Tagesarchiv: 27. Dezember 2011

Zwiebeln

Wenn man eine Zwiebel schält, weiss man wenigstens,
was einen erwartet.
Wenn man eine Zwiebel isst, weiss man wenigstens,
was einen erwartet.
Wenn man eine Zwiebel verdaut hat, weiss man wenigstens,
was einen erwartet.

Ich finde Zwiebeln schön, und ich finde schön,
zu wissen, was einen erwartet.

Aber manchmal
finde ich auch anderes
schön.

Und manchmal
erwartet einen woanders
genau das,
was man von Zwiebeln
erwartet.


2 Friedhöfe

Hinter meinem Haus gibt es einen Friedhof
Dort liegen begraben die
Das hätte ich niemals tun sollen

Es ist ein kleiner Friedhof
sehr überschaubar
& die Kreuze & Steine stehen alle
gerade –
sie sind
intakt
aufrecht
gepflegt

Vor meinem Haus gibt es einen Friedhof
Dort liegen begraben die
Ach, hätte ich es doch getan

Es ist ein großer Friedhof
sehr unübersichtlich
& die Kreuze & Steine stehen alle
schief –
sie sind
kaputt
verrottet
von Unkraut überwuchert

Meistens
schaue ich aus dem Fenster
das nach
vorne
weist


Egal

Im nachhinein glaubt man ihn zu kennen –
den Moment, in dem man am besten
gestorben wäre.
Zu spät.
Der Moment ist weg.
Man lebt einfach weiter.
Man schläft, isst, trinkt & sucht
nach Momenten, die diesem ähneln könnten.
Aber alles, was sich ähnelt,
bleibt trotzdem
einzigartig.
Nur dieser Moment wäre wirklich
der beste gewesen – glaubt man.
Und wahrscheinlich hat man sogar recht.
Was soll’s.
Lebt man eben noch ein bisschen weiter &
stirbt zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Ist ja letztlich auch
egal.