Tagesarchiv: 1. November 2017

2102

Vladimir Nabokov schrieb an seine Frau, Véra:

Weißt Du, als Natascha Wanja schlafen legte und mit einer großen
Sicherheitsnadel seine Kleidung an ihm feststeckte, hat sie ihm
durch die Haut gestochen und es nicht gemerkt, aber er
schrie natürlich, und endlich stutzte sie, betrachtete ihn genau,
und da sah sie, dass sein Bäuchlein säuberlich mit der Nadel
durchstochen und festgesteckt war.

Ich zuckte
zusammen – 85 Jahre
später – mein Gesicht
beinahe schmerz

verzerrt Alle 
sind tot Vielleicht
lebt Wanja noch? Möglich
Was ist

schon Zeit
im Hinblick auf
Empfindungen?

Selbst – eine Empfindung

‹Schmerz vergeht
mit der Zeit›
Doch Worte rufen ihn 
hervor über die Zeiten 

hinweg in einer anderen 

Dimension Nur eine Vorstellung
die wehtut
Ohne Verletzung Ohne

Blut Verbunden
über alle Gegenwarten 
hinweg mit den Empfindungen 

von Fremden (die nicht einmal existiert haben
müssen ….) 

Ich stehe auf
vom Schreibtisch
gehe in die Küche
um mir einen weiteren Nescafé zu machen

Ein Stein
piekst meine Fußsohle
Kochendes Wasser spritzt auf meine Hand …..

(oder lüge ich
vielleicht?)

Hey, Sie da – im Jahre 2102 !
Können Sie es fühlen?