Kurven im Nebel

Die Kurven hatte ich
in meiner Erinnerung;
das Lenkrad fest im Griff.
Nebel fiel in die Nacht
& wurde zu einem Spiegel
auf dem gefrorenen Asphalt.
Waberndes Weiß im Scheinwerferlicht.
Die Sicht unfrei & abgeschnitten.
Erzwungene Langsamkeit, die
das Ende der Strecke in zeitliche Ferne rückte.
So oft war ich diese Route gefahren,
dass sie mich langweilte bis zum Ekel;
und auch das Ziel war nur
eine üble Angewohnheit.
Der Vorhang,
der Spiegel,
das Fremde
forderten meine Aufmerksamkeit;
kaum nahm ich die Musik wahr, die
aus dem Radio kam.
Ein dunkles Tier kreuzte meinen Weg;
so schnell, dass ich nicht erkennen konnte,
was es war …..
Es verschwand unversehrt im Nebel –
ohne dass ich das Bremspedal berührt hatte.
Da war kein Licht
außer meinem.
Im Glanz des Spiegels war nichts zu sehen;
nichts – außer der Gefahr …..
die Möglichkeit des Abkommens,
die Möglichkeit der Verletzung,
die Möglichkeit des Todes.
Ich fühlte die nächste Kurve,
fühlte sie näher kommen, obgleich doch
ich es war, der sich ihr näherte.
Links, dachte ich, leicht links, sanft links ….
Ein ununterbrochener Mittelstreifen,
ein Seitenstreifen, jenseits dessen ein Graben lag.
Ich musste nur vorsichtig, ganz wenig
einlenken …..
Eine unfassbare Traurigkeit kam aus dem Nebel
auf mich zu; ungreifbar wie dieser,
wabernd & undurchschaubar.
Die Kurven
ich hatte
sie
in meiner Erinnerung.
Vielleicht auch nur
im Gefühl.
Doch es bestand die Möglichkeit, dass
meine Erinnerung, dass
mein Gefühl
mich täuschte.
Die Gefahr der Täuschung war überall.
Auch in mir.
»Gib Gas«, sagte die Traurigkeit.
Und die Musik schien lauter zu werden.


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