Letzten Endes 

Das letzte Gedicht
vor dem Tod
des Dichters.

Der Leser weiß es
(zumindest kann er es wissen),
mancher Dichter wird es fühlen
(vielleicht kann auch er es wissen).

Schon nicht mehr ganz da,
mit dem Geist schon
halb in der Kiste.

Noch nicht
ganz da
schon nicht
mehr hier

Es könnte das beste Gedicht sein,
es könnte das schlechteste Gedicht sein;
oder einfach

gar nichts
Besonderes.

Man weiß nicht,
welche dieser Möglichkeiten
die schlimmste Tatsache wäre.
Abgesehen vom Tod

natürlich. Wobei aller
dings der Tod
keine Möglichkeit ist –
außer für den Selbstmörder.

Ansonsten
ist er bloß eine Gewissheit.
Wahrlich nichts Besonderes.

Das letzte Gedicht
vor dem Tod
des Lesers.

Der Leser
kann es fühlen.
Der Dichter
weiß nichts.

Es sollte besser
nicht zu gut sein,
um den Abschied nicht
unnötig zu erschweren.

Lieber
nichts Besonderes.

Der letzte Dichter
vor dem Tod
des Gedichts.

Es geht
um letzte Dinge.

Zerfall der Gedanken
Zerfall der Welt
Zerfall der Gedankenwelt

Und jeder Tod ist
ein Buch, das sich selber zuschlägt,
und keine Kraft kann
es mehr öffnen.

Welche Seite war
die letzte, die man sah?
War es die letzte?
Und was stand da?
Ein Gedicht?

Unwahr
Scheinlich

Aber
möglich. Vielleicht
das letzte vom letzten

Menschen


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