Archiv der Kategorie: Gedichte/Texte
Statt Aspirin +C trinke ich
Cointreau, in dem sich der Vollmond spiegelt
Sitze auf den Stufen vor der Haustür
Selbst der fremde Hund, der mich tagsüber immer wieder
weckt, ist still & schläft
Dann : Absätze.
Es ist nicht der Igel, der vor mir durch das Gras raschelt &
mir so ähnlich sieht.
Eine junge Frau durchquert den Laternenschein.
Ich schaue ihr hinterher. Sie ist
in dem Alter, das ich nicht vergessen kann.
In dem Alter, das mich vergessen hat.
Ich trinke stumm. Brennendsüßes Licht.
Sie entfernt sich. Sie ist ein Metronom.
Musik, die nur noch in meinem Kopf klingt.
So alt. Tick.
Älter als ich. Tack.
Eine Melodie, die ich
…Tick…
nicht vergessen kann.
Sie ist Damals. Tack. Sie ist –
Du.
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Ich werfe mein Leben auf den Boden.
Es splittert. Ich hole ein Blatt Papier,
fege einige Splitter darauf; undurchsichtige,
klare, scharfe, glatte. Auf anderen kaue ich herum,
bis mir die Fresse blutet. Ich
sabbere das Blut aufs Papier.
Dann lege ich das Blatt neben die
Schreibmaschine.
Ich brauche es nur noch abzutippen.
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Liest die Kassiererin in meinen Einkäufen?
Ich kaufe nur 1 Zahnbürste.
1 Brot, 3 Tomaten.
4 Flaschen Schnaps, 5 Flaschen Rotwein.
Zigarren.
Was liest sie?
Wenn die Flaschen auf dem Laufband
aneinanderstoßen, ist mir das peinlich.
Immer wenn wir uns sehen, kommt
ihr diese Hausbar entgegen.
Liest sie?
Ach Quatsch! ich nehme mich zu
wichtig.
Sie hat anderes zu tun; Tausende
wie ich begegnen ihr. –
Und doch …..
manchmal, einen kurzen Blick ihrer
Augen lang, denke ich,
sie weiß.
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Alles was schiefgeht, taufe ich Absicht.
Alles Unglück habe ich schon irgendwo gelesen – –
Der Albtraum schönt das Erwachen.
Der Tod hat schon die meisten geholt.
Der Schlaf der Vernunft gebiert Liebe.
Krankheit weckt Kräfte.
Die schönsten Tiere bevölkern die Dunkelheit.
Schläge fördern die Durchblutung.
Hass ist ein Gefühl.
Schmerz weckt auf.
Scheisse bedeutet Erleichterung.
Alleinsamkeit denkt.
Fieber malt Träume.
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Und wieder verliebe ich mich in die
Unbekannte –
nie gesehen, nie gehört – nur
gelesen – – –
hoffe, dass sie Kinskis Bücher auf dem
Nachttisch hat – & den Faust im Herzen trägt
komponiere Lieder für sie,
werfe Reime auf den Müll, weil
Kunst ihr nicht gerecht wird –
zeichne sie dennoch –
mit Blut
& sage mir :
das ist die Einsamkeit –
das ist nicht die
Realität – – –
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Meine 1033ste Wiedergabeliste erstellt –
für jede Gelegenheit eine :
Musik für die Badewanne
Musik zur Entspannung
Musik zum Verrücktwerden
Musik für den Vertreterbesuch
Musik zum Kochen
Musik zum Saufen
Musik zum Weinen
Musik zum Schweigen
Musik zum Bügeln
Musik zum Erwachen
Musik zum Einschlafen
Musik zum Müllrausbringen
Musik für den Selbstmord
Musik zum Lachen
Musik zum Lesen (nein, Quatsch, stört nur)
Musik zum Essen
Musik zum Staubwischen
Musik zum tonlosen Fernsehen
Musik zum Nägeleinschlagen
Musik für den Blowjob (nein, Quatsch, stört nur)
Musik zum Musikhören
Musik zur Kontoauszuglektüre
Musik zum Mixen
Musik zum Wichsen
Musik zur Pediküre
Musik zum Kloputzen
Musik zum Haareschneiden
Musik zum Träumen
……………………………
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Gestern abend: es klingelte
an der Haustür. Ich öffnete.
Ein alter Kerl mit stumpfen
Pupillen & abgebrochenen
Zähnen, krummbucklig &
fleckenhäutig, stand dort.
Er trug einen zerfledderten
Strohhut.
„Guten Morgen“, sagte er.
„Es ist Abend“, sagte ich.
„Ach ja?“
„Was wollen Sie?“
„Ich? Nichts.“ Er berührte
die Hutkrempe mit Zeigefinger &
Daumen der linken Hand.
„Originalität“, sagte er.
Ich gab ihm einen Schubs, und
er fiel rückwärts die 4 Stufen
hinunter.
Er blieb liegen.
Stöhnte.
Schmale Blutrinsale sickerten
ihm aus Ohren & Nase. Er
war ein hilfloser
alter Mann.
Ich ging ins Haus zurück,
verschloss die Tür &
setzte mich vor den Fernseher.
Ich fürchte, er
liegt immer noch dort.
* * * *
(Geschrieben 1985)
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…zensiert………………………….
………………….zensiert…..
zensiert……….., zensiert……….;
………….zensiert……..:
zensiert !
……zensiert – ……zensiert?
……….zensiert.
Ich musste das einfach mal loswerden.
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Alkohol auf die Einsamkeit geschüttet
Musik in die Stille gegossen
3 Mal gewichst, um die Sehnsucht zu killen – vergebens
die Flecken aus dem kalten Waschbecken gewischt
Zigarrennebel in die Leere geblasen
Erinnerungen
Schlaf – so lange es geht – mit Dröhnen im Schädel, Schweiß in der Matratze
Träume voller Leben, voller Zärtlichkeit
So läuft mir das Leben von der Spule…..
Bandsalat auf dem Boden
nicht mehr zu entwirren
das Gespeicherte verloren
Müll
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Alles gerät mir zur Sucht
Fressen Saufen Ficken Lesen
Sucht ist alles
weil ich suche
immer suche
suche
ohne zu finden
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Kaleidoskopierende Gedanken aus Schlaflosigkeit,
Ideendonner in der Finsternis. Ich
möchte schlafen, möchte träumen, möchte –
wachbleiben. Möchte den Schlaf hinter mich bringen,
möchte aufstehen & liegenbleiben, aufschreiben ohne
mich zu bewegen. Hirngewitter. Ich drehe mich, Filme drehe ich,
fantastische Neuronenblitze, Begeisterungen,
große Opern, Bilderflüge, fliegende Teppiche aus
Daunen, Stromschnellen & Kurzschlüsse,
sprühende Metaphern in Endlosschleifen;
die Kissenfüllung aus Flügeln gemacht, Pegasus,
blutig von den Sporen dieser verdammten, dieser
geliebten Schlaflosigkeit.
Doch irgendwann wirft mir der Schlaf dann doch noch
ein paar Brocken Bewußtlosigkeit in den Bettelhut –
„Da, nimm!“
Ich schlafe.
Schlafe.
Ideen
vergehen.
Ich wache auf –
müde & blöde & leer
wie immer.
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Er fühlte sich tot
Die Einsamkeit, diese Hyäne, riß
die Vergangenheit in blutigen Fetzen aus
seinem Schädel.
Die Hyäne fraß, die Hyäne lachte
Er wollte sie sich schönsaufen, die
bucklige Bestie
schönsaufen, um
sie dann in den Arsch zu ficken
Ich fick dich, du Vieh
Er brauchte Niemanden
sagte er sich
Ich brauche Niemanden
Ich fick dich
Er fühlte sich tot, aber
er kriegte ihn immer noch hoch
viel zu oft, viel zu oft
Kein Alkohol half dagegen
Komm her,
Einsamkeit, ich
fick
dich
in den Arsch, und dann
spritz ich dir in
die lachende Fresse !
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….der Tod hat sich meinetwegen schon einen Knoten ins Taschentuch gemacht –
ich hoffe, nur dorthin…………..
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Die wenigsten Menschen, mit denen ich telefoniere,
beenden das Gespräch ohne die Formel „…und trink nicht soviel“.
Hallo? Geht’s noch? Das Leben weißer Mäuse hängt von mir ab!
Wie kann man nur so kaltschnäuzig sein.
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Jemand fragt mich etwas, ich antworte:
„Siehe oben“ –
Jemand erzählt mir etwas, ich sage:
„Das hast du mir schon erzählt“ –
Ich erinnere mich, wie ich laufen lernte –
Ich erinnere mich an einen Albtraum im Babybett –
Ich erinnere mich
Ich werde von meinem Gedächtnis erschlagen…..
Sie & ich, wir haben eine gemeinsame Vergangenheit,
aber die Gemeinsamkeit vergeht –
„Weißt du noch?“
Nein, sie weiß nicht mehr.
Und manchmal glaubt sie mir nicht.
Dann erzähle ich ihr von unserem Leben,
zitiere einen Nebensatz aus einer Unterhaltung, die
wir vor 24 Jahren führten.
Manchmal weiß ich nicht, ob ich
mir selbst noch glauben kann.
Ich bade mein Gedächtnis in Schnaps.
Jemand fragt mich etwas.
Siehe oben.
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Die Ideenpistole an meiner Schläfe, eiskalt die Mündung –
ich drücke ab…..
nichts passiert
irgendwo ist noch störende Welt, also
alle Fenster schließen, Rolleaus runterlassen
nur die Ruhe
& dann einsamkeimt ein Gedanke…..
aber auch er bleibt einsam,
dort wo er ist, herrscht Dunkelheit
& dunkel wird es bleiben.
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Einzelhaft…. Dunkelhaft….
Ich kenne die Verbrechen, die dem Gesetz egal sind.
Ich sitze.
Eingebunkert.
Ratten, die Freunde….
Spinnen, die Freunde….
Durst, der nie zu stillen ist.
Blicke, die fehlen.
Der Kuss der Schlange.
Einzelhaft…. Dunkelhaft….
Zweifelhaft….
Die Frage, die ich nicht stelle,
das Wort, das ich nicht sage….
Was habe ich getan?
Zweifel….
Was habe ich nicht getan?
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Lächelaugen, laternenhell, laternenschön.
20jähriges Licht – und ich erinnere mich
im Sommer ihre Zehen gesehen zu haben,
tastend in Sandalen,
träumend von besonnten Sandkörnern,
von salzigem Nachtrauschen;
mondbleiche Nagelbetten, in denen
ich träume…..
schlafe, schlafe…
Ja – wäre mein Hunger bloß doppelt so alt wie
deine Zunge, die so nett zu mir ist….
nett –
nett wie die Hinterbliebenen am Grab des Vergessenen,
ich würde Dir
– vielleicht –
glauben – und
lächeln.
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Der Griff ins Leere
… nach Halt
Der Schrei
…hallt nach
Das Fallen
…aus der Einsamkeit
in die Einsamkeit…
All, Tod
…alle die da fallen
Der Zufall, die Geburt
…der Fall in den Tod
aus der Einsamkeit
…der Schrei
verstummt
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