Tagesarchiv: 5. August 2011

Der verkaufte Tod

Schon als Kind bist Du
vom Tod umgeben
Aber man verkauft ihn Dir
als Freiheit

„Dein Hamster? Er ist
entlaufen; die Wohnung war ihm
zu eng. Jetzt läuft er durch die
Welt & er freut sich.“

„Dein Fisch?
Das Aquarium war so klein….
Wir haben ihn im See
ausgesetzt. Er schwamm so
glücklich davon.“

„Dein Vogel?
Ach, sieh Dir doch den Käfig an.
Wärst Du froh, hinter Gitterstäben zu leben?
Der Piepmatz flog durch Türchen & Fenster
in den blauen Himmel.“

Ahhhh!
Alles atmet tief die Freiheit

Und dann –
Du bist immer noch Kind &
wirst es vielleicht immer bleiben –
Siehst Du das
was einst geliebter Mensch war

Du riechst die Chemie des Todes
Du siehst die Enge
die übrig bleibt
Den zugebundenen Kiefer

Das Nichts ist kein Aquarium
Das Aquarium ist ein Universum verglichen
mit dem Nichts

(hattest Du eines Morgens Blutschleier hinter dem Glas
entdeckt?)

Gitterstäbe
sind der Schmuck
den man dem Leben anlegt
solange es lebt

Wohnungen
sind so eng oder weit
wie Dein Geist ist

Dein Geist

solange

er

lebt


So oder so

Wahlloser Griff in die Küchenschublade
Ich brauche ein Messer
Etwas will geschnitten werden
& wenn es nicht will oder wollen kann
werde ich es trotzdem schneiden
Das Messer das ich erwischt habe
durch Zufallsgriff
Ist es scharf oder stumpf?
Ich werde es merken wenn ich
es benutze

Irgendein Tag
wahllos aus dem Kalender gegriffen
Etwas will verstanden werden
& wenn es nicht will oder wollen kann
werde ich es trotzdem verstehen
In welcher Verfassung ist mein Verstand
heute an diesem Zufallstag: stumpf oder scharf?
Ich werde es merken wenn ich
ihn benutze

Ich werde schneiden
Ich werde verstehen

Wie leicht oder schwer
es werden wird
ist
gleichgültig