Tagesarchiv: 21. Dezember 2011

Deshalb lächeln Zwerge

Solange der Riese
ein größeres Herz hat als
der Zwerg

Wird der Zwerg
immer
gewinnen

Deshalb lächeln Zwerge –
meistens


Das Wrack

Ich schaute mir das Foto sehr genau an –
& atmete tief durch …..
mehrmals …..
Was von dem Auto übrig geblieben war,
war bedeckt von einer Schlammkruste;
die Motorhaube unsauber gefaltet auf der
Windschutzscheibe; die Frontpartie dort,
wo die Motorhaube gewesen war ….
Wie ein höhnisch grinsendes Maul war
vorne alles offen. Die Stoßstange war die
sarkastische Oberlippe. Das Dach war eingedrückt,
aber nicht zu sehr. Glas war gesplittert.
Gesplittert wie ihre Erinnerung.
Es war der Wagen ihres Großvaters, und sie
hatte allein darin gesessen – & konnte sich
an den Unfall & wie es dazu gekommen war,
nicht mehr erinnern. („Retrograde Amnesie“,
sagte ich – Klugscheisser, der ich bin.)
Es war 2 oder 3 Jahre bevor wir uns kennenlernten
passiert; das Geschwafel von ‚Schutzengeln’ hatte sie
in dieser Zeit wohl bis zum Erbrechen oft gehört.
Denn es war ihr wenig passiert – ein bisschen Glas
in der Haut; Blutergüsse, Schrammen.
Angst.
Sie war nicht die erste junge Frau, die ich kannte,
die einen Autounfall dieser Schwere gehabt hatte –
aber die erste, die ihn überlebte hatte.
Ich atmete tief durch.
Mehrmals.
Ich hätte sie nicht nur nicht kennengelernt –
ICH HÄTTE VON IHRER EXISTENZ NICHT EINMAL
ETWAS GEAHNT. – – –
Und was tat ich damals? Zur Zeit des Unfalls? —
Was schon? – : Meine Gesundheit mit Füssen treten.
Mich selbst zerstören.
Mich überschlagen wie ein Auto, das
eine Böschung herabstürzt.
Gläser zerschlagen. Bis sie
splittern
splittern
splittern.
Und in niemandes Haut landen –
außer meiner eigenen.
Und wäre ich erfolgreich gewesen, hätte auch sie
nichts von meiner Existenz geahnt.
Doch auch ich habe Schutzengel.
Oder hatte sie bisher.
Und der Sarkasmus vergeht mir, wenn
ich ihre Oberlippe betrachte.
Und ich atme tief durch.
Nochmals.
Und grinse.


Erkältung

Manchmal habe ich es so eilig,
aus einem fremden Gebäude herauszukommen,
dass ich nicht mal den Reissverschluss der
Lederjacke schließe; ich wickle mir den Schal
irgendwie locker um den Hals, werfe
irgendwie die Jacke um mich &
stürze zur Tür hinaus.
Draußen mag es stürmisch sein, kalt &
nass. Ich friere. Ich halte die Jacke zu &
gehe so schnell ich kann.
Auch draußen will ich sie nicht schließen,
denn ich habe es eilig.
Möglich, dass ich mich erkälte,
möglich, dass ich Fieber bekommen werde.
Möglich, dass ich über meine Unvernunft
lachen werde.
Später.
Was soll’s.
Manchmal kann ich das Geschwafel in
fremden Gebäuden einfach nicht ertragen;
und die Menschen sind mir zu viel.
Da laufe ich lieber durch Schnee & Eis &
Wind – mit offener Jacke &
kaltem Hals.