Tagesarchiv: 21. August 2014

Ungleiche Verhältnisse

Ich fuhr nach Hause. Weg
von einer Frau. Auf einem
Schild an der Autobahn las
ich den Namen eines Ortes,
in dem ich nie gewesen war.
Dort lebte eine andere
Frau. Diese andere Frau
war zu mir gekommen. Immer
wieder. In der Vergangenheit. Nie
hatte ich sie
besucht. Sie war mehr
in meinem Leben gewesen
als ich in ihrem. Die Frau,
von der ich wegfuhr, blieb aus
schließlich bei sich. In der
Gegenwart. Sie
kannte mein Haus nicht. Und
würde es nie kennenlernen.
In der Zukunft.
Es waren ungleiche
Verhältnisse. Irgend
Jemand war immer
nirgendwo gewesen, und
irgendwo war immer Jemand
nicht. Wir
trafen uns niemals
im Gegenseitigen, doch
die Andere nahm ich
in mir mit zur Einen, und
die Eine nahm ich in mir
mit zu mir nach Hause, und
in der Wohnung der Anderen
war meine Phantasie
stets ein ungesehener Gast. Alles
blieb in mir. Ich las den Namen
auf dem Schild & war versucht
die Ausfahrt zu nehmen. Aber
vermutlich hätte ich mich verfahren.
Ich wäre am Ende
angekommen an einem Ort –
wo uns niemand kannte. In dieser Gegend
hätte ich mehr zu suchen
gehabt als irgendwo sonst. Doch
ich fuhr weiter. Auf meinem Weg. Dorthin
wo Viele Weitere niemals
gewesen waren. Nach
Hause.


Wie eine Antwort

»Das Leben«, sagte er. Es
klang wie eine Antwort.

Zu spät
war ich vorüber gegangen
an ihm & an ihr. So

hatte ich die Frage
nicht hören können,
die sie vielleicht gestellt hatte.

Dass ich noch immer unterwegs war,
hatte einen banalen Grund. Sinn
los – darüber zu reden. Ich

wollte nur noch
nach Hause. Über
all war es mir zu hell. Es war

nicht meine Zeit.

Schließlich schien die Sonne, und
eine Krähe landete
auf ihrem Schatten. Punkt

Landung eines Symbols.
Zumindest hätte man sie dafür
halten können. Der Mann

& die Frau erschienen
mir jung. Vielleicht hatten sie
einen besseren Grund, unterwegs

zu sein. Einen triftigeren als der Passant,
der ich war. Und falls sie glücklich waren,
bemerkten sie mich nicht. ›Das Leben‹ – wo

möglich gab es gar keine Frage, womöglich
war es gar keine Antwort gewesen. Nur das Bruch
Stück einer bedeutungslosen Unterhaltung. Nur

das Ende

eines Satzes. Eines Satzes, der bei
nahe Nichts

Aus
sagte.