Tagesarchiv: 15. Dezember 2011

Die Wohnung meiner toten Großmutter

Ich möchte der Tisch sein, auf dem Du
tanzt –
nackt;
der Mond, der Dich blass bescheint –
dabei;
der Eimer, in den Du brichst –
danach;
die Decke, die Dich wärmt –
wenn Du unseren Rausch ausschläfst;

denn ich bin so voller
Kitsch

so voller Kitsch

wie die Wohnung meiner
toten Großmutter.


Reaktion & Deutung & Reaktion

Da ist dieser Mensch, den
zu berühren sich niemand mehr traut.
Denn wenn es doch einmal geschieht,
spürt man ein ganz leichtes Zucken, dass
durch seinen Körper geht ….
Schon die Andeutung einer Berührung
lässt ihn reagieren – fast unmerklich.
Und doch merkt es jeder; und jeder
deutet, was er merkt & spürt.
Und deutet es als:
Unbehagen.

Dabei ist es nur die
Einsamkeit,
die in diesem Menschen zuckt & reagiert;
die Jahre ohne Berührung,
die Gewohnheit der Distanz.
Die Sehnsucht, die sich erschreckt.

Und weil ihn niemand mehr berühren will,
wird seine Reaktion immer heftiger;
die Sehnsucht größer; die
Einsamkeit stärker.
Und da ist kein Ausweg,
kein Fluchtweg,
keine Brücke –

Nichts, was ihn fort führt,
weg von den falschen Reaktionen,
weg von den falschen Deutungen.