Archiv der Kategorie: Gedichte/Texte

Geheimnisse

Lyrik (ein Wort, das mir peinlich ist)
sollte die Welt sein, wo Wahrheit
die Peinlichkeit überwindet –
Menschen sind peinlich
sich selbst
oft

Geheimnisse
wollen sie behalten
für sich

Aber die anderen
haben
die gleichen Geheimnisse

Geheimnisse
sind nicht
einsam


Endstadium

Ich bin das Endstadium
irgendeiner Krankheit
die ich erfunden habe

Man findet sie in keinem
Lehrbuch für Medizin

Die Heilung ist
ungewiss

Die ÜberlebensChance
minimal

Hoffnung
gibt es


Hinterlistige Träume

Träume können so hinterlistig sein
43 Mal hatte ich geträumt, dass ich
mir selber einen blasen kann

Irgendwann glaubte ich mir
im Traum selber nicht mehr

Dann träumte ich:
bisher war alles nur Traum gewesen……
Verdammt, jetzt ist es Realität
Wie geil!!!

Es klappt!
In der Wirklichkeit!
Ich bin wach!

Dann wachte ich auf
& es war wieder
nur ein Traum
gewesen

ohne Befriedigung


Ende & Anfang

Wo ihr aufhört
fange ich an

Euer Ende ist schön
mein Anfang
kann hässllich sein

Mein Ende
ist euer Anfang


Das alte Klavier

Wer auf mir spielt
bekommt Dissonanzen
Ich bin verstimmt

Man hat mich abgestellt
in Kälte
in Feuchtigkeit

Schimmel wuchert auf mir
Melodien klingen auf mir anders
als sie klingen sollten

Man braucht ein besonderes
Gehör
um sie schön zu finden


Der Fehler

Wenn alle rufen: Weiter!
höre ich auf

Wenn alle rufen: Hör auf!
gehe ich weiter

Immerhin: das bedeutet
: ich höre

Ein Fehler
den ich zu korrigieren gedenke


Der Plastikrabe

Mein Rabe ist aus Plastik
über Ebay gekauft
Er ist stumm
Kein Nevermore kommt
aus seinem Fabrikmund

Ich höre es dennoch
: Nimmermehr

Aus weiter Ferne betrachtet
sieht er fast echt aus

Aus weiter Ferne betrachtet
sieht mein Leben
fast echt aus

Der Rabe ist aus Plastik
geschaffen um Vögel zu vertreiben
Vögel die lebendig sind &
den Morgen ankündigen

Der Rabe ist stumm
doch wer Fantasie hat
hört Plastik sprechen


Humor

Manchmal
ganz selten
ist Sucht ein Lebensstil
eine Lust & eine Wahl
eine Entscheidung
die einem in die Wiege gelegt wurde
von Menschen die man
liebte & haßte

Sucht ist
dann
etwas
das man sich einredet
& das einem niemand ausreden
kann

Es gibt ein Lächeln in
dieser Sucht
das einen wärmt

Sie zerstört nicht den
Humor
man lacht
man tanzt
man fühlt sich gut

Manchmal
trennt man sich von ihr
für Wochen
für Monate

Man weiß
dass man sich
wieder finden wird

Und dann lacht man mit ihr
beim Wiedersehen &
man lacht mit den Verstehenden
& betrauert die
Anderen


Bahnen

Menschen, die auf Schienen durchs
Leben bewegt werden
Sie sitzen in Zügen
Sie sehen denjenigen, der den
Zug führt
nicht

Jeder Zug kann der letzte sein
Das vergessen sie
oder sie verdrängen es
oder sie haben es nie begriffen

Für sie zählen nur Fahrpläne &
Pünktlichkeit
Ihr Leben verläuft in Bahnen
die andere für sie gebaut haben

Sie wollen an ein Ziel gebracht werden
dass nicht das wirkliche ist
solche Ziele halten sie für wichtig

Das Ziel ist immer der Tod

Diese Menschen wollen mir Ratschläge geben
Sie winken & möchten, dass ich zusteige
an irgendeinem Bahnhof der Lächerlichkeit

Ich tanze neben den Zügen
schlage meine eigenen Räder &
pisse auf die stählernen Nägel
die alles befestigen

Menschen, die auf Schienen durchs
Leben bewegt werden
Sie ahnen nicht, dass
selbst wenn es mir dreckig geht
es mir besser geht als ihnen

Ich kenne den Zugführer
In durchzechten Nächten habe ich
mit ihm gelacht –
gelacht über die Massen
die seine Fahrgäste sind

Sie lauschen den Durchsagen
Sie glauben was sie hören
Sie werden beschwindelt

Mein Schwindel ist der bessere

Ich sehe den Zügen nach
Mein Ziel ist dasselbe
aber mein Weg ist ein
anderer


Bagger

Zuerst hatten sie die alte Frau gegenüber
in ein Heim gesteckt, dann stand
der Container mit ihren Möbeln auf der
Straße

Jetzt werde ich von Baggern wachgehalten
die ihren Garten ausheben
Bäume wurden gefällt
Sie hatte ihren Garten geliebt
Es sind ihre Kinder, habe ich mir sagen lassen

Gut, dass ich keine habe

Zu Feiertagen hatte sie mir
Karten in den Briefkasten geworfen
& Pralinen

Ab irgendeinem Zeitpunkt stand
jeden Morgen ein Wagen der Diakonie
vor ihrem Haus, ihr
wurden die Windeln gewechselt

Jetzt höre ich die Bagger
fluche, kann nicht schlafen
& habe keine Ahnung
ob sie noch lebt


Die Klapsmühle

Bevor sie mich entließen
sagten sie: »Du wirst wiederkommen – alle
kommen sie wieder.« Sie grinsten. Ich grinste.
Sogar der arme Schwachkopf grinste,
den sie jeden Morgen mitten im
Schlafsaal auf seinem Kackstuhl festbanden;
aber der grinste eigentlich meistens,
ohne irgend etwas zu verstehen, besonders
über seine eigenen Fürze grinste er,
breit – & leeren Blickes; er hatte eine Glatze
& hielt beim Scheißen seine
Perücke fest umklammert auf dem Schoß.
»Ich nicht«, sagte ich. »Ich werde eben
der erste sein, der nicht wiederkommt.«
»Wir werden sehen«, sagten sie. Die
Wärter & die anderen Insassen hatten
ihre Zweifel. Ich war mir auch nicht
sicher. Weil ich mir überhaupt nie
sicher bin.

Aber ich behielt recht.
Diese Klapsmühle existiert nicht mehr;
sie wurde geschlossen – wegen
menschenunwürdiger Verhältnisse; es
hatte irgendeine Reform gegeben.
Ich weiß nicht, wo sie alle hinkamen:
die Schwachsinnigen, die Drogenabhängigen,
die Alkoholiker, die Tobsüchtigen (zu denen
hatten sie mich gezählt), die Entmündigten,
die Straffälligen in Sicherheitsverwahrung, die Bettnässer
& all die Insekten, denen die Wärter ständig
mit ihren Sprühdosen hinterher jagten.

Egal, ich war draußen.
Keine Schreie mehr, keine Schlägereien mehr,
keine sabbernden Mäuler, vollgekackten Betten,
keine einarmigen Diabetiker mehr, die
mich um Essen anbettelten, wenn ich
Küchendienst hatte. Keine Ruhiggestellten
mehr, die mit ausdrucklosen Gesichtern
auf einen zuwankten, um einen zu umarmen …..
Keine nächtlichen Wichsgeräusche mehr,
keine versifften Klos mehr mit uralten Holzbrillen
(offen aufgereiht in einer 10er-Reihe).
Kein stumpfes Plastikbesteck mehr
(einer hatte eine Gabel zerbrochen & die Einzelteile
runtergeschluckt)…..
Keine Klugscheißerei mehr von
sogenannten Ärzten, die selber nichts
begriffen & dieses Nichtbegreifen in
Floskeln verpackten.
Keine vergitterten Fenster mehr.

Ich war draußen,
ich musste nicht zurück. Ich hatte
meine Lektion in Verstellung gelernt,
und in der Einsamkeit kann niemand mit
dem Finger auf einen zeigen &
nach dem Krankenwagen rufen.
Letztlich war das egal, weil der
Unterschied zwischen drinnen & draußen
doch kleiner ist, als man denken möchte.
Und deshalb muss ich nicht
zurück. Vielleicht.

(siehe auch: Das Fingerschnippen)


Alles liegt

Ich liege im Bett
komme nicht hoch
Wochen voller Cocktails
liegen hinter mir
Der Fernseher läuft tonlos
meine Brille liegt in
einem anderen Zimmer
auf dem Boden
wenn ich mich recht
erinnere
dort wo ich stolperte
Schweiß friert auf mir
Die bewegten Bilder sind
mir zu schnell
Telefonnummern &
nackte Frauen
Ich sehe sie unscharf
Ich habe Hunger
ich muss ihn ignorieren
Ich nehme mir vor
heute nicht zu trinken
& würde lachen
wenn ich es könnte
Ich kaue ein Aspirin
trocken
Bücher liegen verstreut
neben dem Bett
Staub liegt auf den Büchern
Nicht lange &
es wird mir wieder gut gehen
Aber es ist mir egal wie
es mir geht
Und auch das muss
an irgend etwas
liegen


Gehirnerschütterung

Menschen bluten
Menschen scheißen & pissen
Menschen sind verzweifelt
Menschen lachen
Sie sind sich peinlich
Haare wachsen
wo sie nicht wachsen sollten
Menschen stinken
sie riechen sich selbst
Menschen versuchen sich
selbst zu befriedigen
Sie scheitern
Menschen behaupten
andere zu hassen
Es ist Verzweiflung
Es ist Einsamkeit
Das Wissen alleine zu sein
alleine zu sterben
Menschen laufen maskiert
durch ihre begrenzte Zeit
Sie wissen es &
sie geben es nicht zu
Menschen möchten schön sein
& glücklich
& geliebt
von denen die behaupten
andere zu hassen
Menschen zerstören sich selbst
Menschen sind erschüttert
ihre Gefühle sind erschüttert
ihr Gehirn ist
erschüttert


Schönheit

Würde Schönheit glücklich machen
wäre sie glücklich

Sie sitzt da
in der Nacht

allein

& sie ist unglücklich

Wer sie versteht
muss hässlich sein

Ich
bin hässlich

& finde das
schön


Sardellenpaste

Bei manchen Menschen nimmt das Schicksal
Vaseline, bevor es sie fickt –
Bei mir nimmt es
Sardellenpaste
Ich liebe Sardellenpaste
ich schmiere sie mir aufs Butterbrot
genieße den Geschmack
trinke Geistiges dazu
wackle mit dem Arsch
& shakere mit dem Pech


Fahrpläne

Sie verbrannten meine Fahrpläne
Die Zeiten, ich hatte sie nicht im Kopf
Die Ziele, ich hatte sie vergessen
Ich wußte nicht, wohin
Ich wärmte mich an dem Feuer
& ich fühlte mich frei
Sie hatten mir keinen Gefallen tun wollen
Aber es war einer


Chronistenpflicht

Ich kannte sie
die junge Frau
deren Blut sie im Fernsehen zeigten
Ich saß mit meinem Bier auf dem Sofa
schaute die Nachrichten
Ein Unfall
ein zerstörtes Auto
Sie mußten
natürlich
das Innere
zeigen
Chronistenpflicht
Scheiß auf die Menschen
die sie kannten
die mit ihr gelacht hatten
Vergesst ihre Familie
das Innere ist wichtig
das Innere des Autos
in dem sie gestorben war
»Hast du die Blutlache im Bild?«
Sie war 20 Jahre alt
gewesen
Ich kannte sie
Kannte die Frau, die
ihre letzte SMS erhalten hatte
Die letzte SMS – kurz
vor der letzten Kurve
abgesendet
Ich ging in die Küche
Bier reichte da nicht


Spaziergang

Sie treten in die Fresse
die nichts zu fressen hat
Ihr Spaziergang um
Lust zu schnappen
in der dummen Sinnlosigkeit
ihres Daseins
Stiefel im Gesicht
rot vom Fusel
rot vom Blut
Das Leben fließt
gefühllos

Sie treten vorbei
gehen vorüber
Ihr Spaziergang um
Luft zu schnappen
in der sicheren Nutzlosigkeit
ihres Hierseins
Angst im Gesicht
Rot vor Scham
sollten sie werden
Das Leben flüchtet
gedankenlos

sie + sie =


Die unbekannte Welt

Du gehst durch die Welt
Die Welt, die du kennst

Du meinst, sie zu kennen
aber
es ist nicht dieselbe Welt

Du dachtest,
alles sei gleich,
alles dasselbe

und dann erfährst du
jemand ist gestorben
gestorben vor Jahren

Jemand, der zu deiner Welt
gehörte
(kein Kontakt seit Jahren, aber
das hatte keine Bedeutung)

Du bist gegangen
durch die Welt
die du glaubtest zu kennen
(alles schien vorhanden, im
Hintergrund, über den man
nicht nachdenkt)

Aber es war eine
andere Welt
durch die du gegangen bist
schon seit Jahren

eine unbekannte Welt
durch die du
unwissend
gegangen bist

seit Jahren


Narben

Deine Narbe hat dasselbe Muster
wie meine, sie
sieht aus wie der Weg auf einer
Landkarte

Ich kenne diesen Weg
ich weiß, wohin er führt

Ein Ziel
das wir beide
kennen.


Zirkus

Seht zu, wie ich über das Seil laufe
Seht zu, wie ich auf dem Seil springe
Seht zu, wie ich auf dem Seil tanze

Das Seil ist meine Welt
Das Seil ist die Zeit
Das Seil ist das Sein

Seht zu, wie ich
abstürze &
lächelt


Selbstzerstörung

Wenn ich mich selbst zerstöre
bin ich der Welt voraus
Der Tod ist mein Sklave
er muss tun was ich will

Die Selbstzerstörung ist mein Spott & meine
Verachtung für alles
was mir anerzogen wurde

Sie ist Flucht aber
sie ist auch Verfolgung

Freiheit im Gefängnis


Der große Gedanke

2 Sekunden zuvor hatte ich
den großen Gedanken

Er erklärte mir
die Welt

Plötzlich verstand ich
Alles

Die ganze Scheiße, das Leid,
die Freude

2 Sekunden zuvor saß ich still
in meinem Sessel

Ich fing an
Alles mit Humor zu sehen

Ich trank ein weiteres
halbes Glas

Und plötzlich war Er
weg

Aber ohne den Alkohol wäre er
niemals da gewesen


Betten

Du siehst durch Gitterstäbe
in die Welt
zauberhaftes Gefängnis
in dem Du träumst
Große Menschen beschützen
Dich

Gitterlos & schmal
Große Menschen kotzen Dich an
Du wichst 5 Mal am Tag oder
in der Nacht
Du träumst & träumst &
spritzt & spritzt

Weite Freiheit
voll von Gerüchen
4 Beine die auf 4 Beinen
sich winden
Flecken wie Landkarten
Feuchte Kontinente

Breite Gefangenschaft
Karussellene Langeweile
trottende Jahre
schweigend geteilte Einsamkeit
Argumente &
Ertragen

Schmale Vorbereitung auf
das Ende
weißes Metall
hochgeklappte Begrenzung
in fremder Umgebung voll von
Scheiße & Schmerz

Du siehst ins
Nichts
hölzernes Gefängnis
die letzte Enge
die ins Weite fließt
Ende & Vergessen


Die tote Katze

Die tote Katze lag auf der Landstraße.
Der Wagen vor mir nahm sie zwischen die Räder.
Ich nahm sie zwischen die Räder. Sah
keine äußeren Verletzungen. Wie im
Schlaf lag sie da. Jung gestorben. Eine
Anfängerin auf der Straße.
Ich sah sie im Rückspiegel, ich
entfernte mich. Im Rückspiegel sah
ich, wie sie aufrecht & fast durchsichtig am
Straßenrand saß. Sie blickte mir nach.
Ich hörte sie denken. Warum fahren
alle vorüber? Warum hält niemand an?
Warum legt niemand meine Leiche an
die Seite? – Im Dunkeln wird mich jemand
überfahren. Meine Eingeweide werden
über die Straße verteilt werden. Warum
fahrt ihr vorüber?
Sie blickte hinüber
zu ihrer Leiche.
Ich fuhr weiter. Schaute nicht mehr
in den Rückspiegel.
Fuhr 1 Kilometer, fuhr 1 ½ Kilometer.
Der Motor schnurrte. Ich fuhr 2 Kilometer.
Dann hielt ich an &
wendete.


Der Mond & seine Unterhose

Wir saßen auf der Terrasse
Sonne vergangen, TagesEnde
unsere Beine verschachtelt
Es war warm, Baumsilhouetten
im Mondlicht
Der Mond war voll &
von einer Farbe, die warm war
Gartenduft mischte sich mit
dem Duft ihrer Haare
»Schön«, sagte sie leise,
»der Mond.«
»Ja«, sagte ich, »als hätte
er sich die vollgekackte
Unterhose über den Kopf
gezogen.«
Sie kicherte. Stupste mich
an. »Du bist sooo romantisch,
du Arsch.«
Der Druck ihrer Oberschenkel
Ihr Kicheratem in meinem
Gesicht
Sie hatte recht
Ich war so verschissen
romantisch!


Alkohol-Werbung

Junge schöne Frauen in Hotpants
an SonnenStränden, blaues Meer, weißer Sand;
Sand, der zwischen ihren Zehen rieselt
Braune Locken, braune Beine, knappe Oberteile
blendende Zähne, schluckende Münder
funkelnde Gläser

Ich sitze vor dem Fernseher mit
einem Ständer; doch: andere Bilder
mischen sich ein :
Das Schaufenster eines Elektrohandels,
darin TVs, es läuft dieser Spot,
davor liegt jemand in seiner Kotze,
bewußtlos …………………
Menschen gehen vorüber, unbeteiligt,
Nasen rümpfend. Ich, der
ich die Treppe herunterfalle; ich
sehe ……………………..
mein Spiegelbild ….. &

mein Ständer
bricht zusammen

Ihr Heuchler!


Das Fotoalbum

Dieses Fotoalbum war typisch für
meinen Bruder. Ein auf den ersten
Blick normales Album mit Familien-
fotos, Urlaubsschnappschüssen,
Kinderbildern, Bildern vom Hund,
von den Katzen. Ein Album, in dem
Besucher blättern. Man blätterte,
mehr oder weniger gelangweilt.
Und dann gab es da diese kleinen
zufällig verteilten ÜberraschungsTupfer :
Fotos seiner Frau : zB Rückansicht
im langen Abendkleid

welches sie hinten hochhebt, über die
Schulter in die Kamera lächelnd;
ein nackter Hintern, eine
flirrende Oase in der Wüste des
EwigGleichen.
Ein Fotoalbum, das den Gesichts-
ausdruck des Blätternden verändern
konnte. Ihre Muschi zwischen den
Katzen. Sie saß, scheinbar gelassen,
daneben, sagte:
„Ihr kennt ihn doch.“ (Ich fühlte
das Blut, das in ihr Gesicht fließen
wollte; wie ich Alles in ihr fühlte.)
Ja, man kannte ihn.
Ich liebte dieses Album.
Wie oft hatte ich mir damit
einen runtergeholt. Sagte mir,
sie hätte bestimmt nichts dagegen.
Und dann brauchte ich irgendwann
das Album nicht mehr. Denn
ich hatte sie. Wir uns. Er hätte
das Album – rechtzeitig –
verbrannt, wenn er so weit hätte
denken können.


Ab-Sturz

Als ich aufwachte, tat mir der Arsch weh
Ich wusste nicht, warum
Die Schlafzimmertür stand offen
ich hatte sie nicht mehr schließen können
Die Hose lag am Boden, Knopf geschlossen
ich hatte ihn nicht mehr öffnen können
Im Briefkasten eine Benachrichtigung
Jemand hatte geklingelt, ich war
nicht aufgewacht
Ich kochte mir ein Ei
ging ins Bett zurück
aß vorsichtig
Schlief wieder ein

Am nächsten Morgen
wachte ich auf
ging in den Keller, wo
mein Rauch- & Saufzimmer ist

Bücherstapel auf der Treppe waren
zusammengebrochen
Flaschen lagen überall &
ich erinnerte mich:

Ich war die Treppe runtergefallen
Das erklärte den Schmerz
beruhigend

Hier unten
am Fuß dieser Treppe hatte
viele Jahre zuvor
meine Mutter gelegen
mit gebrochenen Rippen
Um Hilfe rufend, aber ich
hatte geschlafen

Es war das erste Anzeichen gewesen:
Sie konnte es sich nicht erklären –
eine Stufe passte nicht in ihren SchrittRhythmus

: Parkinson


Multiple Choice

Willst Du mein Freund/in sein? Ja [ ] Nein [ ] Vielleicht [ ]
Bist Du mein(e) Feind/in? Ja [ ] Nein [ ] Vielleicht [ ]
Willst Du mich halten? Ja [ ] Nein [ ] Vielleicht [ ]
Willst Du mich quälen/töten? Ja [ ] Nein [ ] Vielleicht [ ]
Vertraust Du mir? Ja [ ] Nein [ ] Vielleicht [ ]
Hasst Du mich? Ja [ ] Nein [ ] Vielleicht [ ]

Alle Stifte sind zerbrochen
Die Minen liegen am Boden
unterm Boden
Kein X, dass man mir fürs U vormachen könnte
Kreuze, die ich trage
Kreuze, die ich mache

Die Wahl ist
keine Wahl

Kreuze & Nägel & Hämmer


Der Briefkasten

Wenn das Schreiben nicht mehr hilft
Wenn der Alkohol nicht mehr hilft
Wenn die Musik nicht mehr hilft
Wenn schlechte Nachrichten kommen
Wenn die Angst auf deinen Rücken springt &
sich an deinem Hals festhält

Was bleibt?

Du wähnst dich allein im All
auch wenn Unzähligen das Gleiche
passiert

Ruhig erwachte ich in der bekannten Welt
Wußte, was ich tun würde
….gelassen…..
ging ich zum Briefkasten &

fiel in eine unbekannte Welt

in der meine Existenz
zittert


Shorts

Manchmal fahre ich in die Stadt
in die Sonne
Ich setzte mich auf den Marktplatz
um Beine zu sehen

[Beine = Frauenbeine
denn Männer haben nichts
was diese Bezeichnung verdient.
Wir haben Gehwerkzeuge.]

Und manchmal geht eine
junge Frau vorüber
deren Jeans ungleichmäßig
kurz geschnitten wurden
Die Fransen sind ungleichmäßig
alles ist schief
Keine maschinelle Fabrikation

Das ist der Wille
denke ich
Der Wille
die Beine zu zeigen

Sie hat sich eine Schere genommen
zu meinem Glück &
dachte vielleicht:
Ein Stückchen kürzer geht’s noch

Und ich freue mich
& beneide sie
maßlos


Licht

Ich bin so ein kleines Licht
aber das kleinste Licht
reicht aus
die Finsternis zu killen