Tagesarchiv: 15. März 2012

Eine Art von Tanz

Der kleine Junge im Zoo –
das war ich.
Ich stand vor dem Elefanten-Gehege.
2 Elefanten langweilten sich darin,
ihre mächtigen Ärsche mir halbseitlich zugewandt.
Und wenn ich meinen
rechten Fuß über die niedrige Begrenzung
in das Gehege setzte,
bewegte der eine der Elefanten
das linke Hinterbein
einen Schritt zurück.
Nahm ich meinen Fuß wieder aus dem Gehege,
machte er seinen Ausfallschritt rückgängig.
Minutenlang ging dieses Spielchen; es war
jedesmal das Gleiche.
Und immer wenn ich meinen Fuß über
die Begrenzung setzte, hatte ich
Angst.
In meiner Kinderfantasie sah ich bereits
den Elefanten sich umdrehen &
auf mich zulaufen, um
mich niederzutrampeln.
Ich hatte Angst, aber ich konnte
es nicht lassen.
Ich war fasziniert.
Mein Takt war
sein Takt; meine Geschwindigkeit
war seine Geschwindigkeit.
Wenn ich nur andeutete, den Fuß ins Gehege
zu setzen, es aber nicht wirklich tat,
deutete er seinen Ausfallschritt auch nur an;
sein Fuß blieb in der Luft wie meiner.
Ich fühlte
eine Art von
Verbundenheit.
Vielleicht
gab es gar keinen Grund zur Angst.
Vielleicht
war das Ganze nur eine Art von
Tanz.