Ich bin hier falsch

Irgend jemand drückte mir eine Geige in die Hand;
ich war 12 oder 13. Hatte noch nie eine in der Hand
gehabt. Ich probierte etwas. Jemand sagte:
„Was ist nur mit diesem Jungen los? Man gibt ihm
irgendein Musikinstrument, und sofort kann er
darauf etwas spielen. Und zwar etwas, das richtig
& schön klingt.“
Er schenkte mir
die Geige. Nach ein paar Monaten ging sie
kaputt. Und damit war die Sache für mich
erledigt. (Mein Ehrgeiz war schon damals nicht
besonders ausgeprägt.)
Als ganz-kleines Kind hatte ich ein billiges Keyboard
gehabt; meine Eltern lauschten andächtig meinem
Geklimper, kamen aber nicht auf die Idee, mir
Klavierunterricht zu verpassen. Auch
das Keyboard ging kaputt, und ich
bekam kein neues. Diverse andere Instrumente folgten
stattdessen. – Mit 11 bekam ich eine Gitarre. Und mit 15
sagte ich mir: Verdammt, ich will auch mal etwas
lernen; etwas beigebracht bekommen; etwas, das
ich mir nicht selber beibringen kann…..

In der Zeitung lockte das Inserat eines Musik-
lehrers, der in einer Schule einen Gitarren-Kurs geben wollte.
Ich ging dorthin. Spielte vor. (Malagueña) Er sagte:
„Ich kann dir nichts mehr beibringen; tut mir
leid, du bist hier falsch.“

Er hatte sicherlich recht; er mußte es schließlich
beurteilen können. Wofür war er sonst Lehrer?
Und ich gab den Wunsch auf, mir etwas
beibringen zu lassen. – Und zwar:
in allen Bereichen des Lebens.

Immerhin – das alles hatte mich etwas gelehrt:
1.) Das, worauf es wirklich ankommt,
bringt einem keiner bei; will oder kann einem
niemand beibringen.
2.) Es bringt einem nichts, wenn etwas richtig & schön klingt.

Und

3.) – – – Ich bin hier falsch.


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