Tagesarchiv: 7. Mai 2012

Der Müllsack am Straßenrand

Immer wenn ich
an einem Müllsack vorbeifahre
der irgendwo hingeworfen wurde
wo er nicht hingehört
bin ich
mir sicher
dass wirklich nur
Müll
darin ist

Obwohl ich
an
Leichenteile
denke

Denn
Aufregendes
passiert
immer nur
im Leben
der
Anderen.


Timex®

Die erste Armbanduhr, die ich
geschenkt bekam
als kleines Kind, war eine
Timex, die
noch kleiner war als ich.
Ein winziges Ührchen mit weißem Zifferblatt
& schwarzem Armband.
(War es eine Damenuhr? Ich weiß es nicht.)
Ich lernte es, mir diese Fessel selber anzulegen,
bewunderte die Schnalle
& liebte das Ticken.
»Wie spät ist es«, fragten mich
die Erwachsenen. Lächelnd.
Und ich antwortete, denn ich hatte es gelernt,
die Zeiger & Striche
miteinander in Verbindung zu bringen &
zu lesen.
Ich war stolz.
Bewahrte das sargähnliche Etui auf
in meinem Nachttisch.
Und jeden Tag drehte ich an dem Rädchen, um
die Uhr aufzuziehen.
Die Zeit hatte mich.
Ich sah & hörte sie
vergehen.
Und als ich
als Erwachsener
alle meine Armbanduhren
wegwarf
war es
zu spät.


Der Friedhof der Hände

Als ich ein Kind war, erzählte man mir:
Wenn ein Toter begraben wird, der in seiner
Kindheit böse war – vor allem zu seinen Eltern -,
dann wächst nach einiger Zeit
eine seiner Hände
aus dem Grab heraus …..

Als Mahnmal
für alle Nachkommenden.

Und in der Finsternis meines Zimmers,
in meinem Bett liegend,
stellte ich mir vor, wie ich
in einer Mondnacht
über einen Friedhof ging ….
Und aus fast allen Gräbern
ragten diese Hände –
in unterschiedlichen Stadien der
Verwesung.
Faulig glitzernd im fahlen Licht.

Viele
viele
Hände

Und es war nicht so sehr Furcht,
was ich fühlte. Denn
ich wusste, ich
gehörte zu ihnen.
Und ich wusste, dass sie es wussten.
Auch meine Hand würde
aus dem Grab wachsen;
auch ich würde
bewegungslos winken.
Und es hatte etwas
Beruhigendes,
nicht allein zu sein.

Es hatte etwas Beruhigendes,
zu den Bösen zu gehören.