Das Tier der Angst

Ich hatte es gesehen, das
verhasste Tier – – es
lief schnell, versteckte sich
vor mir; als ahnte es, dass
es von mir nur Unheil zu
erwarten hatte.
Es war so schnell in seiner
Flucht, dabei trug es eine schwere
Last auf seinem Rücken; die
Last all meiner irrationalen Ängste;
alles was ich nicht verstand,
beschwerte das Tier. Ein kleines
Tier, das mir zu groß war. Seine
Größe & seine Schnelligkeit
schürten meinen Hass,
mein Unverständnis, meinen
Ekel, meine Angst. Und nun
sah ich es nicht mehr. Und
weil ich es nicht mehr sah,
wuchs es. Immer bedrohlicher
wurde es. Ich spürte seine
Existenz, spürte die dünnen
Beine an mir emporklettern.
Jeder sich bewegende Schatten
konnte das Tier sein; auch
mein eigener. Ich erschreckte
vor mir selber; und mein
Blick war nur noch auf den
Boden gerichtet. Wo ist es?
Wo ist es nur? Ich weiß, es ist
da. Irgendwo wartet es. Ich
weiß nicht, worauf es wartet.
Und weil es ein Tier ist,
weiß es das selber auch nicht;
es wartet instinktiv. Ich
warte, dass es herauskommt;
das ist mein Instinkt. In diesem
Moment bin ich so klug – oder
so dumm wie dieses
Tier. Nein – das Tier ist
klüger als ich; denn es hat
Angst vor mir, und seine
Angst ist
besser begründet.


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