Peinliche Momente

Dieses Gesicht – – –
ich grübelte, während ich
die Fertiggerichte & die Flaschen
auf das schwarze Laufband legte.
Woher kannte ich es?
Ich war leicht betrunken,
meine Erinnerung unsicher.
Dann fiel es mir ein.
Das Laufband –
es bewegte sich ruckartig, so dass
meine Flaschen
laut aneinander klirrten.
Sie scannte die Einkäufe des
Kunden vor mir;
kassierte ihn ab, wünschte ihm
einen schönen Tag.
Der Kunde vor mir ging;
sie sagte:
»Guten Morgen« zu mir, ohne
mir ins Gesicht zu sehen.
»Morgen«, sagte ich
(ich schaute auf ihr Namensschild –
ja, sie war’s).
»Kennst Du mich noch?«
Sie blickte auf.
Ihr Gesicht
hatte den schüchternen Ausdruck
von früher. Ich las keinerlei
Überraschung darin.
»Natürlich«, sagte sie.
Sie scannte meine Einkäufe.
Die Fertiggerichte,
die Flaschen.
Es war mir peinlich.
Es war ihr peinlich.
Mir waren meine Einkäufe peinlich.
Ihr war es peinlich,
meine Einkäufe zu scannen –
& hinter der Kasse zu sitzen.
Wir flüchteten uns
in Smalltalk.
Der Job,
die Vergangenheit.
Kurz nur.
Ganz kurz.
Dann wünschte sie mir
einen schönen Tag;
wie jedem Kunden.
Und ich wünschte ihr
einen schönen Tag;
wie jeder Kassiererin.
Und die Flaschen klirrten
in meinem Einkaufswagen
noch lauter als sonst,
denn ich bewegte ihn
noch schneller als sonst
zum Ausgang.


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