Arktis

Je kälter die Atmosphäre, desto
schöner
ist der Rauch, der aus dem
Schornstein
wölkt ……

Früh morgens,
wenn es kaum hell ist…..

Ich bin nicht so kalt,
wie Du schön bist

Dein Rauch sieht aus,
als hätte ich -20 Grad….

Der Rauch, der
aus Deinem Mund kommt

Es sind Worte, die
schön sind

Vielleicht bin ich doch
die Arktis