Tagesarchiv: 14. November 2011

Die Kachel

Da ist diese eine Kachel
poliert & glänzend

in dem Haus
in dem Du wohnst

Aber einst
in der Vergangenheit

saß auf dieser Kachel
eine widerliche Spinne
vor der Du Angst & Ekel hattest

Und niemals wieder
kann diese Kachel so
poliert & glänzend sein

dass Du
diese 1 Spinne
vergisst


Der Kopfschmerz

Niemand ist gerne
erkältet

Um sich nicht zu erkälten
stellt man den Kragen hoch

Man zittert dennoch
vielleicht

Vielleicht auch ist man
einfach nur verspannt

Aber da der Kragen hochgestellt ist
kann niemand einem den Nacken massieren

& die Folge ist
der Kopfschmerz


Das Ungeschehene

Irgendwann habe ich aufgehört,
das Ungeschehene zu bereuen –
zu bereuen, dass ich etwas
(vielleicht aus Angst, vielleicht
aus Bequemlichkeit)
nicht geschehen ließ.

Denn die Fantasie kennt keine Ernüchterung;
keine Routine; keine Langeweile ….

Was geschieht, ist immer in Gefahr,
Ritual zu werden –
und die schönste Erinnerung an das Geschehene
wird blasser.

Und wenn die Erinnerungen an das Geschehene
blasser werden,
gewinnen die Erinnerungen an das Ungeschehene
an Farbe.

Die gefahrlosen Liebschaften der Fantasie
lachen über
die gefährlichen Liebschaften der Realität.

Irgendwann habe ich aufgehört,
das Ungeschehene zu bereuen.
Irgendwann sagte ich mir,
dass es so sei.

Und ich glaubte es mir.


Das hat bestimmt schon jemand geschrieben

2 Menschen, die immer in dieselbe Richtung schauen,
werden niemals sich in die Augen blicken, niemals sich
küssen können.

Sie müssen in entgegengesetzte Richtungen schauen.

[Das ist so simpel, dass es bestimmt
schon jemand geschrieben hat;
aber vielleicht auch nicht –
eben weil es so simpel ist….]


Vergessene Filme

Vor allem früher
passierte es mir des öfteren, dass ich
– über viele Jahre hinweg –
von einem älteren Film dachte:
Den muss ich unbedingt endlich mal sehen;
der muss großartig sein!

Dann sah ich ihn & stellte fest:
Ich kannte ihn bereits!

Der Wunsch & die Erinnerung an den Wunsch,
den Film zu sehen,
waren stärker gewesen als die Erinnerung an die
Erfüllung des Wunsches – –

Und jedes Mal fragte ich mich:
Lag es an dem Film
oder
lag es an mir?

Und vor allem:
passierte mir das nur
mit Filmen?